Positive und negative Symptome der Schizophrenie

· 6. Juni 2019

Schizophrenie ist eine der verheerendsten psychischen Krankheiten, die es gibt. Es wird geschätzt, dass weltweit etwa 20 Millionen Menschen darunter leiden. Um jemanden mit Schizophrenie zu diagnostizieren, so der Diagnostische und statistische Leitfaden psychischer Störungen,  müssen zwei oder mehr charakteristische Symptome vorliegen, von denen jedes einzelne für jeweils mindestens einem Monat auftrete. Solche Symptome sind: wahnhafte Ideen, Halluzinationen, unorganisierte Sprache, katatonisches oder stark unorganisiertes Verhalten und negative Symptome wie affektive Verflachung oder Alogie, die wir später erklären werden.

Für die Diagnose ist es weiterhin notwendig, dass das Befinden des Patienten in einem oder mehreren wichtigen Lebensbereichen betroffen ist. Darüber hinaus währt eine Schizophrenie mindestens sechs Monate lang, wobei dieser Zeitraum die prodromische und die Residualphase umfassen kann.

Andererseits können bezüglich der Schizophrenie anhand der vorherrschenden Symptome Subtypen unterschieden werden. So gibt es Patienten, die positive Symptome aufweisen, und andere, die negative Symptome zeigen. Im ersten Fall wird die Schizophrenie eher erkannt, weil die Symptome sehr auffällig sind. Halluzinationen, Delirien oder motorische Anomalien erregen Aufmerksamkeit. Negative Symptome hingegen bleiben oft unbemerkt, weil sie nicht so extravagant oder auffällig sind, gehen aber mit einer schlechteren Prognose einher.

Die von negativen Symptomen betroffenen Patienten haben tendenziell ein höheres Risiko auf Chronifizierung, Drogenmissbrauch und Suizid. Außerdem ist die Verschlechterung auf allen Ebenen viel ausgeprägter als bei Patienten mit positiven Symptomen. Schauen wir uns die positiven und negativen Symptome der Schizophrenie nun im Detail an.

Doppeltes Gesicht stellt Schizophrenie dar

Positive Symptome

Die wichtigsten positiven Symptome im Zusammenhang mit Schizophrenie sind diese:

  • Auditive Halluzinationen. Sie sind die häufigste Art der Halluzination, obwohl es auch visuelle, taktile und sogar geschmackliche Halluzinationen geben kann. Der Patient hört in der Regel Stimmen, die mit ihm sprechen oder ihn auf verschiedene Weise anrufen. In einigen Fällen bezieht sich der Patient auch auf Stimmen, die miteinander sprechen, die etwas über ihn sagen. Diese Stimmen können männlich oder weiblich, vertraut oder unbekannt sein. Weniger charakteristisch als die Stimmen wären Akoasmen, d. h. Geräusche wie Musik oder Klicks.
  • Deliriöse Ideen. Wahnvorstellungen sind Geschichten, die der Patient mit großer Überzeugung kommentiert, ohne erkennen zu können, dass sie das Produkt seines eigenen Geistes sind. Die Auflösung des Deliriums ist daher fast unmöglich, egal wie sehr wir versuchen, die Person davon zu überzeugen, dass dem, was sie sagt, Logik oder Kohärenz fehlen.
  • Motorische Anomalien. Motorische Beeinträchtigungen können, abgesehen davon, dass sie ein Symptom der Schizophrenie als Krankheit sind, auch mit dem Einsatz von Medikamenten verbunden sein. Akathisie oder motorische Unruhe, Dyskinesie und extrapyramidale Symptome können festgestellt werden. Sie sind charakteristisch für die katatonische Schizophrenie und führen weiterhin zur Betäubung, Isolierung von der Außenwelt, ja sogar zu Mutismus. Die Katalepsie, in der der Patient starre und seltsame Haltungen einnimmt, die Manierismen, also karikierende Gesten, denen es an Natürlichkeit mangelt, oder stereotype Bewegungen sind ebenfalls charakteristisch.
  • Abnorme Sprache. Betroffene neigen dazu, fließende Diskurse zu geben, die aber inhaltlich wenig Sinn ergeben. So kommt es zu Entgleisungen oder laxen Assoziationen, es werden verschiedene Ideen ausgedrückt, die ohne Beziehung ineinander übergehen. Es ist ebenso möglich, dass der Patient einen Zusammenhang detailreich schildert und so jene Botschaft, die er wirklich vermitteln möchte, immer weiter hinauszögert. Neologismen, also neu erfundene Wörter, sind ebenfalls typisch, ebenso wie Resonanz oder das Sprechen mit Worten, die nach ihrem Klang und nicht nach ihrer Bedeutung ausgewählt werden.
  • Extravagantes Verhalten. Schizophrene Patienten können dieses Symptom in Bezug auf Kleidung zeigen und beispielsweise im Hochsommer einen Schal tragen, oder in Bezug auf soziales und sexuelles Verhalten. Unruhe, Aggressivität, Masturbieren in der Öffentlichkeit und wiederkehrende Verhaltensweisen seien als Beispiele genannt.

