Gegenseitigkeit erhält Beziehungen aufrecht

18. Januar 2017 en Psychologie 344 Geteilt

In unserer Gesellschaft messen wir oft ab, was wir geben und was wir glauben, im Gegenzug dafür zu verdienen. Wir verbringen eine Menge Zeit damit, das zu bewerten, was andere uns zurückgeben. Gegenseitigkeit ist zu einer Art Währung geworden.

Und das führt zu einer Menge Leid, denn wir entdecken regelmäßig, dass wir weniger erhalten, als wir glauben, zu geben. Deshalb fühlen wir uns unfair behandelt und sind mit unseren zwischenmenschlichen Beziehungen nicht zufrieden. Aber Gegenseitigkeit führt nicht zu Leid, wenn du das große Potenzial entdeckst, das in der Güte steckt und uns unsere Beziehungen genießen lässt.

Dinge von anderen erwarten

Wir neigen dazu, von anderen Gleichwertiges zu dem zu erwarten, das wir ihnen gegeben haben. Das führt zu Problemen, denn nur selten wird dieser Anspruch erfüllt. Wir fühlen uns frustriert, als würden sie uns benutzen, weil sie uns nicht so viel geben, wie wir uns erhofft haben.

Von anderen zu erwarten, Dinge auf eine bestimmte Art und Weise zu tun, und dann zu sehen, dass diese Erwartungen nicht erfüllt werden, kann sehr enttäuschend sein. Du magst dich dann vielleicht fragen, ob du wirklich weiterhin geben willst. Konservativer in Bezug darauf zu sein, was du gibst, könnte dir dann wesentlich attraktiver vorkommen.

Was uns dazu motiviert, zu geben, ist oft unser eigenes Interesse an ihrem Wohlbefinden. Wir wollen, dass sie sich gut fühlen, dass sie alles haben, was sie brauchen. Und am Anfang wollen wir dafür auch nichts von ihnen haben. Aber unbewusst geben wir wohl einen Kredit, den wir zu jedem beliebigen Zeitpunkt einfordern können wollen, nämlich dann, wenn wir uns in einer unangenehmen Situation befinden.

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Wenn es uns nun an Unterstützung mangelt oder wenn andere Menschen nicht auf die Art und Weise reagieren, wie wir es uns erhofft hatten, dann fühlen wir uns noch schlechter: Jetzt, wenn wir eine helfende Hand brauchen, scheint niemand darauf vorbereitet, sie uns zu reichen. Auch dann nicht, wenn wir nicht eine Sekunde gezögert haben, ihnen unsere Hand zu reichen, als sie diese gebraucht haben.

Dann kommen Gedanken auf, dass das, was wir erhalten nichts mit dem zu tun hat, was wir gegeben haben.

Das Bedürfnis, geschätzt zu werden

Auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, versuchen wir stets, anderen zu gefallen. Wir geben beinahe verzweifelt, denn wir brauchen es auch, dass andere uns etwas geben. Wir nehmen an: „Wenn ich nach anderen schaue, schauen sie auch nach mir“,  aber das ist ein Irrglaube, der nur zu Leid und Konflikt in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen führt.

Wir haben schon tausendmal gesehen, dass das nicht so ist, auch wenn wir davon überzeugt sind, dass es so sein sollte. Es ist daher viel gesünder nach sich selbst zu schauen, ohne etwas von anderen zu erwarten, und deshalb auch ohne zu versuchen, ihnen zu gefallen, um ihre Fürsorge zu erreichen. Natürlich heißt das nicht, dass du nicht nach anderen schauen solltest. Du kannst das machen, wenn du willst. Aber vermeide es, es zu einer Bedingung in deinem Kopf zu machen, dass du im Gegenzug auch etwas erhalten solltest.

Auf diese Art wird die Befriedigung, die du durch deine Güte erhältst, der einzige Grund sein, zu geben.

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Das Recht auf Gegenseitigkeit

Das Recht auf Gegenseitigkeit zu haben heißt, dir zu erlauben, anzunehmen, was andere dir geben und es zu genießen. Wenn du von niemandem etwas erwartest, dann wirst du viel mehr Dankbarkeit und Befriedigung erfahren.

Verstehe Gegenseitigkeit als einen Akt der Freiheit und denke daran, dass jede Person entscheiden kann, was, wann und wie sie geben will. Nur mit Respekt für anderer Leute Entscheidungen kannst du die Vorzüge der Gegenseitigkeit auch genießen.

Der Mensch, der bestreitet, dass er einen Gefallen erhalten hat, ist undankbar. Und auch der, der vorgibt, dass er nicht erhalten hat, und der nichts erwidert. Der undankbarste Mensch von allen aber ist der, der vergisst.

Seneca der Jüngere

Jeder entscheidet

Jeder entscheidet, ob er geben will oder etwas für jemanden tun will. Das heißt, niemand schuldet niemandem etwas. Wir sind alle frei und sind nicht zur Gegenseitigkeit verpflichtet. Genauso ist auch niemand dazu verpflichtet, sich bei uns zu revanchieren.

Also kannst du damit aufhören, das zu bemessen, was andere dir geben, denn es ist ihre Entscheidung. Sie müssen dir nichts geben, auch wenn du schon etwas für sie getan hast. Auf die gleiche Art und Weise wirst du auch damit aufhören, dich ihnen gegenüber verpflichtet zu fühlen.

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Gleichgewicht in zwischenmenschlichen Beziehungen

Wenn wir anderer Menschen Entscheidungen respektieren, dann entdecken wir einen neuen Weg, Beziehungen zu verstehen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass du bald von einer Menge von Menschen umgeben sein wirst, die du nicht erwartet hast. Und diese Menschen werden wahrscheinlich nicht diejenigen sein, denen du etwas gegeben hast.

Das ist die Balance der zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie existiert, ist ganz natürlich und sie überrascht uns jedes Mal, wenn wir nichts erwarten und eine Menge erhalten. Auf diesem Weg verwandelt sich Gegenseitigkeit in ein Instrument von spontanem Austausch, Befriedigung und Dankbarkeit.

Wenn sie richtig verstanden wird, dann lässt dich Gegenseitigkeit freier und verantwortlicher für deine eigenen Entscheidungen fühlen. Gleichzeitig akzeptierst du und bist du dankbar für das, was andere dir geben. Gegenseitigkeit so zu verstehen, wird es dir erlauben, deine Beziehungen zu genießen.

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