Kurt Gödel: Eine Biografie des "Herrn Warum"

30 Mai, 2020
Kurt Gödel hat in der Mathematik und der Wissenschaft unglaubliche Leistungen vollbracht. Seine Theorie der Unvollständigkeit revolutionierte die Logik von Grund auf und bildete gleichzeitig wichtige Grundlagen für die Computertechnologie und die Entwicklung der Quantenphysik.
 

Kurt Gödel ist zweifelsohne einer der größten Mathematiker aller Zeiten. Wir können sagen, dass dank seiner Erkenntnisse und Beiträge die grundlegenden Fehler in der Mathematik der damaligen Zeit aufgedeckt wurden. Er bewies nicht nur die Inkonsistenzen dessen, was die Mathematiker zu jener Zeit wussten, sondern zeigte auch, dass die Logik wichtige Beschränkungen hat.

Dieser wundervolle Wissenschaftler war der lebende Beweis dafür, dass Vernunft und ein Mangel an Vernunft perfekt koexistieren können. Und dies sowohl theoretisch als auch im Leben der Menschen.

Kurt Gödel war ein absolut brillanter Mann. Allerdings hatte er auch völlig irrationale Überzeugungen. Er war ein paranoides Genie, in dem Intelligenz und Wahnsinn gleichzeitig existierten.

“Das Leben kann siebzig Jahre lang miserabel und dann für Millionen Jahre glücklich sein: diese kurze Periode des Elends könnte sogar für das Ganze notwendig sein.“

-Kurt Gödel-

Mit anderen Worten, Kurt Gödel hat gezeigt, dass wir nicht alle mathematischen Wahrheiten beweisen können. Oder wie es ein BBC-Artikel ausdrückte: „Gödel hat mittels der Mathematik bewiesen, dass Mathematik nicht alles in der Mathematik beweisen kann.“

Ausgehend von dieser Prämisse können wir folgern, dass es mathematische und andere Wahrheiten gibt, die überhaupt nicht bewiesen werden können, obwohl sie dennoch wahr sein könnten.

Kurt Gödel - mathematische Formeln
 

Kurt Gödel: Herr Warum

Seine Familie gab ihm den Spitznamen „Herr Warum“. Gödel war Zeit seines Lebens ein Mensch gewesen, der eine ungezügelte Neugier auf die Welt verspürte, in der er lebte. Daher wollte er alles über alles wissen und eine Erklärung für alles finden, das ihn umgab. Er stellte permanent unzählige Fragen. Und genau aus diesem Grund erhielt er seinen berühmten Spitznamen.

Kurt Gödel wurde am 28. April 1906 in der Stadt Brünn geboren, die zu jener Zeit zum Österreichisch-Ungarischen Reich gehörte. Später wurde daraus die Tschechoslowakei. Heute liegt die Stadt in der Tschechischen Republik. Der Umgang mit seinen unterschiedlichen Nationalitäten war für Gödel sehr schwierig und kompliziert.

Da er aus einer deutschen Familie stammte, sprach er kein Tschechisch. Mit dem Verschwinden Österreich-Ungarns wurde er über Nacht tschechischer Staatsbürger. Allerdings fühlte er sich dieser Nation nicht zugehörig und beschloss daher im Jahr 1923, österreichischer Staatsbürger zu werden. Später wurde Österreich von Deutschland annektiert und Kurt Gödel wurde deutscher Staatsbürger. Schließlich nahm er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Die großartigen Leistungen von Kurt Gödel

Bevor Kurt Gödel in der Mathematik eine Rolle spielte, war die Mathematik jene wissenschaftliche Disziplin, in der es absolute Gewissheit gab. Mit anderen Worten, diese Wissenschaft hatte das, wonach jeder Wissenschaftler suchte: die Wahrheit. Und diese Tatsache schien unbestreitbar zu sein, bis die großen Mathematik-Genies die Bühne betraten.

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Mathematiker Georg Cantor bereits erste Zweifel an dieser Tatsache gesät. Und auch Russells Paradoxa nährten diese Zweifel weiter.

Daraufhin begann David Hilbert, ein berühmter Mathematiker, alles zu unternehmen, um den Beweis zu erbringen, dass die Grundlagen seiner Wissenschaft so solide waren wie nie zuvor. Er tat wirklich alles, was ihm nur möglich war. Allerdings erschien dann Kurt Gödel auf der Bildfläche und präsentierte seine Diplomarbeit und diese erbrachte den Beweis, dass dem ganz sicher nicht so war.

Kurt Gödel hat sein Studium mit Auszeichnung an der Universität von Wien abgeschlossen. In seiner Diplomarbeit, die nur 11 Seiten lang war, postulierte er seinen Unvollständigkeitssatz. Mit Hilfe der Mathematik gelang ihm der Beweis, dass es immer mindestens eine Hypothese gibt, die wir nicht beweisen können, selbst wenn sie wahr ist.

Im Jahr 1936 ermordeten die Nazis einen seiner Lehrer. Daraufhin erlitt Gödel einen Nervenzusammenbruch und verbrachte einige Zeit in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen.

Kurt Gödel - Formeln auf einer Tafel

Langjährige Arbeit

Im Jahr 1938 heiratete Kurt Gödel die sechs Jahre ältere ehemalige Tänzerin Adele Nimbursky. Er blieb mit ihr bis zu seinem Tod zusammen.

 

Ein Jahr später wurde er von den Nazis zum Militärdienst einberufen. Daraufhin beschloss das Paar, in die Vereinigten Staaten von Amerika zu fliehen und unternahm eine sehr anstrengende Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Nach ihrer Ankunft in Princeton setzt Gödel dort seine Arbeit fort.

Es ist allgemein bekannt, dass er auch eine Freundschaft mit Albert Einstein pflegte. Die beiden wurden häufig bei Abendspaziergängen auf dem Campus gesehen, während derer sie endlose Gespräche führten.

Außerdem war Gödel auch ein großartiger Student der Philosophie. Sein mathematisches Wissen und seine philosophischen Überlegungen veranlassten ihn dazu, „Gödels ontologischen Gottesbeweis“ zu verfassen. Dieses Postulat ist ein Versuch, die Existenz Gottes zu beweisen.

Den Großteil seines Lebens wurde Kurt Gödel von paranoiden Gedanken und depressiven Zuständen geplagt. Es kann gut sein, dass die Erkenntnis, dass all diese „Wahrheiten“ tatsächlich in Frage gestellt wurden, seine psychische Gesundheit beeinträchtigte.

Darüber hinaus war er davon überzeugt, dass ihn jemand vergiften wollte. Daher aß er nur das, was seine Frau ihm zubereitet hatte. Allerdings erkrankte seine Frau und musste sechs Monate im Krankenhaus verbringen. Während dieser Zeit verstarb dieses großes Genie leider an den Folgen seines Hungers.

 

Alonso, E. (2007). Sócrates en Viena: una biografía intelectual de Kurt Gödel. Editorial Montesinos.