Klatsch und Tratsch sterben, wenn sie die Ohren einer intelligenten Person erreichen

Die Gerüchteepidemie endet erst, wenn sie endlich das Ohr eines intelligenten Menschen erreicht, der Herz zeigt und weder zuhört noch reagiert, wenn er sieht, dass die Rederei keinen Sinn ergibt.
Klatsch und Tratsch sterben, wenn sie die Ohren einer intelligenten Person erreichen
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 21. Dezember 2022

Der Mechanismus funktioniert immer auf die gleiche Weise: Ein Heuchler setzt ein Gerücht in die Welt und verbreitet Klatsch, leichtgläubige Menschen geben dann diesen Tratsch weiter, ohne ihn zu hinterfragen. Die Gerüchteepidemie endet erst, wenn sie endlich das Ohr eines intelligenten Menschen erreicht, der Herz zeigt und weder zuhört noch reagiert, wenn er sieht, dass die Rederei keinen Sinn ergibt.

In einem 1947 veröffentlichten Buch von Gordon Allport mit dem Titel “The Psychology of Rumour” erklärt dieser Sozialpsychologe etwas wirklich Kurioses: Klatsch und Tratsch dient verschiedenen Gruppen von Menschen dazu, sich zusammenzuschließen und sich gegenüber jemandem zu positionieren. Gleichzeitig sind diese Verhaltensweisen für sie angenehm, setzen Endorphine frei und bekämpfen Stress.

Klatsch und Tratsch schadet anderen Menschen, doch er endet erst, wenn er die Ohren eines intelligenten Menschen erreicht.

In vielen Fällen wird Klatsch zu einem Mechanismus der sozialen Kontrolle. Er verleiht der Person, die sich daran beteiligt, eine gewisse Macht, denn sie steht kurze Zeit im Zentrum der Aufmerksamkeit jener Gruppe von Menschen, die immer empfänglich für Gerüchte und verzerrte Information ist, um die tägliche Routine zu unterbrechen.

Böse Zungen sind jedoch nicht glücklich. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, ihre Verbitterung zu kaschieren, um ihr Selbstwertgefühl nutzlos zu bestätigen. Wir laden dich ein, darüber nachzudenken.

Klatsch und Tratsch sterben, wenn sie die Ohren einer intelligenten Person erreichen

Klatsch und Tratsch: psychologische Aspekte

Die Psychologie des Klatsches und der Gerüchte ist hochaktuell. Denk zum Beispiel daran, wie schnell ein gut begründetes oder unbegründetes Gerücht in der Welt der sozialen Netzwerke “ansteckend” werden kann. Das Internet funktioniert wie ein echtes Gehirn, in dem Daten wie miteinander verbundene Neuronen umherschwirren und uns mit Informationen füttern, die nicht immer der Wahrheit entsprechen oder andere respektieren.

Marketing- und Werbeexperten geben ihrerseits immer wieder das Beispiel des “fatalen und unerbittlichen Klatsches”: Der Softdrink “Tropical Fantasy” kam 1990 auf den Markt und war in der USA sofort ein Erfolg, bis plötzlich ein ebenso beängstigendes wie absurdes Gerücht auftauchte.

Es hieß, der Ku-Klux-Klan hätte dieses billige Erfrischungsgetränk mit bestimmten Absichten entwickelt. Auch einkommensschwache Afroamerikaner konnten sich dieses Getränk leisten, doch die Formel würde einem dunklen Zweck dienen: Sie sollte die Fortpflanzungsfähigkeit dieser Bevölkerungsgruppe schädigen!

Niemand weiß, warum oder wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, aber die Auswirkungen waren verheerend. Es dauerte Jahre, bis sich die Marke “Tropical Fantasy” wieder erholte. Auch heute achtet diese Marke in ihrer Werbung darauf, die schwarze Bevölkerung miteinzubeziehen.

Klatsch und Tratsch. Ein Fallbeispiel: Tropical Fantasy

Es spielte keine Rolle, wie wahnhaft das Gerücht selbst war, wie unbegründet oder böswillig, denn es schaffte es, die Sensibilität eines Kollektivs anzugreifen, das seither allein aufgrund eines unbegründeten Gerüchts dieses Produkt ablehnt. Selbst wenn du weißt, dass es nicht wahr ist, bleibt der emotionale Eindruck. Dies ist ein klares Beispiel für eine der beliebtesten Klatschgeschichten.