Negative Symptome

Die negativen Symptome sind, wie wir bereits gesagt haben, weniger spektakulär oder auffällig wie die positiven, aber dennoch haben diese Patienten eine schlechtere Prognose. Sie stehen im Zusammenhang mit neuronalen Verlusten im Schläfenlappen und im Gyrus parahippocampalis. Sie treten häufiger bei Männern auf und nehmen in der Regel einen chronischen Verlauf, denn bei diesen Symptomen sind Neuroleptika nicht wirksam. Einige dieser Symptome sind:

  • Affektive Verflachung. Es besteht eine charakteristische Verarmung im Ausdruck von Emotionen und Gefühlen. Diese affektive Armut manifestiert sich in einem unveränderlichem Gesichtsausdruck, einer hölzernen oder eisigen Maske ohne Ausdruck, in verminderten Bewegungen oder einem Mangel an Gesten, spärlichem Sichtkontakt, affektiver Inkongruenz und fehlender Reaktion, einem dümmlichen Lächeln beim Sprechen über ein ernstes Thema und einer monotonen Sprache, ohne Veränderungen in Tonlage oder Lautstärke.
  • Alogie. Die Gedanken sind leer, starr und langsam. Wir leiten dies aus der Qualität der Sprache beim Ausdruck ab: Antworten werden nur verzögert und langsam gegeben. Wenn Betroffene schließlich antworten, sind sie inhaltlich oft mangelhaft.
  • Abulie und Apathie. Abulie ist ein Mangel an Interesse oder Bereitschaft, etwas zu tun. Die Patienten können nichts selbst anfangen, Aufgaben nicht erledigen. Diese mangelnde Initiative manifestiert sich im Abbruch von Projekten, aber auch in hygienischen Defiziten.
  • Anhedonie und Rückzug in sozialen Beziehungen. Der schizophrene Patient mit negativen Symptomen ist in vielen Fällen nicht in der Lage, Freude zu empfinden, und vermeidet soziale Beziehungen, die ihm diese Befriedigung geben könnten. In diesem Sinne besteht kein Interesse an sexuellen Themen, Intimität oder Nähe zu anderen, nicht einmal an Freizeitaktivitäten.
Mann im Profil

Die Pharmakotherapie ist derzeit die Therapie der Wahl bei Schizophrenie. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass eine zusätzliche psychologische Behandlung die Wirksamkeit von Antipsychotika verbessert. Das Problem ist, dass diese Medikamente nur dann wirksam sind, wenn der Patient positive Symptome hat, da sie die D2-Dopaminrezeptoren blockieren und deren Aktivität hemmen, was Halluzinationen und/oder Wahnvorstellungen abschwächt.

Andererseits scheint es, dass solche Medikamente die negativen Symptome nicht nur nicht verbessern, sondern in einigen Fällen sogar verschlimmern können. Daher ist mehr Forschung in dieser Richtung erforderlich.

  • Belloch, A., Sandín, B. y Ramos, F (2008). Manual de psicopatología. Volúmenes I y II. McGraw-Hill.Madrid
  • American Psychiatric Association (APA) (2014): Manual de Diagnóstico y Estadísitico de los Trastornos Mentales, DSM5. Editorial Médica Panamericana. Madrid.