Der motorische Kortex: Eigenschaften und Funktionen

· 7. April 2019

Dank unseres Gehirns können wir Pläne schmieden, essen, lächeln und sogar laufen. Dank der komplexen, aber faszinierenden Koordination des motorischen Kortex führen wir täglich verschiedene Aktionen durch. Er ist ein Teil unseres Gehirns, der uns hilft, Bewegungen zu planen, auszuführen und zu kontrollieren.

Er erlaubt uns auch, auf Reize zu reagieren, die für unser Überleben unerlässlich sind. Aber dieser Teil unseres Gehirns handelt nicht allein, denn Bewegungen können durch die verschiedenen Verbindungen und Assoziationen mit anderen Hirnarealen modifiziert werden.

In diesem Artikel werden wir sehen, wo der motorische Kortex liegt und was seine Strukturen und Funktionen sind, zusätzlich zu den damit verbundenen Pathologien, wenn eine Läsion im Motorkortex vorliegt oder dieser nicht richtig funktioniert. Lasst uns den motorischen Kortex, auch (somato-)motorische Rinde genannt, genauer untersuchen.

Was ist und wo befindet sich der motorische Kortex?

Der motorische Kortex ist gehört zum Endhirn oder Telenzephalon, dem größten Teil des Gehirns. Er befindet sich im hinteren Frontallappen, grenzt an die Zentralfurche und die somatosensorische Region an. Seine Hauptfunktion besteht darin, Bewegung zu erzeugen, zu erhalten und zu beenden. Dank des Motorkortex werden gezielte Bewegungen bewusst und willkürlich ausgelöst.

Motorischer Kortex

 

Nun, diese Region bildet unseren gesamten Körper in verzerrten Proportionen ab, wobei diese Repräsentation als Penfield’scher Homunculus bekannt ist. Es handelt sich dabei um ein Bild, das die Zonen des Körpers anzeigt, in denen Bewegung stattfindet. Innerhalb dieser Abbildungen gibt es einige, die besonders stark ausgeprägt sind, zum Beispiel die Hände, und hier besonders der Daumen, die Zunge und das Gesicht.

 

In welche Regionen ist der motorische Kortex unterteilt?

Der Motorkortex integriert mehrere Bereiche, die jeweils verschiedene Bewegungsabläufe ermöglichen. Schauen wir sie uns an:

  • Primärer motorischer Kortex. Dies ist der wichtigste Bereich. Er ist für die Erzeugung der nervösen Impulse verantwortlich, die für die Initiation der willkürlichen Bewegung erforderlich sind. Darüber hinaus ist er für die Übermittlung von Befehlen an die Muskeln des Organismus zuständig. Wenn diese den entsprechenden Befehl erhalten, kontrahieren sie und spannen sich an. Dieser Bereich hat einen niedrigen Anregungsschwellenwert.
  • Zusätzlicher Motorbereich. Er besteht aus einem Areal, das die Bewegungen zur Körperhaltung koordiniert. So werden aufeinanderfolgende Bewegungen von großen Muskelgruppen abgestimmt.
  • Vormotorische Bereiche. Dies sind Bereiche mit einer hohen Anregungsschwelle. Darüber hinaus sind sie für die Speicherung von Bewegungen zuständig, die aus vergangenen Erfahrungen hervorgehen. So koordinieren und programmieren sie gleichzeitig den Bewegungsablauf und die Aktivität des primären Motorkortex. Sie befinden sich vor dem primären motorischen Kortex und in der Nähe der Sylvischen Furche. Sie hängen auch mit den für die Sprache erforderlichen Bewegungen zusammen.
  • Broca-Areal. Dies ist ein Bereich, der die Produktion von gesprochener Sprache ermöglicht. Es befindet sich im opercularen und triangulären Teil der unteren Stirnwindung.
  • Bereich der hinteren parietalen Kortikalis. Dieser besteht aus einer Region, die visuelle Informationen und weitere Sinneseindrücke mit der Motorik verknüpft. Dieses Areal wird manchmal dem motorischen Kortex zugeordnet, weil es mit Bewegung zu tun hat, während es bei anderen Gelegenheiten aufgrund seiner Beziehung zu den Sinnen als sensorisch klassifiziert wird.

