Macht Neugier Menschen intelligenter?

· 17. Mai 2018

Was passiert in unserem Gehirn, wenn etwas unser Interesse weckt? Im Journal Neuron  wurde eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht, in der gezeigt wird, dass Neugier nicht nur zur eigenen Befriedigung beiträgt, sondern auch mit einem guten Gedächtnis und der Lernfähigkeit in Verbindung steht.

Dennoch lässt dieser Zusammenhang zwischen Intelligenz und Neugier Fragen aufkommen: Während erstere trainiert und in Form des IQ gemessen werden kann, gilt letztere als Persönlichkeitsmerkmal. Wie können wir also diese beiden Konzepte miteinander verbinden?

Es gibt keine eindeutige Definition von Intelligenz

Was genau bezeichnen wir als Intelligenz? Das ist die erste Frage, die wir uns stellen müssen, wenn wir verstehen möchten, wie Neugier die Intelligenz beeinflusst. Allerdings lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten. Ganz im Gegenteil, Intelligenz lässt sich nur schwer definieren, denn sie umfasst viele verschiedene Bedeutungen und Bereiche.

Experten auf diesem Feld sind sich einig, dass Intelligenz eine mentale Leistung ist, die verschiedene Fähigkeiten beinhaltet. Dazu gehören die Fähigkeit zu argumentieren, Bezüge zur Realität herzustellen und Pläne zu schmieden. Intelligenz umfasst auch die Fähigkeit, Probleme zu lösen, sich etwas zu merken, abstrakt zu denken und aus Erfahrungen Erkenntnisse zu ziehen.

Zwei Bäume in Kopfform schauen sich an.

Es stellt sich auch noch eine andere Frage. Wenn wir einige der oben genannten Fähigkeiten verstärken, ließe sich dann unserer Intelligenz erhöhen? Das ist eines der Probleme, mit dem sich die anfangs erwähnte Studie beschäftigt.

Neugier verbessert das Gedächtnis

Neugierige Menschen können sich Informationen besser merken. Das bedeutet gleichzeitig, dass es einfacher ist, sich Informationen über Themen zu merken, an denen wir interessiert sind, als über solche, die uns weniger interessieren. Das liegt daran, dass Neugier in einem engen Verhältnis zur Motivation steht. Unsere Merkfähigkeit erhöht sich, wenn wir motiviert sind. Ein Beispiel soll helfen, das besser zu verstehen.

Für einen Tierliebhaber ist es wesentlich einfacher, sich die lateinische Bezeichnung der Primatenspezies zu merken, von der wir abstammen, als für jemanden, dem Tiere völlig egal sind. Oder anders ausgedrückt: Neugier kann das Gehirn in einen Zustand versetzen, der es ihm erlaubt, zu lernen und zu merken, ähnlich wie ein Wirbelsturm, der alles aufsaugt, über das er hinwegfegt.

Bleiben wir bei dem genannten Beispiel. Es leuchtet ein, dass die Motivation eines Tierliebhabers, mehr über die Tierwelt zu erfahren, sehr hoch ist. Er möchte mehr darüber wissen, weil Tiere seine Leidenschaft sind. Diese Motivation ist intrinsisch und ein Grund für Neugier. Intrinsische Motivation kommt aus unserem Inneren und sie bedeutet, dass wir Dinge tun, einfach weil es uns Erfüllung verschafft, sie zu tun. Sie geben uns ein Gefühl der Selbsterfüllung und lässt uns wachsen. Anders als die extrinsische Motivation erfordert sie keine äußeren Anreize, wie z. B. Noten und Geld.

Eine Frau in Siegerpose. Sie streckt die Arme in die Höhe.

Die eigenen Hobbies sind wahrscheinlich die deutlichsten Beispiele für diese Art der intrinsischen Motivation. Man fährt Fahrrad, weil es einem ein gutes Gefühl verschafft und man gern draußen ist. Und ähnlich verhält es sich mit der Neugier. Man probiert etwas Neues, weil es einem ermöglicht, etwas über jene Dinge zu lernen, die einen interessieren.

Wir sehen also, dass sowohl Neugier als auch Motivation sind für den Lernprozess unverzichtbar sind. Aus diesem Grund fällt es uns so schwer, uns Dinge zu merken, die uns eigentlich nicht interessieren. In diesem Fall ist es wahrscheinlicher, dass wir Informationen, die wir lernen mussten, nach einigen Stunden schon wieder vergessen. Sie hinterlassen häufig nicht einmal eine Spur in unserem Gedächtnis.

„Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen.“

Stephen Hawking

Was passiert im Gehirn neugieriger Menschen?

Das Team der Forscher, die die genannte Studie realisiert haben, hat entdeckt, dass die Stimulation der Neugier und das damit einhergehende Erwachen der intrinsischen Motivation einen starken Reiz auf den zerebralen Kreislauf ausüben, der mit dem Belohnungssystem verbunden ist.

Insbesondere wird die Hirnaktivität in drei Schlüsselregionen der Großhirnrinde gesteigert. Diese Regionen wiederum sind eng verbunden mit dem Lernen und mit der Erinnerung.

  • Nucleus caudatus: Diese Region steht in enger Verbindung zum Erwerb neuen Wissens und dem Empfinden positiver Emotionen.
  • Nucleus accumbens: Dieser Kern spielt eine wichtige Rolle im Belohnungssystem und bei der Entstehung von Suchterkrankungen.
  • Hippocampus: Diese Struktur ist unverzichtbar für das Schaffen neuer Erinnerungen.

Neugier aktiviert also das Belohnungssystem und die Interaktionen zwischen dem Belohnungszentrum und dem Hippocampus scheinen das Gehirn in einen Zustand zu versetzen, in dem es uns leichter fällt, zu lernen und uns Informationen zu merken.

Eine bessere Zukunft

Diese Schlussfolgerungen haben die Türen zu neuen Strategien geöffnet, mit denen der Lernprozess verbessert werden könnte. Des Weiteren profitieren nicht nur neugierige Menschen, die sich bester Gesundheit erfreuen, von diesen Erkenntnissen. Sie können auch Menschen mit bestimmten neurologischen Störungen zugutekommen. Praktisch gesehen legen sie offen, wie wichtig es ist, dass Lehrer die Neugier ihrer Schüler fördern. Es bringt wenig, Stunden mit dem Lehren zu verbringen, wenn die Schüler überhaupt nicht interessiert sind. Zukünftig geht es also darum, dieses Wissen im Bildungswesen weiterzuentwickeln. Gleiches gilt für die Arbeitswelt. Neugier ist der Schlüssel zum Erfolg!