Abulie: Wenn Unentschlossenheit pathologisch wird

29. Januar 2019

Wir alle müssen irgendwann schwierige Entscheidungen treffen. In diesen Momenten zweifeln wir oft an uns selbst. Wir sind nervös, weil wir nicht wissen, welche Option wir wählen sollen. Es ist normal, unentschlossen zu sein, wenn solch eine Entscheidung ansteht. Wenn diese Unentschlossenheit jedoch Auswirkungen auf unseren Alltag hat, kann sie problematisch werden. Wenn sie uns in unseren persönlichen Beziehungen zu schaffen macht und auf Stress, Angst oder Depression zurückzuführen ist, leiden wir möglicherweise an Abulie.

Abulie erzeugt ein Gefühl lähmender Unentschlossenheit.

Zunächst ist es wichtig, zu betonen, dass Abulie eine psychische Krankheit ist und nicht nur ein Problem des Selbstwertgefühls oder der Unsicherheit. Abulie macht es uns unmöglich, unser Leben zu leben, denn sie hält uns davon ab, Entscheidungen zu treffen. Wir fühlen uns nicht mehr in der Lage, zu wählen. Das geht manchmal sogar so weit, dass es unmöglich für uns wird, zu entscheiden, welchen Pullover wir anziehen sollen. Dann wird Unentschlossenheit zu einem pathologischen Zustand und mindert unsere Lebensqualität.

Was verursacht Abulie?

Die Ursachen für Abulie sind mannigfaltig. Daher muss der potenziell Betroffene sorgfältig untersucht werden, um den Auslöser für das Problem zu finden und eventuell weitere Befunde zu erheben. Erst dann kann auf bereits bestehende Studien zurückgegriffen werden und es lassen sich Hypothesen aufstellen, wie es zu dieser Erkrankung gekommen ist.

Ein Schatten einer Frau, die Hilfe sucht, hinter einem Milchglas

Eine mögliche Ursache für Abulie sind Störungen in der präfrontalen Hirnrinde. Dies ist der Bereich unseres Gehirns, der für die Entscheidungsfindung verantwortlich ist. Darüber hinaus nehmen Wissenschaftler an, dass Abulie in engem Zusammenhang damit stehen könnte, wie man erzogen wurde. Überfürsorgliche Eltern können eine toxische Umgebung schaffen, die die Entstehung von Abulie fördert. Kinder mit überfürsorglichen Eltern entwickeln eine ungesunde Abhängigkeit und sind stets auf andere angewiesen, um Entscheidungen für sie zu treffen.

Auch wenn jemand im Kindesalter Opfer von Erniedrigung wird oder verlassen wird, steigt die Chance, dass er an Abulie erkrankt. Denn Scham, vermehrte Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen können ebenfalls Ursachen für diese Erkrankung sein.

Trotz alledem konnte der Abulie noch keine organische Grundlage zugeordnet werden. Sie wird daher klinisch diagnostiziert und psychotherapeutisch aufgearbeitet.

Leben mit Abulie

Emotionale Abhängigkeit und Abulie sind nicht dasselbe. Deshalb ist es so wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um herauszufinden, was das eigentliche Problem ist. Es mag jedoch zu Überschneidungen zwischen Abulie und Abhängigkeit kommen, weshalb sie gelegentlich miteinander verwechselt werden.

Üblicherweise vermeiden Menschen, die an Abulie leiden, das Alleinsein, insbesondere, wenn sie vor einem Dilemma stehen. Erst die Anwesenheit anderer gibt Betroffenen die notwendige Sicherheit, dass jemand da sei, der die Entscheidung für sie treffen könne und die Verantwortung übernehme. Wenn man einen Abulie-Patienten allein lässt, wird er sich machtlos und verloren fühlen. Die Angst vor dem Alleinsein ist hier aber nicht die Wurzel des Problems, sondern eher ein Symptom für einen tiefer sitzenden Konflikt.

Ein Mann ist überwältigt von all den Optionen, die er hat.

Es ist wichtig, zu erwähnen, dass diese Abhängigkeit es einfacher macht, Personen mit Abulie zu manipulieren oder zu belügen. Andere Menschen können Betroffene leichter ausnutzen. Partner hingegen mögen sie verlassen, weil sie unfähig sind, eine Entscheidung zu treffen oder Meinungsverschiedenheiten nicht diskutiert werden können.

Diagnose und Behandlung

Angst und Depression gehen oft mit Abulie einher. Tatsächlich suchen Betroffene meistens Hilfe, weil sie depressiv oder ängstlich sind. Es gibt drei Tests, auf denen Diagnose und Prognose beruhen:

Sollte die Diagnose positiv ausfallen, wird dringend geraten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um diese Erkrankung zu überwinden. Der Prozess besteht darin, sich zunächst mit der zugrunde liegenden Kondition, wie der Angst, der Depression oder dem Stress, und dann erst mit dem Problem der Unentschlossenheit auseinanderzusetzen. Ein Spezialist kann den Patienten dabei unterstützen, mehr Autonomie und soziale Fähigkeiten wie Durchsetzungsvermögen zu entwickeln. Darüber hinaus muss er dem Patienten in aller Regel helfen, sein Selbstwertgefühl zu stärken.

Jemand, der an Abulie leidet, mag denken, dass seine Unentschlossenheit normal sei. Aber das Problem könnte schwerwiegender sein, als es scheint. Einen Psychologen oder Psychiater aufzusuchen, ist deshalb sehr zu empfehlen, wenn es um die Diagnose und Therapie der Abulie geht.

Eine Frau sitzt an einem Scheideweg und überlegt, welchen Weg sie wählen soll.

Jemand, der an Abulie erkrankt ist, kann keine Entscheidungen treffen. Was gibt es zum Mittagessen, wie sollen die Haare geschnitten und was dem Bruder zum Geburtstag geschenkt werden? Die Unentschlossenheit von Betroffenen erreicht den Punkt, an dem das Nichtleben eine bessere Option darstellt als das Leben.

Menschen mit Abulie mögen andere anstrengen, da sie das Gefühl haben, sie müssten sie ständig an die Hand nehmen. Aber diese Erkrankung ist eine noch viel größere Belastung für Betroffene. Aus diesem Grund müssen Wege gefunden werden, um ihnen zu helfen, die Autonomie und Unabhängigkeit zu erlangen, die sie so dringend benötigen. Wir sollten also versuchen, Betroffene zu verstehen.