Emotionale Instabilität – Manchmal weiß, manchmal schwarz

· 1. Juli 2016

Es ist normal, dass wir manchmal fröhlicher und motivierter sind als andere Male. Es ist ebenfalls normal, dass wir manchmal genervt sind, wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir das gern hätten.

Es ist also klar: Dass Gefühle existieren, hat einen guten Grund. Sie spielen eine Rolle bei der Erreichung unserer Ziele, um uns auszudrücken und um zu überleben.

Sie werden jedoch zu Problemen, wenn diese Gefühle nicht mehr nur situationsabhängig auftreten und sich eine Person gänzlich von ihnen mitreißen lässt. Dabei entwickeln sie Verhaltensweisen, die ihr alltägliches Funktionieren und ihre Anpassungsfähigkeit stören. Das heißt, anstatt ihre Probleme zu lösen, schaffen sie neue.

Emotionale Instabilität

In der Psychologie wird dieses Phänomen emotionale Instabilität genannt. Emotionale Instabilität ist eine Charaktereigenschaft und wer unter ihr leidet, ändert ständig seinen Gemütszustand, ohne erkennbare oder vernünftige Ursache.

Mit Frustration werden Betroffene nicht fertig. Das heißt, wenn etwas nicht so läuft wie sie das gern hätten, reagieren sie darauf mit einer Serie von sehr intensiven und extremen Gefühlen und Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Wut oder Aggression. Dies kann sich sowohl gegen sie selbst als auch gegen andere richten und auch zu Drogenkonsum oder Promiskuität führen.

Betroffene sind meist Menschen mit geringem Selbstbewusstsein, Schwarz-Weiß-Denken, Kommunikationsproblemen und wenigen Ressourcen, um mit schwierigen Situationen im Leben zurechtzukommen.

Außerdem sind sie oft sehr impulsiv und denken nicht über mögliche Konsequenzen ihres Handelns nach. Das hat zur Folge, dass sie immer mehr Probleme schaffen, mit denen sie wiederum nicht umgehen können.

Mädchen mit Aquarium

Auf der anderen Seite verlieben sie sich sehr schnell und idealisieren Personen, was dazu führt, dass sie emotional abhängig werden, und relativ häufig ihre Partner wechseln, denn sie sind nicht gern alleine. Sie äußern zudem oft, dass sie sich innerlich leer fühlen.

All das beschert ihnen viele Probleme im sozialen Leben, aber auch im Beruf und in der Familie.

Emotionale Instabilität kann man behandeln. Allerdings ist es dabei sehr wichtig, dass der Betroffene  motiviert ist, etwas zu ändern und zu verbessern.

Instabile Personen ändern sich nicht von einem Tag auf den nächsten, denn die zuvor erklärten Verhaltensweisen haben sie verinnerlicht und automatisiert. Aber mit Übung und Motivation wird es ihnen schließlich gelingen, ihre Persönlichkeit in die richtigen Bahnen zu lenken.

Einige der Techniken, die in solch einer Therapie angewandt werden, sind die Folgenden:

Das Temperament abkühlen

Emotional instabile Personen überhitzen sehr schnell und reagieren explosiv, ohne zu denken. Deshalb ist es wichtig, zu lernen, Probleme mit einer bestimmten emotionalen Distanz zu betrachten, um sie besser analysieren und kontrollieren zu können.

Eine Art, dies zu tun, ist, sich von der Situation selbst zu distanzieren, und anstatt dessen Aktivitäten nachzugehen, die Spaß machen und dabei auch gesund sind. Sich zu betrinken bringt zum Beispiel gar nichts. Mit dem Hund Gassi gehen, Fahrrad fahren, Musik hören, allein einen Film zu schauen – all das und viel mehr hilft uns dabei, uns zu unterhalten, unseren Kopf frei zu bekommen und unsere Wut oder unser Unwohlsein zu reduzieren.

Problemlösung

Aus einer Situation zu flüchten und so seine Wut zu zähmen kann sehr hilfreich sein, denn so können wir die Situation aus einer anderen Perspektive betrachten. Dabei kann es jedoch nicht bleiben. Wir müssen uns dem Problem stellen.

Die Technik der Problemlösung ist sehr einfach anzuwenden und kann uns sehr helfen. Es geht darum, so viele verschiedene Lösungsalternativen wie möglich zu finden, die weder Eigenaggression noch Aggression, die sich gegen andere richtet, oder sonstige negativen Verhaltensweisen beinhalten.

