Intrakranielles Aneurysma

19. September 2019
Ein zerebrales Aneurysma erleiden durchschnittlich 10 von 10.000 Menschen. Obwohl diese Gefäß-Störung asymptomatisch verläuft, gibt es einige Risikofaktoren, die du beachten solltest.

Bei einem intrakraniellen Aneurysma sind die Gefäßwände der Arterien im Gehirn erweitert. Dieser Zustand ist besonders gefährlich, weil du keinerlei Symptome verspürst. Dadurch kann es passieren, dass sich die Arterien immer stärker ausweiten und sich schließlich eine Beule bildet, die im schlimmsten Fall platzen kann, ohne, dass du etwas davon bemerkst.

Wenn die Beule geplatzt ist, ist sehr schnelles Handeln erforderlich. Andernfalls können die Folgen sehr schwerwiegend, in Einzelfällen sogar  tödlich sein.

Die meisten von uns kennen jemanden, der sich bereits in dieser bedrohlichen Situation befunden hat. Einige von ihnen hatten das Glück, dass das Aneurysma schnell erkannt wurde und sie daher rechtzeitige Hilfe und Behandlung erhalten haben.

Ein typisches Beispiel für die Behandlung eines Aneurysmas ist die Embolisation. Die Menschen, die rechtzeitig behandelt wurden, können danach oftmals ein normales, weitgehend beschwerdefreies Leben führen. Allerdings gibt es auch Patienten, die mit den Folgen leben müssen, die ein geplatztes Aneurysma nach sich zieht.

Grundsätzlich solltest du wissen, dass diese Erkrankung vorwiegend im Alter zwischen 40 und 65 Jahren auftritt. Allerdings können auch junge Menschen und sogar Kinder davon betroffen sein. In einigen Fällen sind spezifische genetische Probleme oder arteriovenöse Fehlbildungen die Ursache für die gefährlichen Veränderungen der Arterien im Gehirn.

Letztendlich kann jeder Mensch, unabhängig von seinem Alter, ein intrakranielles Aneurysma erleiden. Dennoch tritt es vermehrt bei Menschen ab dem 40. Lebensjahr auf. Außerdem sind Frauen häufiger davon betroffen als Männer.

Aneurysma - Gehirn

Was ist ein intrakranielles Aneurysma?

Ein intrakranielles Aneurysma ist eine Gefäßveränderung, die in einer Arterie oder einer Vene im Gehirn auftreten kann. Dabei sammelt sich Blut an einer bestimmten Stelle an. Diese Ansammlung führt dann zu einer Ausweitung des Blutgefäßes, welches sich allmählich zu einer Blase formt.

Eine Studie der chirurgischen Abteilung am College für Medizin der Universität von Oklahoma belegt, dass beinahe 85% der Aneurysmen an einer ganz bestimmten Stelle auftreten. Normalerweise befinden sie sich genau an der Basis des Gehirns, exakt am Willis-Kreis.

Je nach Form, Größe und der genauen Lage des Aneurysmas werden drei Arten von intrakraniellen Aneurysmen unterschieden:

  • Sakkuläres oder Beeren-Aneurysma. Tritt an den Arterienwänden auf. Diese Art ist nicht angeboren und kann sich im Laufe des Lebens ausbilden. In ca. 90 % aller auftretenden Fälle handelt es sich um diese Art.
  • Fusiformes Aneurysma. Die Diagnose ist sehr schwierig und auch die Behandlung ist kompliziert. Im Gegensatz zum Beerenaneurysma bildet sich hier keine Blase. Fusiforme Aneurysmen breiten sich meist weiträumig in den Arterien des Gehirns aus und verursachen Thrombosen.
  • Desikkantes Aneurysma. Diese Art ist seltener und tritt bei jüngeren Menschen auf. Sie wird unter anderem durch Erbkrankheiten, Infektionen, Arthritis, fibromuskuläre Dysplasie und Arteriosklerose verursacht.

Welche Symptome könnten auf ein intrakranielles Aneurysma hinweisen?

Wie wir bereits eingangs erwähnt haben, treten bei intrakraniellen Aneurysmen oftmals keine Symptome auf. Diese erscheinen erst, wenn das Aneurysma geplatzt ist. Daher solltest du dann sehr schnell handeln. Nachfolgend nennen wir dir einige Symptome, die ein Hinweis darauf sein könnten, dass du unter einem Aneurysma leidest:

  • Plötzlich auftretende, sehr starke Kopfschmerzen. Viele Menschen beschreiben sie als die schlimmste Migräne ihres Lebens. Die Schmerzen sind sehr intensiv und lähmend, verursachen Nackensteifheit, Tränen in einem Auge und manchmal ist sogar ein Auge gelähmt.
  • Häufig treten auch Erbrechen und Schwindelgefühle auf.
  • Starke Lichtempfindlichkeit
  • Koordinations- und Bewegungsprobleme
  • Schwierigkeiten, klar zu denken
  • Sprechstörungen (Aphasie)
  • Bewusstlosigkeit

