Wie wir dank der Feynman-Technik schneller lernen können

20 April, 2018

Vielleicht hast du auch schon einmal das Gefühl gehabt, dass du beim Lernen einfach nicht vorankommst. Es kann auch gut sein, dass du dich schon öfter gefragt hast, wieso du so langsam lernst, oder du bist bereits mehrere Male daran verzweifelt, dir die Bedeutung eines Konzeptes zu merken. Um dir bei diesem Problem zu helfen, möchten wir dir die Feynman-Technik vorstellen. Dabei handelt es sich um eine simple und effektive Strategie, um Neues schneller zu lernen und es dir besser merken zu können. Im weiteren Verlauf dieses Artikels erfährst du, wie das geht.

„Wenn du etwas nicht auf einfache Weise erklären kannst, dann hast du es selbst nicht richtig verstanden.“

Albert Einstein

Wer war Richard Feynman?

Richard Feynman war ein theoretischer Physiker aus den Vereinigten Staaten. Er ist für seine Theorie über die Quantenelektrodynamik, für seine Beiträge zum Verständnis der Quantenfeldtheorien, zur Suprafluiditätsphysik von unterkühltem flüssigem Helium sowie für das Partonenmodell in der Teilchenphysik bekannt. Für seine Leistungen im Bereich der Quantenelektrodynamik erhielt Feynman zusammen mit Julian Schwinger und Sin-Itiro Tomonaga 1965 den Nobelpreis für Physik. Darüber hinaus wähnt eine Studie der britischen Zeitschrift Physics World,  die im Jahr 1999 unter Beteiligung von 130 weltweit führenden Physikern realisiert wurde, als einer der zehn größten Physiker aller Zeiten eingestuft.

„Ich weiß nicht, was mit den Menschen los ist: Sie lernen nicht, indem sie verstehen, sie lernen auf irgendeine andere Art und Weise, durch Routine oder sonst wie. Wie zerbrechlich ihr Wissen doch ist!“

Richard Feynman

Feynmann vor einer Tafel

Worin besteht die Feynman-Technik?

Die Feynman-Technik wurde von seinem Biografen James Gleick in dem Buch Genius: The Life Science von Richard Feynman  (zu Deutsch: Genie: Die Lebenswissenschaft von Richard Feynman,  nicht auf Deutsch verfügbar) erklärt. Mit dieser Technik kann sich jeder auf effektive Weise neues Wissen aneignen, wenn er das will. Sie ist darüber hinaus ein sehr nützliches Hilfsmittel im Studium, um sich auf Examen vorzubereiten.

„Was ich nicht erschaffen kann, verstehe ich nicht.“

Richard Feynman

James Gleick erzählt in diesem Buch, wie Feynman sein neues Notizbuch aufgeschlagen und auf das Cover „Notizbuch für die Dinge, die ich noch nicht weiß“ geschrieben habe. Feynman reorganisierte sein Wissen darin. Tatsache ist, dass dieser Physiker immer versuchte, zum Kern der Sache zu gelangen, die er studierte. Er beabsichtigte, in diesem Notizbuch jene Konzepte zu erklären, die sich in seinen Forschungen abzeichneten.

Vielleicht klingt das so, als könnten wir statt eines Notizbuchs auch einen Freund verwenden. Wir würden ihm erzählen, was wir gelernt haben, um es uns zu merken, Dinge erklären, um sie besser verstehen zu können. Aber wir haben nicht immer einen so hilfsbereiten und geduldigen Freund zur Hand. Auf dieser Basis entwickelte Feynman eine effektive Technik: Lernen durch Erklären.

Jemand schreibt etwas auf einen Block

Die Grundidee besteht darin, das Lernmaterial aktiv zu lesen und es dann auf eine einfache Art und Weise zu erklären, so als würden wir mit einem Kind oder einer Person sprechen, die weniger über dieses Thema weiß als wir. Diese Form des Lernens wird als eine aktive Methode angesehen, da wir bei der Erklärung des Lernmaterials eine andere Sprache und andere Strategien verwenden müssen. Auf diese Weise wird es viel einfacher, Fehler zu erkennen und effizienter zu lernen.

„Der beste Weg, etwas zu verstehen, ist, es zu erklären.“

Richard Feynman

Die 4 Schritte der Feynman-Technik

Die Feynman-Lerntechnik besteht aus vier einfachen Schritten. Sehen wir uns nun an, welche das sind.

  1. Zu Beginn müssen wir ein Blatt Papier zur Hand nehmen und ganz oben den Namen des Konzepts aufschreiben, das wir gerade zu verstehen versuchen. Wenn wir zum Beispiel den Satz des Pythagoras lernen, sollten wir ganz oben aufs Blatt diesen Terminus schreiben.
  2. Sobald wir das Konzept betitelt haben, müssen wir es mit unseren eigenen Worten beschreiben und sollten dabei eine einfache Sprache verwenden, so als würden wir es einem Laien erklären. Wenn wir mit dem Satz des Pythagoras als Beispiel weitermachen, müssten wir so etwas schreiben, wie: „In einem rechtwinkligen Dreieck ist das Quadrat der Hypotenuse gleich der Summe der Quadrate der Katheten.“
  3. Der dritte Schritt besteht darin, alles, was wir aufgeschrieben haben, zu überprüfen, um die Abschnitte ausfindig zu machen, die nicht perfekt erklärt, verwirrend oder nicht gut geschrieben sind. Dazu können wir zu unseren Notizen zurückkehren oder sogar nach neuen Informationen suchen. Es hilft auch, Beispiele zu verwenden, die das Wissen stützen.
  4. Der letzte Schritt ist die endgültige Überarbeitung der Notizen. Wenn wir eine zu komplexe Sprache verwendet haben, können wir den Text neu schreiben, um ihn einfacher und verständlicher zu machen. Dafür können wir Metaphern oder Analogien verwenden. Wichtig ist, dass unsere Sprache von jedem verstanden werden kann.

„Lerne, jedes Problem zu lösen, das bereits gelöst worden ist.“

Richard Feynman

Wenn wir, nachdem wir diesen einfachen vier Schritte gefolgt sind, das Thema immer noch nicht erklären können, haben wir vielleicht nicht ganz verstanden, was wir gelernt haben. In diesem Fall sollten wir mit dem Lernprozess von vorn beginnen.