Psychosomatische Störungen: Wenn die Seele den Körper krankmacht

· 20. Mai 2018

Psychosomatische Störungen sind der Beweis dafür, welchen Einfluss der Geist auf unseren Körper haben kann. Hierbei handelt es sich um Störungen, bei denen messbare, physische Symptomen gegeben sind, die im Zusammenhang mit nicht erfassbaren Krankheiten und Leiden stehen, die nicht auf einem organischen Defekt beruhen. Sie sind das Ergebnis mentaler Konflikte und ungelöster Probleme, die uns innerlich auffressen.

Wenn wir lesen, dass es Schüler gibt, die aufgrund ihrer Angst kurz vor einem Test ihr Sehvermögen verlieren, können wir das vielleicht nur schwer glauben. Auch wenn wir von jener 60-jährigen Frau berichten, die die Mobilität ihrer Beine verloren hat, weil sie davon überzeugt war, dass sich in ihrer Wirbelsäule ein Tumor entwickelte, mag uns das eventuell wie eine überzogene Story vorkommen.

„Dein Körper sagt dir, dass etwas in dir nicht stimmt und dass du es nicht siehst.“

Suzanne O’Sullivan

Nichtsdestotrotz gibt es solche Fälle; sie geschehen jeden Tag, überall auf der Welt und zu jeder Zeit. Etwas, was Neurologen oder Psychologen, die auf psychosomatische Störungen spezialisiert sind, schnell lernen, ist deshalb, dem Raum zu geben, was ihnen ihre Patienten erzählen. Wenn sie darlegen, dass sie Schmerzen haben, ist dieser Schmerz wahrscheinlich real, auch wenn er sich nicht in einem Röntgenbild oder Bluttest widerspiegelt.

Dem Leiden dieser Patienten Glauben zu schenken, ist enorm wichtig. Das Gleiche passiert mit Menschen, die angeben, dass sie während einer Depression Selbstmordgedanken haben, oder wenn eine Person mit Schizophrenie erklärt, dass sie Visionen und andere Halluzinationen hat. Diese sind im Geist dieses Patienten Realität und können verheerende Auswirkungen haben. Wenn unser traumatisierter oder von Angst geplagter Verstand die Kontrolle übernimmt, wird alles möglich.

Frau langt sich an ihren Rücken

Psychosomatische Störungen: Findet alles wirklich nur in meinem Kopf statt?

Wir verstehen unter einer psychosomatischen Störung jegliche Symptomatik, zu der kein physisches oder organisches Korrelat gefunden wird, bei der jegliches Leiden und jegliche Einschränkungen, denen sich die Person ausgesetzt sieht, ausschließlich auf mentalen Prozessen beruhen. Wenn wir genauer darüber nachdenken, kommt zwangsläufig folgende Frage auf: Findet alles wirklich nur im Kopf des Patienten statt?

Die Wahrheit ist, dass psychosomatische Störungen immer noch unverstanden sind. Was man weiß, ist, dass sämtliche körperliche Symptome, die mit Stress verbunden sind, ein zerebrales Korrelat haben: die Hyperaktivität bestimmter Neurone, die mit verschiedenen Bereichen unseres Körpers kommunizieren. Auch ist ein erhöhter Adrenalinspiegel messbar sowie Alterationen weiterer Parameter, wie ein beschleunigter Stoffwechsel von Glukose oder Aminosäuren.

Gleichzeitig konnte belegt werden, dass es Menschen gibt, die anfälliger für psychosomatische Störungen sind. Bei Patienten, die mit großer Angst leben oder aufgrund von Missbrauch oder emotionaler Kälte eine traumatische Kindheit hatten, wird diese Art der Störung häufiger diagnostiziert.

Der menschliche Körper: Der Kopf steuert den Rest.

