John Hughlings Jackson: Der Pionier der Neurologie

21. Oktober 2019
John Hughlings Jackson war ein Wissenschaftler, der trotz der großen Einschränkungen seiner Zeit, sehr effektive Methoden zur Beobachtung und Analyse nutzte. Daher wurde er auch von Charcot, Freud und vielen anderen Psychiatern konsultiert.

John Hughlings Jackson gilt als ein Pionier in der Neurologie, obwohl seine Erkenntnisse auch häufig in der Psychiatrie verwendet wurden. Er lebte im 19. Jahrhundert, einer Zeit, zu der es kaum Ressourcen gab, um das Gehirn gründlich zu erforschen. Daher ist es umso erstaunlicher, welche validen Schlussfolgerungen er damals ziehen konnte.

John Hughlings Jackson ist berühmt für seine Forschungen, die zu unserem Verständnis von Epilepsie beigetragen haben. Tatsächlich haben seine Studien über temporäre psychomotorische Störungen bis heute Gültigkeit.

“Alles, was wir tun, jeder Gedanke, den wir jemals hatten, entsteht im menschlichen Gehirn. Wie genau es funktioniert, bleibt aber eines der größten ungelösten Geheimnisse. Und je mehr wir versuchen, diese Geheimnisse zu erforschen, desto mehr Überraschungen entdecken wir dabei.“

-Neil deGrasse Tyson-

Zu den bemerkenswertesten Eigenschaften von John Hughlings Jackson zählten seine analytischen Fähigkeiten und seine Beobachtungsgabe. Er dokumentierte seine klinischen Fälle sehr detailliert und war in der Lage, erstaunlich präzise Schlussfolgerungen aus ihnen zu ziehen. Außerdem war er Mitglied der Royal Society, einer der renommiertesten Gelehrtengesellschaften in Großbritannien.

John Hughlings Jackson - Gehirn

John Hughlings Jackson: Herkunft und Ausbildung

John Hughlings Jackson wurde am 4. April 1835 in York in England geboren. Er war das jüngste von fünf Kindern. Sein Vater war ein wohlhabender Landwirt, der auch Bier braute. Seine Mutter stammte ebenfalls aus einer wohlhabenden Familie von Finanzbeamten.

Jackson wurde in einer Zeit geboren, in der vieles im Wandel war. Die verschiedenen Wissenschaften entwickelten sich fortlaufend weiter. Allerdings wurden viele von ihnen noch nicht als formale Disziplinen anerkannt.

Im Alter von 15 Jahren schloss John Hughlings Jackson die Schule ab. Danach ging er bei dem Arzt William Charles Anderson in die Lehre. Anschließend studierte er an der Medical School von York Medizin und schloss seine Ausbildung am St. Bartholomew´s Hospital in London ab.

Ein bemerkenswerter Arzt

Danach ließ sich John Hughlings Jackson als Arzt in der Krankenhausapotheke von York nieder. Anschließend zog er nach London und im gleichen Jahr (1859) wurde sein erster neurologischer Artikel über Gesichtslähmungen veröffentlicht. Darüber hinaus war er mit seinem langjährigen Freund Jonathan Hutchinson als Medizinjournalist tätig.

In Jahr 1860 präsentierte er seine Dissertation im Fach Medizin an der St. Andrews Universität. Der neu erworbene Titel als Doktor der Medizin war für seine Karriere sehr förderlich. Daher wurde er im Jahr 1863 Assistenzarzt am London Hospital, wo ihm die Leitung des neurologischen Diagnoseprogramms übertragen wurde.

Zu dieser Zeit begann er damit, regelmäßig medizinische Abhandlungen zu publizieren. Darin forderte er die Akzeptanz und Bestätigung der Ergebnisse seiner Dissertation. Seine Methodologie zur Analyse klinischer Befunde und Symptome sowie seine Studien über Aphasie machten ihn schließlich berühmt.

Sein bedeutendstes Werk veröffentlichte er im Jahr 1869. A Study of Seizures (Eine Studie über Krämpfe) wurde zu einem Klassiker in der medizinischen Literatur.

Sein großer Beitrag in der Medizin

John Hughlings Jackson erklärte, dass das Nervensystem in drei Ebenen unterteilt ist:

  • Die untere Ebene umfasste die elementarsten Bewegungsabläufe und war mit dem Rückenmark verbunden.
  • Die mittlere Ebene entsprach dem, was er als motorischen Bereich bezeichnete und war mit dem zerebralen Cortex verbunden.
  • Und die oberste Ebene umfasste die komplexesten Funktionen und war mit dem präfrontalen Bereich verbunden.

Durch seine Forschungen wurde es möglich, die Epilepsie zu verstehen, was bis dahin in diesem Ausmaß nicht möglich war. Er erstellte gute Analysen über die Symptome, Typologien und Arten der Erkrankung. Außerdem gelang es ihm, einige Manifestationen dieser Erkrankung mit psychischen und verhaltensbedingten Störungen in Verbindung zu bringen. Diese Erkenntnisse stellten eine echte Innovation dar.

Darüber hinaus gründete Jackson die renommierte medizinische Fachzeitschrift Brain (Gehirn). Sie wurde erstmals im Jahr 1878 publiziert und existiert bis heute. Darin werden sowohl Artikel über klinische Neurologie als auch über experimentelle Neurologie veröffentlicht.

John Hughlings Jackson - Nervensystem

John Hughlings Jackson: Sein großartiges Vermächtnis

Außerdem war John Hughlings Jackson Präsident der Ophthalmologischen Gesellschaft Großbritanniens (Ophthalmology Society of the United Kingdom), der Medizinischen Gesellschaft London (London Medical Society) und der Klinischen Gesellschaft London (London Clinical Society).

Darüber hinaus wurde er später der erste Präsident der Neurologischen Gesellschaft London (Neurological Society London) und erhielt Ehrendoktorwürden verschiedener Universitäten. Er hatte einen maßgeblichen Einfluss auf die Hirnforschung und die Erforschung des Nervensystems.

Sein Einfluss war so groß, dass sogar berühmte Persönlichkeiten wie beispielsweise Charcot, Sigmund Freud, Henry Ey und die Psychiater William Osler und Joseph Lister seine Erkenntnisse nutzten. John Hughlings Jackson starb am 7. Oktober 1911 im Alter von 71 Jahren. Obwohl er während seiner letzten Lebensjahre taub war, blieb er bis zu seinem Tod aktiv und arbeitete unermüdlich weiter.

  • Covo, P. C. (2006). John Hughlings Jackson, un científico victoriano. Acta Neurol Colomb, 22(3).