Diagnose eines intrakraniellen Aneurysmas

Ärzte nutzen verschiedene Skalen, um die Schwere eines intrakraniellen Aneurysmas zu bestimmen. Die gebräuchlichste ist die Glasgow-Skala (wenn der Patient bewusstlos ist) und die Hunt-und-Hess-Skala, mit welcher der Arzt den Schweregrad folgender Symptome genauer beschreibt:

  • Schweregrad der Kopfschmerzen und der Nackensteifheit.
  • Schläfrigkeit und Grad der geistigen Verwirrung.
  • Vorliegen einer Hemiparese (einseitige Lähmung des Gesichts oder des Körpers) oder das Fehlen einer solchen.
  • Patient liegt im Koma. Dies ist ein sehr ernsthafter Zustand mit der schlechtesten Prognose.

Wenn in deiner Familie bereits Aneurysmen aufgetreten sind, dann raten Fachleute zu regelmäßigen Untersuchungen zur Vorsorge und Diagnostik. Üblicherweise werden nachfolgende Untersuchungen durchgeführt, um ein intrakranielles Aneurysma frühzeitig zu erkennen und dadurch ein Platzen zu verhindern:

  • Computertomographie
  • Gehirnangiographie

Allerdings solltest du dir nicht zu viele Sorgen machen, denn es gibt zahlreiche Menschen, die ihr ganzes Leben mit einem Gehirn-Aneurysma verbringen, ohne jemals zu wissen, dass sie eines haben. Das bedeutet, dass nicht alle zerebrovaskulären Veränderungen zum Platzen eines Aneurysmas führen müssen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist sogar sehr gering. Dennoch besteht ein gewisses Risiko, dass dies geschieht.

Intrakranielles Aneurysma: Behandlungsmöglichkeiten

Bei der Behandlung eines intrakraniellen Aneurysmas müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Zuerst muss untersucht werden, ob es bereits geplatzt ist.

Danach müssen Größe und Lage bestimmt werden. Auch das Alter des Patienten ist bedeutsam. Darüber hinaus muss der Arzt feststellen, ob der Patient unter anderen neurologischen Erkrankungen leidet. Wenn all diese Informationen vorliegen und frühzeitig eine Behandlung eingeleitet wird, dann bestehen gute Chancen, dass diese erfolgreich ist.

In vielen Fällen ist die Operation, die zur Behandlung des Aneurysmas erforderlich ist, nicht sehr kompliziert. Oftmals genügt eine endovaskuläre Behandlung. Nachfolgend findest du die häufigsten hierbei eingesetzten Methoden:

Endovaskuläre Embolisation

Hierbei wird ein kleiner Katheter durch die Leiste des Patienten eingeführt. Dieser wird dann in die betroffene Arterie im Gehirn geführt. Daraufhin kann der Arzt den weiteren Blutfluss in das Aneurysma blockieren.

Für diesen Eingriff werden Stents verwendet. Das sind Gefäßstützen, die dazu dienen, die Gefäße während des Eingriffs offen zu halten und zu stützen.

Zerebraler Bypass

Aneurysma - Schädel

Wenn der Patient einen zerebralen Bypass erhält, dann muss er für drei bis fünf Tage im Krankenhaus verbleiben, da dieser Eingriff etwas komplizierter ist als die Embolisation. Für den Bypass ist eine kleine Kraniotomie erforderlich. Durch den Bypass soll erreicht werden, dass der abnorme Blutfluss zu der betroffenen Vene oder Arterie reguliert und reduziert wird.

Chirurgische Blockade des Aneurysmas

In schwerwiegenden Fällen kann es erforderlich sein, einen Schnitt in den Schädel vorzunehmen. Allerdings ist die Dauer der Operation meistens kurz und der Eingriff ist relativ einfach durchzuführen. Zur Behandlung des Aneurysmas werden Titan-Implantate eingesetzt, die den Blutfluss kanalisieren sollen.

Solange das Aneurysma nicht geplatzt ist, sind all diese Behandlungsmethoden sehr effektiv. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen sie nicht mehr durchgeführt werden können. Da Aneurysmen asymptomatisch sind, kann es vorkommen, dass du gar nicht weißt, dass du eines hast. Daher solltest du dir diese Informationen gut einprägen, damit du schnell reagieren kannst, wenn du vermutest, dass du ein Aneurysma haben könntest.

 

  • Pisklakov, S. V. (2013). Cerebral aneurysm. In Rapid Review Anesthesiology Oral Boards (pp. 130–135). Cambridge University Press. https://doi.org/10.1017/CBO9781139775380.030
  • Jacocks, MA (1999). Aneurismas cerebrales. Cirugía actual . Elsevier Inc. https://doi.org/10.1016/S0149-7944(99)00070-7