Pathologien des Motorkortex

Eine Verletzung dieses Teils des Gehirns kann schwerwiegende Folgen haben. Dies liegt daran, dass er für die meisten Handlungen, die wir tagtäglich durchführen, notwendig ist. Einige Probleme im Zusammenhang mit diesem Teil der Hirnrinde sind:

  • Paralyse. Bezeichnet den partiellen oder vollständigen Bewegungsausfall eines oder mehrerer Körperteile. Wenn die Verletzung in einer Hemisphäre auftritt, betrifft sie die kontralaterale Seite, z. B. wenn der Motorkortex der linken Hemisphäre verletzt ist, treten Lähmungen in der rechten Körperhälfte auf.
  • Apraxie. Die Person ist nicht in der Lage, auf Wunsch Bewegungen auszuführen. Der Patient versteht zwar die Bewegungsabfolge und hat die Bereitschaft, sie auszuführen, ihm fehlt aber die Kontrolle über die motorische Komponente.
  • Agrafie. Besteht in der mangelnden Fähigkeit, Ideen und Gedanken in schriftlicher Form auszudrücken.
Aphasie - Mann vor vielen Buchstaben

  • Dysarthrie. Dies ist eine Sprechstörung. Die Person hat Schwierigkeiten, Klänge und Wörter zu artikulieren.
  • Broca-Aphasie. In diesem Fall erlebt die Person eine Defizienz in der expressiven Sprache. Die Symptome stehen im Zusammenhang mit der Produktion von Sprache. So ist diese Erkrankung gekennzeichnet durch Schwierigkeiten bei der Artikulation von Wörtern, Änderungen in der Schrift und Problemen bei der Erinnerung an Wörter.

Nun, die Forschung am motorischen Kortex wird täglich weitergeführt, da immer noch Antworten auf zahlreiche Fragen fehlen. So weiß man bislang nicht, wie man ihn nach einer Verletzung reparieren kann. Als Beispiel für diesbezügliche Untersuchungen sei die von Bunkerot und Mitarbeitern im Jahr 2018 in der Zeitschrift Restorative Neurology and Neuroscience  veröffentlichte Studie genannt. Im zitierten Artikel wird die Bedeutung des Motorkortex für die deutlich. Es wird die adaptive Plastizität des motorischen Kortex nach der Rekonstruktion desselben bei Individuen mit Tetraplegie untersucht. Dabei dient die chirurgische Methodik, die die Autoren präsentieren, als ein Fenster zur kortikalen Neuroplastizität, nach der Wiederherstellung der Arm- und Handfunktion.

Diese Ansätze der Neurowissenschaften helfen uns, immer besser zu verstehen, wie der motorische Kortex auf Verletzungen und Behandlungen reagiert. Dies ist der Beginn einer Reise, um endgültige Lösungen für kortikale Schäden zu finden.

Körper in Bewegung

Der Motorkortex ist die Achse unserer Bewegungen. Ohne ihn wären wir nicht in der Lage, die Bewegungen auszuführen, die wir tagtäglich verrichten. Über seine multiplen Anbindungen sendet und empfängt er Signale zu und von verschiedenen Teilen unseres Organismus. So ermöglicht er bewusste willkürliche und zielgerichtete Bewegungen und somit können wir uns auf der motorischen Ebene mit der Welt verbinden.

  • Bear, M. F. Connors, B. W., Paradiso, M.A., Nuin, X. U., Guillén, X. V. & Sol Jaquotot, M. J. (2008). Neurociencias: la exploración del cerebro. Wolters Kluwer/Lippincott Williams & Wikins.
  • Bunketorp Käll, L., Cooper, R.J. Wangedell, J., Fridén, J., & BjöRNSDOTTER, m. (2018). Adaptative motor cortex plasticity following grip reconstruction in individuals with tetraplegia. Restorative neurology and neuroscience, 36 (1), 73-82.