Was sind Denkfehler und wie können wir sie vermeiden?

26. Juni 2017 en Psychologie 113 Geteilt

Gedanken sind die Produkte, die von der Fähigkeit des Menschen stammen, mit dem Geist zu arbeiten, über alles, was um uns herum oder in uns selbst passiert, nachzudenken und es zu interpretieren.

Menschen verbringen Stunden, Tage, ja ihr gesamtes Leben damit, zu denken. Wir bewerten das, was uns passiert und denken sogar über unwichtige oder abstrakte Dinge nach. Manchmal bringen wir auch Gedanken hervor, für die wir uns schämen. An anderen Tagen reisen wir in unserem Kopf in die Vergangenheit oder die Zukunft.

Kurz gesagt, unsere Fähigkeit zu denken ist riesig und zu wissen, wie man mit Gedanken umgeht, ist eine Voraussetzung für unsere emotionale Gesundheit. Unsere Gedanken bestimmen unsere Emotionen und diese wiederum beeinflussen unser Verhalten. Wir nennen die Gedanken, die zu ungesunden Emotionen führen, negative automatische Gedanken, Bias oder kognitive Verzerrung.

Nicht alle unsere Gedanken produzieren relevante Emotionen. Wenn ich zum Beispiel denke: „Da bellt ein Hund“,  dann ist es sehr wahrscheinlich, dass auf emotionalem Level nicht wirklich viel passiert. Es wäre anders, wenn ich denken würde: „Da bellt ein Hund“,  und diesem Gedanken hinzufüge, „das heißt, er ist aggressiv und fällt mich vielleicht an.“  Hier hat sich das Szenario vollständig verändert. Denn laut meinen Gedanken geht es jetzt auch um mein Überleben oder meine Unversehrtheit. Ich muss reagieren.

Einige typische Fehler

Es gibt viele Verzerrungen von Gedanken, aber wir werden uns hier auf jene konzentrieren, die uns am allermeisten durcheinanderbringen.

Der Wahrsager-Fehler

Diese Verfälschung entsteht, wenn du dir sicher bist, dass eine andere Person etwas ganz Bestimmtes denkt. Oder auch, wenn du denkst, dass etwas passieren wird, und du sogar darauf wetten würdest, dass das Ereignis eintritt.

Natürlich ist das unlogisch, denn niemand – absolut niemand – hat die Fähigkeit, vorauszusagen, was in der Zukunft passieren wird, noch zu wissen, was andere denken oder was dein eigener Geist in ein paar Stunden oder Jahren denken oder tun wird. Warum bist du dir also so sicher, was passieren wird? Oder besitzt du eine imaginäre Glaskugel, die dir all diese Dinge sagt?

Schwarz-Weiß-Denken

Mit dieser Art von Denken platzierst du bestimmte Qualitäten oder Eigenschaften an die jeweiligen Enden des Spektrums, ohne dir dabei bewusst zu sein, dass nicht alles einfach nur schwarz oder weiß, gut oder schlecht ist. Es gibt auch endlos viele Graustufen. Wie oft hast du dir schon gesagt, dass alles falsch gelaufen ist, weil du einen Fehler begangen hast? Stelle dir die Frage: Wie kann ein einziger Fehler alles schlecht machen? Übertreibst du vielleicht ein bisschen?

Personalisierung

Du denkst oft, dass du das Zentrum des Universums bist – im guten und im schlechten Sinne. Und du denkst vielleicht auch, dass andere von dir abhängig sind, von dem was du tust und nicht tust, davon, wie du dich kleidest, was du sagst, und so weiter.

In Wirklichkeit ist aber jeder mit seinem eigenen Leben beschäftigt und nicht mit dem von anderen Menschen. Und wenn das nicht der Fall ist, dann hat diese Person ein Problem, was sie sich wirklich mal genauer anschauen sollte.

Wir du dir vielleicht schon gedacht hast, nimmst du bei diesem Denkfehler alles persönlich. Und das kann dazu führen, dass du unter anderem eine Menge Angst oder Schuld erfährst.

Katastrophendenken

Normalerweise begehst du diesen Fehler, wenn du die Realität ohne jegliche Beweise so sehr übertreibst, dass du überall potenzielle Bedrohungen und Gefahren siehst. Und du denkst immer im Sinne von „Was wäre, wenn…?“, „Und wenn ich absage?“, „Und wenn mich meine Freundin verlässt?“, „Und wenn ich krank werde?“,  und stellst dir tausend Fragen. Alle Antworten enthalten das Adjektiv „schrecklich“. Und du lebst die Situationen, als wären sie schon passiert. Als gäbe es eine Katastrophe, von der du dich nicht erholen kannst.

Wie kann ich meine Gedanken objektiver machen?

Denke daran, dass all diese Denkfehler von verschiedenen Vorstellungen kommen, die tief in deinem Wesen verwurzelt sind und dort schon von Kindheit an genährt werden. Deshalb braucht es viel Kraft und Zeit, wenn du objektiver werden willst. Aber deine Mühen können dir ganz bestimmt dabei helfen, dich besser zu fühlen.

Du wirst zu einem vernünftigeren Wesen werden und weniger Verzerrungen von Gedanken erleben, wenn du das Folgende tust:

Interpretiere die Realität nur mit deinen fünf Sinnen

Wir können die Realität nur kennen, indem wir sie beobachten, anfassen, sie schmecken, ihr zuhören und sie riechen. Es gibt keinen sechsten Sinn, der uns zusätzliche Informationen geben könnte. Sei dir deshalb dessen bewusst, was du im gegenwärtigen Moment erlebst, mit deinen fünf Sinnen. Denn in diesem Moment ist es eben die Realität, zu der du Zugang besitzt. Was an anderer Stelle, in der Zukunft oder im Kopf eines anderen Menschen passiert, ist weder deine Realität, noch kannst du es wirklich wissen.

Stelle dir systematische Fragen

Wenn du die Realität erkennen willst – und zwar über deine fünf Sinne hinaus – dann kannst du dir Fragen wie diese stellen: „Wie kann ich mir sicher sein, dass mich mein Kollege kritisiert?“, „Welchen Beweis habe ich dafür, dass ich einen Unfall haben werde, wenn ich fahre?“,  oder, „Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich tatsächlich an einer Krankheit leide?“

Sei dir bewusst, woher diese Gedanken kommen

Wie wir schon erwähnt haben, ist die kognitive Verzerrung das Ergebnis deiner individuellen Vorstellungen. Diese sind wie die Wurzeln eines Baumes und die genannten Fehler sind seine Blüten.

Analysiere deine Vorstellungen und du wirst verstehen, warum diese Verzerrungen auftreten. Brauchst du Liebe, um glücklich zu sein? Denkst du, dass es dir helfen wird, wenn du dir Sorgen machst? Denkst du, ein bestimmter Typ Mensch ist schlecht und verdient es, bestraft zu werden?

Führe Experimente durch

Genau wie ein Wissenschaftler solltest auch du Experimente durchführen, die dir bestätigen werden, ob deine Gedanken verzerrt sind oder nicht. Wenn du zum Beispiel denkst, dass jemand hinter deinem Rücken schlecht über dich redet, dann musst du deinen Mut zusammennehmen und ihn darauf ansprechen. Seine Antwort wird dir dabei helfen, zu realisieren, ob du dir diese Geschichte nur ausgedacht hast oder ob sie tatsächlich stimmt. Klar, die Person könnte dich auch anlügen, aber das liegt nicht in deiner Macht.

Konzentriere dich auf die Dinge, die du lösen kannst und vergiss den Rest.

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