Gerüchte: Was sind sie und warum können sie gefährlich sein?

30. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Gerüchte - Zwei Frauen tratschen.

Gerüchte: Wir alle haben sie schon gehört und wir alle haben sie schon verbreitet. In vergangenen, konservativ geprägten Zeiten konnten sie ganze Familien erschüttern und zerstören. Heute verbreiten sie sich anders als früher, da sich auch die Art und Weise der Informationsverbreitung verändert hat – und wir haben unzählige Möglichkeiten, zu überprüfen, was wir da verbreiten, um jene verheerenden Folgen zu vermeiden.

Tatsache ist jedoch, dass Gerüchte nach wie vor ein enormes Potenzial haben, unsere Welt auf den Kopf zu stellen. In der Regel bedeutet es nichts Gutes für uns, wenn wir das Thema eines Gerüchts sind. Denn meist handelt es sich dabei um abwertende Botschaften.

Was sind Gerüchte?

Normalerweise sind Gerüchte mündliche Botschaften, sogenannte Mundpropaganda. Das Paradoxe an ihnen ist, dass es keine Beweise für ihren Wahrheitsgehalt gibt. Gleichzeitig gilt aber, je mehr Menschen das Gerücht verbreiten, desto mehr sehen es andere Menschen als wahr an. Sie folgen dabei einem recht einfachen Gesetz: Wenn etwas oft genug wiederholt wird, muss es wohl stimmen. Doch ist das wirklich so?

Tunnel durch einen Wald

Die Quelle des Gerüchts ist oft nur schwer zu identifizieren, besonders weil die Nachricht sich jedes Mal verändert, wenn sie zum Nächsten weitergetragen wird. Vielleicht kennst du noch das Spiel „Stille Post“, bei dem am Ende etwas ganz anderes herauskommt, als am Anfang gesagt wurde.

Zunächst handelt es sich meistens um eine kurze Nachricht, um einen Verdacht oder Zweifel: „Ich habe gehört, dass sie Stellen abbauen werden“  oder „Anna ist nicht zur Arbeit gekommen, und sie war die ganze Woche schon traurig. Ich glaube, sie ist depressiv“  usw. Unser Gehirn bevorzugt Gewissheit vor Hypothesen. Was als Hypothese beginnt, wird deshalb Schritt für Schritt zu einem Dogma umformuliert.

Um die Definition von Gerüchten abzuschließen, wollen wir einige Merkmale derselben auflisten. Wir wissen, dass Gerüchte ganz bestimmten Mustern und Gesetzen folgen:

  • Geheimhaltung: Die Quelle ist unbekannt. Ganz allgemein ist ein interessantes Phänomen zu beobachten, nach dem die Menschen die Quelle einer Nachricht schneller als den Inhalt derselben vergessen.
  • Gewissheit: Wir stellen Gerüchte kaum infrage, sondern akzeptieren sie, so wie sie bei uns ankommen. Kritisches Hinterfragen würde eine zu hohe geistige Anstrengung für uns bedeuten. Dazu kommt, dass niemand gern an der Person zweifelt, die den Wahrheitsgehalt der übermittelten Botschaft ausdrücklich bekräftigt und versichert.
  • Neugier: Das Gerücht weckt unsere Neugier, entweder, weil es uns irgendwie betrifft oder weil es um ein skandalöses Thema geht.
  • Geschwindigkeit: Das allgemeine Interesse an ihnen macht Gerüchte nahezu unaufhaltbar.
  • Nähe: Gerüchte streuen sich nicht zwischen Fremden, sondern im persönlichen Umfeld, in relativ engen Beziehung zwischen Vertrauten.
  • Veränderung: Gerüchte verhalten sich wie ein Baum. Wenn ein Ast abgesägt wird, verzweigen sich andere, um die entstandenen Lücken zu füllen.

Eine weitere Eigenschaft von Gerüchten ist, dass sie dazu neigen, viral zu gehen. Jeder Empfänger ist gleichzeitig ein potenzieller Sender der jeweiligen Information. Und der Empfänger fügt oft seine eigene Meinung hinzu, bevor er zum Sender wird. Auf diese Weise werden Art und Ton des übertragenen Inhalts verändert.

Durch eine Brille einen klaren Blick auf den Wald bekommenWie können wir Gerüchte auflösen?

Die Antwort ist so einfach wie unmöglich: Menschen daran hindern, miteinander zu kommunizieren. Eine realistischere Lösung ist möglich, bedarf allerdings Anstrengung und Mühe: Wir sollten die Informationen, die wir erhalten, stets kritisch hinterfragen. Wir sollten uns fragen, ob die Quelle zuverlässig ist. Frage, wenn möglich, die Person, von der du das Gerücht gehört hast, ob diese der Information und deren Quelle Glauben schenkt. Wir sollten auch darüber nachdenken, ob jemand vom Gerücht profitiert und er es möglicherweise absichtlich in die Welt gesetzt haben könnte.

Ein Gerücht, mit dem es besonders vorsichtig umzugehen gilt, ist ein Gerücht über Minderheiten oder Gruppen, die nicht in der Lage sind, sich zu verteidigen. Deshalb stellen wir hier noch einmal fest: Die Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben. Den ersten Preis, den der Besiegte zahlen muss, ist, die Sichtweise des Siegers als historische Wahrheit zu akzeptieren. Denke nur einmal an die europäischen Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts und wie sie es mit der Wahrheit hielten.

Allerdings müssen wir keine Reise in einer Zeitmaschine machen, um diesen Umstand zu bestätigen. Sogar hier in der Gegenwart können wir sehen, dass viele Stereotype über Minderheiten systematisch durch Gerüchte genährt werden. Gerüchte nähren damit Vorurteile und Diskriminierung. Willst du den Gerüchteköchen nicht lieber die Suppe versalzen?

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