Ich mag Freunde, die Zeit, Schweigen und Freiraum respektieren

21, Januar 2016 en Psychologie 1089 Geteilt

Meine besten Freunde kann ich an einer Hand abzählen. Es sind zwar nicht viele, aber es sind großartige, ehrliche Freunde mit unabdingbaren Eigenschaften für eine ernsthafte Freundschaft. Es sind gegenseitige, selbstlose und verständnisvolle Freundschaften, die mir Raum und Luft zum Atmen geben, um mein Leben zu bereichern.

Und wie sieht es mit dir aus, wie viele Freunde hast du?

Es gibt ja Menschen, die sehr stolz darauf sind, eine ganze Armee von Freunden zu besitzen. Zu dieser Armee zählen sie Namen aus sozialen Netzwerken, dabei sind dies Personen, die sie kaum kennen, ihnen jedoch bei jedem geposteten Beitrag ein „Gefällt mir“ spendieren.

Gute Freunde sind nicht einfach nur abgespeicherte Namen und Fotos in unseren Mobiltelefonen. Es sind Menschen, die unseren Worten Beachtung schenken und unsere Körpersprache zu übersetzen wissen.

Freunde sind Lebewesen, die unsere Leere füllen; Stimmen, die uns in guten wie in schlechten Zeiten aufmuntern; Lächeln, die unsere Probleme kleiner erscheinen lassen und Menschen, mit denen wir unsere Tage vollkommener werden lassen.

Wie können wir nun also gute Freunde definieren? Denke aber bitte nicht nur an die Gefallen innerhalb einer Freundschaft. Diese sollte nicht allein auf dem Prinzip des Geben und Nehmens beruhen. Eine wirklich großartige Freundschaft geht weit über Unterstützung, Beisammensein oder Gegenseitigkeit hinaus. Sie basiert genauso darauf, dass sie Schweigen, Freiräume und Zeit respektiert.

Schauen wir uns das einmal genauer an.

Die Sprache des Schweigens

Sicherlich ist es dir schon einmal passiert, dass du dich mit anderen Personen getroffen und dich wahrhaft unwohl gefühlt hast, als in der Gruppe Schweigen aufkam.

Genau in diesen Momenten füllen leere Kommentare diese Stille und man kann unsichere Gesichter beobachten, die mit ihrem Gesichtsausdruck sagen, dass sie einfach nicht wissen, was sie gerade tun sollen.

Gegenseitiges Verstaendnis

Diese Situation passiert aber nicht nur mit Unbekannten. Manchmal verspüren wir auch dieses Gefühl von Unbehagen in der Nähe einiger Familienmitglieder oder Arbeitskollegen. Doch woher kommt das?

Misstrauen und Beunruhigung sind die Ursache. Es kommt einem so vor, als ob das Schweigen die Tür zu unseren schweigsamen Gedanken öffnet, die bei uns Angst auslösen: werden sie mich verurteilen? Was werden sie jetzt von mir halten?

Unter guten Freunden passiert so etwas nicht. Wir könnten jetzt auch behaupten, dass wir Menschen im Allgemeinen den Wert des Schweigens zu wenig schätzen.

Seelen haben in diesem Moment keine Worte und die Komplexität bekommt einen wahrhaften Sinn. Keiner von uns benötigt Worte, um sich verbunden und gut zu fühlen. Unter Menschen, die wir lieben, birgt das Schweigen kein Unbehagen, weil wir uns erlauben, wir selbst zu sein, ohne verurteilt zu werden.

Schweigen vereint Herzen und entspannt unseren Verstand.

Die Inexistenz der Zeit

„Aber was ist denn nur mit deinem Leben, dass…?“ „Man könnte meinen, dass dir der Rest der Welt egal ist. Du kümmerst dich immer nur um deine Sachen und nicht um die der Anderen!“ 

Vielleicht sieht eine deiner Freundschaften genau so aus. Du hast dich einen Tag lang grundlos einmal nicht bei deinem Freund gemeldet, und das aus dem einfachen Grund, weil dir danach war oder du dich nicht dazu verpflichtet fühltest, zu jedem erdenklichen Moment erreichbar zu sein. Aber sofort wirst du mit Vorwürfen konfrontiert.

Es gibt Personen, die dafür kein Verständnis haben, die denken, dass eine Freundschaft mit einer Daily-Soap vergleichbar ist, die jeden Tag „läuft“; ein stündlicher Austausch unserer Taten, Gedanken, oder unseres bloßen Seins.

Freiheit

Sobald dieses Gefühl von Verpflichtung aufkommt, fühlen wir uns überrannt. Denn wer die Zeit der Privatssphäre und den benötigten Freiraum nicht respektiert, versteht den wahren Wert von Freundschaft nicht.

Manchmal melden sich Freunde aus persönlichen oder arbeitstechnischen Gründen monate- oder sogar jahrelang nicht beieinander, aber wenn sie sich dann wiedersehen, ist dieses Treffen von einem einzigartigen Zauber umgeben, der die Herzen erwärmt. Es kommt uns so vor, als wäre das letzte Wiedersehen erst vor Kurzem gewesen, weil das Gefühl immer noch dasselbe ist.

Ist dir das schon einmal so gegangen?

Eigene und gemeinsame Freiräume

Wir könnten sagen, dass viele von uns mit ihrer Zeit allein, ihren Gefühle oder persönlichem Freiraum nicht gut umgehen können.

Jeder von uns hat oder hatte in der Vergangenheit diese eine Freundschaft, in der man ständig erreichbar sein musste, um Gedanken, Befürchtungen, irgendeine Angst miteinander auszutauschen. Und wir ließen alles stehen und liegen, um uns diesem Problem zu widmen.

Nach und nach haben wir verstanden, dass diese Person über eine geringe Fähigkeit verfügte, mit ihren eigenen Probleme umzugehen, bis sie ihre Ängste und ihre Negativität letztendlich auf uns übertrug.

Und wir haben für diese Freundschaft zweifellos alles gegeben, bis wir an einen bestimmten Punkt ankamen, an dem wir verlangten, dass unsere persönlichen Freiräume, unsere Identität und emotionales Gleichgewicht respektiert werden sollten.

Am Ende des Tages ist es doch so, dass wir uns nicht die Last anderer aufbürden und somit unsere eigene Last noch schwerer machen müssen. Denn dadurch würde unser Weg selbst nur schwieriger zu beschreiten sein.

Wahre Freundschaften sollten niemals eine Last oder toxisch sein. Freunde sollten sich harmonisch als Weggefährten in unser Leben einfügen und wissen, wie man Freiräume, Zeit und Schweigen respektiert. Denn für gute Freunde öffnen wir stets unser Herzen.