Wir wehren uns gegen Klatsch und Tratsch

Ob wir es wollen oder nicht, unsere Gesellschaft ist auf Machtbeziehungen aufgebaut, in denen Klatsch und Gerüchte echte Kriegswaffen sind. Manipulierte Wahrheiten sind für viele Menschen nützlich, sie schaffen es, sich mit ihnen zu positionieren und ganz bestimmte Vorteile zu erlangen.

Deshalb ist es notwendig, dass wir immer das intelligente Ohr sind, das als Barriere fungiert, das die Verärgerung, den Unsinn, die falschen Informationen und den Funken des Feuers stoppt, die einzig und allein bezwecken, anderen zu schaden.

Wir laden dich deshalb ein, die Psychologie der Gerüchte etwas näher kennenzulernen, um die Konsequenzen von Klatsch und Tratsch zu verhindern.

Taube verbreitet Klatsch und Tratsch

Die Volksweisheit lehrt uns, dass es ausreicht, ein Glied zu entfernen, um eine Kette zu brechen. Wenn sich Gerüchte und Klatsch in unserem Arbeitsumfeld, in unserer Familie oder in unserem Bekanntenkreis wie echte Viren ausbreiten, ist es notwendig, die Hilfe von Menschen in Anspruch zu nehmen, denen wir vertrauen und die die Gerüchteküche stoppen. 

  • Klatsch und Tratsch verbreiten sich, wenn es jemanden gibt, der auf unsere Kosten berühmt werden will. Angesichts eines solchen Verhaltens können wir auf zwei Arten handeln: Entweder wir stellen uns taub gegenüber der Absurdität oder wir handeln selbstbewusst, setzen Grenzen und tätigen eindeutige Aussagen.
  • Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es in jeder Organisation, in jeder Nachbarschaft oder in jeder Gruppe von Kollegen oder Freunden Personen gibt, die Gerüchte verbreiten.
  • Deshalb ist es wichtig, aufrichtig und transparent zu sein, um dieses Verhalten nicht zu fördern. Allerdings ist es nicht so einfach, den Klatsch zu stoppen oder zu diskreditieren. Worte reichen nicht immer aus, man braucht schon handfeste Fakten, um dies zu erreichen und die Unglaubwürdigkeit zu beweisen.

Böse Zungen gibt es immer, du selbst solltest jedoch nicht in diese Gruppe gehören. Vergiss nicht, dass intelligente Menschen Klatsch und Tratsch stoppen. 

Die 3 Filter des Sokrates: Wahrheit, Güte und Nützlichkeit

Eines Tages kam ein Mann zu Sokrates und fragte ihn:

  • “Weißt du, was ich gerade von einem deiner Schüler gehört habe?”
  • “Warte”, antwortete der Philosoph, “bevor du mir etwas erzählst, würde ich dir gerne drei Fragen stellen. Die erste hat mit der Wahrheit zu tun: Bist du dir sicher, dass das, was du mir sagen willst, wahr ist?”
  • “Nein”, antwortete der Mann, “ich habe es gerade erfahren.”
  • “Nun, du weißt nicht, ob es wahr ist, dann stelle ich dir die zweite Frage. Sie hat mit Güte zu tun: Ist das, was du mir über meinen Schüler erzählst, etwas Gutes?”
  • “Nein…”, antwortete er.
  • “Du willst mir also etwas Schlechtes über eine Person erzählen, ohne zu wissen, ob es wahr ist, oder nicht?”, unterbrach Sokrates. “Die dritte Frage bezieht sich auf die Nützlichkeit. Ist das, was du mir sagen willst, für irgendjemanden von Nutzen?”
  • “Nicht wirklich… nein…”, war die Antwort.
  • “Gut, gut”, antwortete der Philosoph, “du willst mir etwas erzählen, von dem du nicht weißt, ob es wahr ist, es ist auch nicht gut und es nützt niemandem etwas. Warum verschwendest du deine Zeit mit Lügen und Schwindeleien?”

Sokrates war zweifelsohne ein intelligenter Mann.

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