Alleinsein scheint mit 20 uninteressant, aber später braucht man es

6. Juni 2017 en Psychologie 526 Geteilt

Mit den Jahren bekommt das Alleinsein eine andere Bedeutung. Warum ist das so? Weil wir mit zunehmender Lebenserfahrung an einen Punkt kommen, an dem Alleinsein gleichbedeutend mit persönlichem, intimem und emotionalem Freiraum wird.

Und ja, Alleinsein macht süchtig. Wenn du erst einmal feststellst, welchen Frieden es dir bringt, wird es zu einem regelmäßigen Bedürfnis werden, dich damit einzudecken. Du wirst den Lärm der anderen nicht mehr mit der gleichen Ruhe ertragen können und du wirst beginnen, die Vorstellung zu mögen, dich selbst in deiner eigenen Welt kennenzulernen.

Im Lauf der Zeit entwickelst du ein furchtloses Verhältnis zum Alleinsein, genießt deine Zeit mit dir selbst und erhältst eine Ausgeglichenheit zurück, die in jungen Jahren schwer zu erreichen ist. Mit 20 ist es gesellschaftlich weniger akzeptabel, Alleinsein als etwas Positives zu sehen, als mit über 30, wenn du dir durch deine Erfahrungen immer deutlicher bewusst wirst, dass du anhalten und deine Energie für dich selbst in Anspruch nehmen musst.

„Die Einsamkeit ist unser privatestes Eigentum, alte Riten lodernder Flammen, in denen wir uns bewegen und Mauern bauen, mit Spiegeln, vor denen wir stets fliehen.“

Mario Benedetti

Was ist es am Alleinsein, das uns ein Gefühl der Freiheit gibt?

Alleinsein ist so attraktiv, weil es uns dabei hilft, einen Teil unserer Seele für uns zu bewahren. Wir können auf uns selbst hören, mit unseren Sorgen umgehen, unsere Dämonen beobachten und unsere Wünsche ausdrücken. Die Zeit, die wir allein verbringen, verwandelt sich in einen Punkt der Begegnung, der uns nicht schadet, sondern ausfüllt.

Aber… sei vorsichtig!! Selbstbestimmtes Alleinsein sollte nicht mit sozialer Isolation verwechselt werden. Wir müssen es als einen Ort verstehen, an den wir uns aus unserem freien Willen begeben und aus dem Bedürfnis heraus, unsere Persönlichkeit durch vollständige Beobachtung weiterzubilden. Wenn eine Person sich entscheidet, alleine zu sein, ist sie nicht isoliert. Außerdem hilft uns das frei gewählte Alleinsein dabei, ein Gefühl der Kontrolle zu entwickeln, das wir sonst in unserem beschleunigten und vielbeschäftigten Leben häufig nicht pflegen können.

Wenn eine Person allein ist, ist sie dafür verantwortlich, ihr eigenes Bild im Spiegel zu konstruieren und zu wissen, was hinter ihrem Gesichtsausdruck steckt. Wir können eine zur Fähigkeit Introspektion entwickeln und die Auslöser sowie Auswirkungen unserer Konflikte, unserer Erfolge und unserer Erfahrungen analysieren.

Alleinsein schenkt uns wunderbare Momente der Vertrautheit

Durch die intime Begegnung mit uns selbst verabschieden wir uns von emotionaler Abhängigkeit und ungesunden Bindungen. Wir arbeiten an unserer Essenz, da wir realisieren, dass wir nur uns selbst brauchen. Wir kultivieren und arbeiten an unserem Inneren, werden uns unserer Bedürfnisse bewusst und kommen über unsere Ängste hinweg.

Auf diese Art vermindert sich die Angst, keinen Sinn im Leben zu finden, denn wenn man beginnt, die einsamen Momente zu schätzen, versteht man, dass der Sinn des Lebens jener ist, den wir ihm geben. Nicht mehr und nicht weniger.

Menschen, die Zeit allein verbringen, sehen die Dinge anders. Sie wissen, was es bedeutet, einen Tag ohne Pläne zu genießen, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, unabhängig zu sein, einen Kaffee allein zu trinken und dies als eines der größten Vergnügen anzusehen.

Das hilft uns, besser analysieren und entscheiden zu können. Außerdem sind das Bedürfnis, allein zu sein, und die Wertschätzung, die man dafür aufbringt, eng verbunden mit Kreativität und Originalität. Es ist eines der kleinen, subtilen Details, die den Unterschied ausmachen. Wir entdecken uns selbst durch die Momente, in denen wir mit unserem Innersten in Verbindung treten. Deshalb ist Alleinsein synonym zu persönlichem und intimem Freiraum. Es ist häufig das, was uns den Anstoß gibt, Gründe dafür zu finden, dass wir uns weiterentwickeln müssen.

Alleinsein ist immer hilfreich, um uns zu sammeln, in uns zu kehren und unsere Erkenntnisse auf Lebensbereiche auszuweiten, die wir vernachlässigt haben. Der essenzielle Teil dieses emotionalen Zustandes lehrt uns, anderen unsere Persönlichkeit offenzulegen, Raum für uns selbst zu schaffen und wachsen zu lassen, sodass wir intensiv an dem arbeiten können, was uns aufrechterhält: unsere Liebe zu uns selbst.

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