Lass dich lieben, denn wunderschöne Liebe tut nicht weh

Lass dich lieben, denn wunderschöne Liebe tut nicht weh

Letzte Aktualisierung: 28. Juni 2017

Lass dich lieben, denn Liebe, die wunderschön und authentisch ist, tut nicht weh, betrügt nicht und sie kennt auch keine Tränen. Liebe, die die Freude wert ist, ist die, die mit offenen Augen und einem leidenschaftlichen Herzen angeboten wird. Es ist eine reife, bewusste Beziehung, in der keine Leeren gefüllt oder egoistische Einsamkeit erleichtert wird.

Wenn wir für einen Moment darüber nachdenken, dann werden wir realisieren, dass die folgende Idee in unserer Kultur tief verwurzelt ist: “Wer auch immer dich wirklich liebt, wird dich leiden lassen.” Diese Vorstellung ist jedoch falsch. Schmerz und Liebe sind zwei sehr verschiedene Dinge, denn eine ehrliche Beziehung basiert auf Gegenseitigkeit und niemals auf toxischen Gefühlen.

Lass dich wundervoll lieben, lass dich so lieben, wie du es verdienst,
denn meine Liebe tut nicht weh und Liebe, die wahr ist,
ist immer die Freude und nicht den Schmerz wert.

John Gottman ist ein Spezialist in Sachen Beziehungen. In einem seiner Bücher – in Was muss man tun, damit eine Beziehung hält? – erklärt er, dass das Geheimnis einer lang anhaltenden Beziehung sei, zu wissen, wie man sich selbst investiere und gäbe. Damit meint der Professor Emeritus der Psychologie der University of Washington (Washington, USA) das Bedürfnis von gegenseitiger Fürsorge, ein ehrliches Interesse füreinander zu zeigen und vor allem gemeinsame Bedeutungen und Werte zu schaffen. Schmerz gehöre deshalb nicht in so eine Beziehung und mache auch keinen Sinn.

Wir laden dich dazu ein, darüber nachzudenken.

Die fehlende Liebe und die Spuren, die sie in unserem Gehirn hinterlässt

Es gibt Menschen, die es schaffen, eine romantische Beziehung, die auf Respekt, Freude und Wachstum basiert, zu führen. Eine ihrer edelsten Eigenschaften ist die Fähigkeit, so zu lieben, als wären sie niemals zuvor verletzt worden. Sie nutzen niemals den Schmerz, den sie in vorherigen Beziehungen erlebt haben, gegen ihren Partner. Es gibt kein fehlendes Vertrauen, keine Spuren von Verbitterung.

Wir kennen aber auch jene Menschen, die davon überzeugt sind, dass Liebe wehtut und sie basieren ihre Annahme darauf, dass ihre bisherigen Erfahrungen diesen Glauben bestätigt haben. Laut einer Studie, die in der Zeitschrift  Journal of Neurophysiology  veröffentlicht wurde, reagiert unser Gehirn auf die gleiche Art und Weise auf Trennungen wie auch auf körperlichen Schmerz.

In jüngster Zeit kann man eine interessante Entwicklung in Richtung relationale Biologie ausmachen: Die Grundidee ist hierbei, dass unser Gehirn dank der Neuroplastizität dazu fähig sei, diese Wunden zu heilen. Wenn wir dazu fähig wären, neue Netzwerke zu programmieren und jene neuronalen Verbindungen, die von Schmerz und emotionalem Trauma betroffen sind, zu reparieren, dann könnten wir sicher wieder ein inneres Gleichgewicht herstellen. Und uns neuen, angenehmen Erfahrungen öffnen.

Die Theorie der Interpersonalen Neurobiologie wurde vom Psychiatier Dan Siegel aufgestellt. Laut diesem Autors sei es der beste Weg, diese neuronalen Kreise, die von Wehrlosigkeit oder Traurigkeit befallen sind, zu reparieren, über sie zu meditieren. Das führe zu einem Zustand von Ruhe, in dem wir uns mit uns selbst auf sehr angebrachte Art und Weise verbinden könnten. So könnten wir jenes Gleichgewicht finden, in dem wir verstehen, dass das, was uns wehtut, nicht die Liebe selbst, sondern unsere Handlungen und Reaktionen, genauer gesagt unser Unwissen darüber, wie wir uns investieren und geben, seien, wie seinerseits schon John Gottman herausstellte.

Wundervolle Liebe, die Art, die nicht wehtut und keine Tränen kennt

Was schmerzt, ist fehlende Liebe. Niemals LIEBE, in Großbuchstaben. Was uns traurig macht, ist der verlorenen Kampf, die Erschöpfung eines investierten Herzens, Hoffnungslosigkeit, der Moment, in dem wir dem “ich verspreche dir, ich werde mich ändern”  oder “ich bin mir sicher, dass die Dinge jetzt anders laufen werden”  nicht mehr vertrauen.

Ich will diese Art von Liebe, mit geteilten Blicken, Worten voller Bedeutung, ein bescheidenes Herz, aber gemeinsame Wege.

Wir müssen eine Liebe, die nach Tränen schmeckt, absolut zurückweisen. Wir dürfen uns nicht davon überzeugen lassen, dass alle wahren Lektionen des Lebens vom Leid kommen. Alle von uns müssen das irgendwann einmal erfahren, um wiedergeboren, um wirklich geboren zu werden.

Glück kann uns auch etwas beibringen, und zwar eine ganze Menge. Denn bei der Liebe in Großbuchstaben gibt es keine schädlichen Aspekte, noch wird der Schwächere durch Ego, Angst oder Misstrauen unterdrückt. Zuneigung, die wunderschön ist, tut nicht weh und strebt auch nicht nach Leid. Und wenn an einem gewissen Punkt ein lichtloses Lächeln oder ein gesunkener Blick auftauchen, dann wird die andere Person nach dem Grund für diese Wolke suchen und sie augenblicklich verjagen.

So wie wir von Erich Fromm erinnert wurden, ist Liebe vor allem ein Akt des Vertrauens. Wir könnten sie auch als einen Sprung ins Leere sehen. Obwohl uns niemand versichert, dass alles gut gehen wird, sollten wir keine Zweifel daran haben, ein Risiko einzugehen. Wir geben immer unser Bestes, um uns selbst aufzugeben und den anderen Menschen zu erhalten.


Dieser Text dient nur zu Informationszwecken und ersetzt nicht die Beratung durch einen Fachmann. Bei Zweifeln konsultieren Sie Ihren Spezialisten.