Denken wir nur an einen Arzt, der seinem Patienten erklärt, dass das, woran er leidet, nicht echt sei, dass der Schmerz in seiner Brust kein Herzinfarkt sei, dass der Verlust seiner Stimme nicht auf ein Problem der Stimmbänder und seine schreckliche Migräne nicht auf einen Hirntumor zurückzuführen seien. Es ist in Ordnung, einem Patienten zu sagen, was er nicht hat. Aber wie kann man ihm helfen, das zu heilen, was er hat und was von seiner Seele verursacht wird?

„Das passiert uns allen. Aber ich könnte nicht sagen, warum dieser Mechanismus bei bestimmten Menschen zu einer Krankheit führt. Fakt ist, dass wir alle auf unterschiedliche Weise mit Stress umgehen.“

Suzanne O’Sullivan

Was unser Geist hervorrufen kann

Psychosomatische Störungen können jedes Organ, Gewebe oder Zelle beeinflussen. Ihre Auswirkungen sind immens, daher sollten wir die Kraft unserer Psyche nicht unterschätzen. Ebenso ist es notwendig, somatoforme von psychosomatischen Störungen zu unterscheiden. Während bei ersteren kein physisches Symptom vorhanden ist, treten bei letzteren sichtbare Schäden zutage.

  • Ein klassisches Beispiel für psychosomatische Symptome sind Dermopathien wie Hautausschläge, Nesselsucht, Akne usw.
  • Bluthochdruck, Tachykardie, Erstickungsgefühl oder ein stechender Schmerz in der Brust sind weitere Symptome.
  • Verdauungsstörungen kommen sehr häufig vor, wobei das Reizdarmsyndrom und Geschwüre die häufigsten Erkrankungen sind.
  • Über intensive Kopfschmerzen und Migräne wird oft berichtet.
  • Darüber hinaus kommt es zu Menstruationsbeschwerden, Haarausfall und Gedächtnisverlust.
  • In sehr seltenen Fällen kommt es zu vorübergehender Erblindung, Lähmung, Ohnmacht.
Frau redet mit einer Therapeutin

Wie werden psychosomatische Krankheiten behandelt?

Psychosomatische Störungen werden auf zwei verschiedene Arten behandelt. Einerseits, was offensichtlich ist, müssen wir auf das körperliche Symptom achten, das sich beim Patienten zeigt. Das Wichtigere jedoch ist, sich dem eigentlichen Problem zu stellen, nämlich dem psychologischen Universum und dem ungelösten mentalen Konflikt, der mehr oder weniger intensiv von seinem Körper zum Ausdruck wird.

Die Techniken, die in diesen Fällen Verwendung finden, sind vielfältig und hängen immer vom individuellen Fall ab. Manchmal ist es auch angebracht, verschiedene Therapien auszuprobieren, um zu sehen, welche sich am besten für den Patienten eignet, welche die positivsten und erhofften Ergebnisse bringt.

  • Entspannungstechniken sind sehr effektiv.
  • Die kognitive Verhaltenstherapie hilft Patienten dabei, neue Wege zur Bewältigung ihrer Probleme zu finden. Dadurch können sie ihre inneren Realitäten verstehen, realistische Lebensziele verfolgen und erkennen, welche Denkmuster sie ändern sollten, um einen positiveren Lebensstil zu pflegen.
  • Darüber hinaus findet die Psychoanalyse Anwendung, bringt oft positive Ergebnisse beim Umgang mit psychischen und emotionalen Konflikten sowie Angststörungen.
  • Gruppentherapien, wie das Psychodrama, das seinerzeit von Jacob Levy Moreno entwickelt wurde, sind eine weitere hilfreiche weil sehr wirkungsvolle Strategie, die ausprobiert werden kann, um zu sehen, ob sie beim Patienten anschlägt.

Abschließend möchten wir auf die Herausforderung hinweisen, vor der viele Ärzte stehen, die eine Lösung für all jene Menschen suchen, die heute an psychosomatischen Erkrankungen leiden. Diese sind manchmal sehr schmerzliche Realitäten, die unsere Aufmerksamkeit und einen sensiblen Umgang verdienen.