Joanne Greenberg: ihre wunderbare Lebensgeschichte

5. August 2019
Obwohl Schizophrenie als unheilbare Krankheit bekannt ist, beweist uns die Geschichte von Joanne Greenberg das Gegenteil. Lies mehr über ihr Leben in unserem heutigen Artikel.

Heute wissen wir alles über das Leben von Joanne Greenberg, da sie ihre Biographie im Jahr 1964 veröffentlicht hat. Außerdem gibt es eine Verfilmung des Buches mit dem gleichen Titel: Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen. Es ist eine wahre und überprüfbare Geschichte über die Heilung einer Schizophrenie.

In der Psychiatrie wird die Schizophrenie als unheilbare psychische Erkrankung angesehen. Sie wird auch als „Krebs des Geistes“ bezeichnet. Außerdem gibt es bis heute keine Therapie, die alle Symptome dauerhaft beseitigen und heilen kann. In der biologischen Psychiatrie, auch Bio-Psychiatrie genannt, erhalten die Patienten verschiedene Medikamente, die die Symptome lindern sollen. Bei Schizophrenie ist die medikamentöse Behandlung allerdings nur eingeschränkt wirksam.

“…die Realität zu erleben fühlte sich an, wie unter großer Langeweile zu leiden, die so endlos war wie die Krankheit selber… die Langeweile des Wahnsinns war eine große Wüste, so groß, dass jedermanns Gewalt oder Qual wie eine Oase schien, und die kurze Gesellschaft erschien wie ein Regen in der Wüste, der noch lange nachdem er vorüber war, erinnert und gezählt wurde.“ 

-Joanne Greenberg-

Aus diesem Grund ist die Geschichte von Joanne Greenberg sehr aufschlussreich und zudem ausgesprochen hilfreich. Ihr Fall ist komplett dokumentiert. Bereits im Kindesalter wurde bei ihr eine Schizophrenie diagnostiziert. Außerdem stellten die Ärzte fest, dass sie an einer schweren Form der Schizophrenie erkrankt war. Sie litt unter visuellen und auditiven Halluzinationen.

So begann die Geschichte von Joanne Greenberg

Ihre Geschichte begann im Jahr 1932 in den Vereinigten Staaten. Sie litt unter einer Vielzahl physischer Symptome und wurde in verschiedenen Kliniken behandelt. Sie musste während dieser Zeit viele schmerzhafte Behandlungen über sich ergehen lassen. Daraufhin schuf Joanne sich ihre eigene Welt und begann, in ihr zu „leben“.

Joanne Greenberg - Regenschirm

Joanne beschrieb die Welt, die sie sich erschaffen hatte, als „vierte Ebene“ und nannte sie das Königreich von Yr. Es war eine Welt mit einer eigenen Zeitrechnung, Logik und Sprache.

In dieser Welt lebte ein dunkler Gott und viele düstere Charaktere, die zu ihr sprachen und sie vor dem Bösen warnten, das dort lauerte. Manchmal waren diese Wesen auch heimtückisch und quälten sie mit Drohungen und Warnungen vor drohenden Gefahren.

Da sie die Realität ihrer eigenen Welt nicht von der reellen Welt unterscheiden konnte, wurde ihr eine Schizophrenie diagnostiziert. Im Alter von 16 Jahren wurde Joanne von ihrem Vater schließlich in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Dort traf sie die Person, die ihr Leben verändern sollte: die Psychoanalytikerin Frieda Fromm-Reichmann.

Fromm-Reichmann war eine Schülerin von Freud und sie glaubte daran, dass jeder Patient durch Psychotherapie geheilt werden konnte.

Ein langer therapeutischer Prozess

Frieda Fromm-Reichmann war mit Erich Fromm verheiratet, der einst einer ihrer Patienten war. Später ließ sie sich von ihm scheiden, folgte aber dennoch seinen humanistischen Theorien. Sie war fest davon überzeugt, dass auch Schizophrenie in einem therapeutischen Umfeld heilbar sei.

Joanne Greenberg - Buch

Die Psychoanalytikerin suchte den engen und intensiven Dialog mit Joanne. So befragte sie sie eingehend über ihr Leben. Dadurch wollte sie Joanne ermöglichen, die schmerzhaften Erfahrungen, die sie gemacht hatte, in Worte zu fassen. Ziel war es, dass Joanne ihre verdrängten Erinnerungen loslassen konnte.

In dem Roman Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen, welchen Joanne Greenberg geschrieben hat, kannst du den gesamten therapeutischen Prozess mit Frieda Fromm-Reichmann nachlesen.

Der Titel des Buches stammt wortwörtlich aus den Therapiesitzungen. Als Joanne im Laufe des Prozesses begann, ihre erfundene Welt mit der realen Welt zu ersetzen, stellte sie fest, dass es in der realen Welt viele Ungerechtigkeiten gab. Darüber war sie oftmals sehr traurig. Und daraufhin antwortete ihr Frieda dann mit den Worten : „Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen“.

Joanne Greenberg: die Heilung ihrer Schizophrenie mittels Psychotherapie

Diese zwei Frauen, Joanne und Frieda, rüttelten an den Grundüberzeugungen der Psychiatrie, denn Joannes Schizophrenie wurde letztendlich geheilt. Doch aus psychoanalytischer Sicht ist es nicht möglich, jemanden, dem eine Schizophrenie diagnostiziert wurde, als geheilt oder „normal“ zu bezeichnen.

Und doch geschah genau dies mit Joanne. Sie schaffte es, ein normales Leben zu führen und auf eigenen Beinen zu stehen. Mit dem Begriff „Normalität“ verbinden wir beispielsweise die Fähigkeit zu lernen und zu studieren, sich zu verlieben und dann zu heiraten. Und damit einhergehend auch den „normalen“ Verlauf des Lebens, der aus einem Wechselspiel von Glück und Enttäuschung besteht, den wir alle im Leben durchlaufen.

Ein unabhängiges Leben

Bedauerlicherweise starb Frieda, noch bevor der psychoanalytische Prozess vollständig abgeschlossen war. Zu diesem Zeitpunkt lebte Joanne allerdings schon nicht mehr in psychiatrischen Einrichtungen. Sie hatte bereits ihr Studium begonnen und versuchte nach Kräften, ein unabhängiges Leben zu führen.

Frieda hat es nie zugelassen, dass Joanne Medikamente einnahm. Auch das war eine große Leistung, denn in der Psychiatrie ist die Verordnung von Medikamenten üblich. Aber Joanne hat auch diese Situation sehr gut überstanden.

Die Geschichte von Joanne beweist, dass Patienten, die an Schizophrenie erkrankt sind, tatsächlich eine wirkliche Linderung und  sogar Heilung aller damit verbundenen Symptome erfahren können. Allerdings verursachte dieser Fall sehr viele Kontroversen in der psychiatrischen Fachwelt. Alle Experten, die davon überzeugt waren, dass eine psychische Erkrankung eine Erkrankung des Geistes sei, lehnten es strikt ab, Joannes Heilungsprozess wirklich anzuerkennen und entsprechend zu würdigen.

Dennoch ist Joanne Greenbergs Geschichte ein wundervoller Hoffnungsschimmer. Wir sollten dieses Zeugnis der Hoffnung nicht ignorieren, wenn wir uns wirklich für den menschlichen Geist und seine Gesundheit interessieren. Und die Geschichte beweist auch, dass dem, was wir wirklich erreichen wollen, letztlich keine Grenzen gesetzt sind.