Klarzustellen ist dabei jedoch, dass keine Lösungsalternative zu 100% perfekt sein wird. Alle werden ihre Vor- und Nachteile haben. Sobald wir alle Alternativen zusammen haben, die uns einfallen, bewerten wir jede einzelne mit einer Punktzahl.

Anschließend wählen wir eine einzige Lösung, die mit den meisten Vorteilen und wenigsten Nachteilen, und wenden sie an.

Wenn wir sie auswählen, machen wir einen Plan, wie wir mit möglichen Schattenseiten, die mit dieser Lösung einhergehen, umgehen können, damit sie uns nicht unvorbereitet treffen und wir nicht negativ auf mögliche Frustrationen reagieren, die sie hervorrufen können. Wichtig ist, Entscheidungen treffen zu können und sie nicht zu verschieben, und dabei Dinge in Kauf zu nehmen, die uns nicht gefallen.

Ein sokratischer Dialog mit uns selbst

Der sokratische Dialog ist eine Technik, die daraus besteht, unsere eigene Denkweise zu hinterfragen, die bei instabilen Personen oft fehlerhaft ist.

Um diese Technik anwenden zu können müssen wir jedoch zunächst die Situation oder das Problem, das in uns heftige Gefühle und Unwohlsein hervorrufen, identifizieren.

Sobald wir diese identifiziert haben, fragen wir uns, was wir darüber denken. Typische Gedanken, die von emotionaler Instabilität zeugen, sind: „Wenn sie mich nicht anruft, bedeutet das sicher, dass sie mich vergessen hat und mich nicht mehr liebt.“

Nachdem wir diese schädlichen Gedanken identifiziert haben, fangen wir an sie zu hinterfragen. Dabei hilft es sehr, unsere Fragen und Antworten aufzuschreiben.

Ein Beispiel: „Wieso bin ich so sicher, dass sie mich nicht mehr liebt? Welche anderen möglichen Erklärungen könnte es geben, an die ich noch nicht gedacht habe? Ziehe ich voreilige Schlüsse?“

Wenn sich die Betroffenen solche Fragen stellen und sie realistisch beantworten, verändern sich ihre Gefühle und sie werden gelassener und flexibler.

Training in Selbstbehauptung

Betroffene Personen verlieren die Berechtigung, die sie mit mancher ihrer Verhaltensweisen und ihrer Art, die Dinge auszudrücken, eventuell doch haben. Deshalb benötigen sie eventuell ein Training in Selbstbehauptung, das ihnen mit ihren Selbstbewusstseinsproblemen oder Ähnlichem weiterhelfen wird.

Mann und Frau zwischen Tür

Eine der Techniken zur Selbstbehauptung ist es, mit anderen eine Einigung zu finden.

Diese Technik wird angewandt, wenn die betroffene Person ihre Rechte verletzt sieht oder wegen etwas frustriert ist, und ihr Unwohlsein auf angemessene Weise zum Ausdruck bringen möchte.

Man befolgt dabei die folgenden Schritte: Zuallererst bringen wir dem Gegenüber Wertschätzung entgegen und versuchen uns in ihn hineinzuversetzen: „Mir ist bewusst, dass es nicht deine Absicht war.“  So äußern wir unseren Unmut über die Ursache unseres Unwohlseins, aber ohne dabei den Gegenüber zu verurteilen, denn Menschen können Fehler machen und es ist wichtig, dies anzuerkennen: „Mir geht es schlecht, aber ich weiß, dass du dies nicht wolltest.“

Nachdem wir unser Unwohlsein zum Ausdruck gebracht haben, schlagen wir eine Lösung vor, damit dasselbe nicht noch einmal passiert. Dabei müssen wir ebenfalls die Vorschläge des anderen und seine Meinung berücksichtigen. Auf diese Weise verhandeln wir eine Lösung und gelangen schließlich zu einer Einigung. Man sollte sich währenddessen nicht anschreien, streiten oder beleidigen. Das würde nur noch mehr Probleme schaffen und wir würden niemals eine Lösung finden.

Simpel, aber gar nicht so einfach. Deshalb spielt die Übung eine wichtige Rolle, wenn du aus diesem emotionalen Gefängnis, in dem du dich befindest, entfliehen möchtest. Erlaube dir, frei zu sein, und lasse nicht zu, dass die Gefühle dein Leben kontrollieren.