Inwiefern beeinflusst uns die Angst vor Entscheidungen?

· 10. Mai 2018

Keine Angst ist so weit verbreitet wie diese: die Angst vor Entscheidungen. Wir sollten darin eigentlich Experten sein, weil wir uns jeden Tag entscheiden, fast jede Minute. Manchmal passiert es jedoch, dass wir nicht weiterkommen und nicht wissen, wie wir uns entscheiden sollen.

Menschen verschiedenster Kulturen, Berufe, Bildungsniveaus und sozialen Status haben Angst vor Entscheidungen. Wir leben in einer Informations- und Wissensgesellschaft, die uns in vielerlei Hinsicht unzählige  Wahlmöglichkeiten bietet.

Einer der Hauptgründe für Blockaden bei der Entscheidungsfindung ist das Gefühl der Angst. Wir haben zum Beispiel Angst vor der Entscheidung, in einer Beziehung zu bleiben oder diese aufzulösen, den Job zu wechseln oder davor, Kinder zu bekommen, etc. Geht es um die wichtigen Dinge im Leben – oder sogar noch schlimmer, um nicht umkehrbare Entscheidungen – kann diese Angst sehr stark sein. Sie kann uns dazu verleiten, die Entscheidung hinauszuschieben. Das ist ein bekanntes Verhaltensmuster: Wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht oder welchen Weg wir einschlagen sollen, schieben wir die Entscheidung auf. Vielleicht tun wir das in der Hoffnung, neue Informationen zu sammeln, die die Entscheidung erleichtern könnten. Oder vielleicht nimmt uns die Zeit die Entscheidung sogar ab, weil eine Option nach einer Weile nicht mehr zur Verfügung steht.

Sieben Türen, nur eine ist gelb

Je wichtiger die Entscheidung ist, desto größer ist die Angst, falsch zu wählen. Dabei erfüllt die Angst jedoch eine Aufgabe der Anpassung. Sie lehrt uns, vorsichtig zu sein und uns selbst und andere zu schützen. Wir sehen eine hohe Klippe und entscheiden uns, und sie nicht zu nähern. Angst vor der falschen Entscheidung ist aber auch Furcht vor der Verantwortung, die mit der Wahl verbunden ist.

Konsequenzen für das Leben

Angst vor Entscheidungen, weil die Möglichkeit besteht, dass wir falsch wählen, kann uns lähmen. Sie lässt uns für längere Zeit unentschlossen bleiben und verlangsamt unsere Reaktionen. Es kann zu einer endlosen Suche nach Informationen kommen, welche Entscheidung denn die beste sei. Häufig passiert es, dass immer weitere Fragen auftauchen und definitive Antworten in die Ferne rücken, je mehr wir uns mit einem bestimmten Thema beschäftigen. Sprich, es ist ein Irrglaube, dass das Kopfzerbrechen zu einem sicheren, bestimmten Ergebnis führe.

Wenn wir starke Angst davor haben, uns falsch zu entscheiden, kann das den in der Psychologie bekannten „pathologischen Zweifel“ auslösen. Für pathologischen Zweifel ist obsessives Suchen nach absoluter Sicherheit charakteristisch. Dieses Suchen wird durch gedankliche Zwänge bestärkt.

Unentschlossener Junge hat Angst vor Entscheidungen

Angst davor, nicht mithalten zu können

Hierbei weiß eine Person, welche Entscheidung sie treffen sollte, zweifelt aber daran, dass sie mit den Folgen umgehen kann. Muss sich jemand dazu entscheiden, auf einer Konferenz eine Präsentation zu halten oder nicht, kann das damit enden, dass er die Einladung aufgrund seiner unüberwindbaren Angst ablehnt. Er hat zu sehr Angst davor, die Erwartungen der anderen Diskussionsteilnehmer oder gar den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können.

Diese Angst kann dazu führen, Positionen zu meiden, die Verantwortung implizieren, sich auf unwichtige Entscheidungen zu konzentrieren und die wichtigen Entscheidungen anderen zu überlassen. Die Folge dessen ist oft ein schwaches Selbstbewusstsein.

Angst davor zu haben, nicht mithalten zu können, führt auch dazu, dass wir uns Möglichkeiten entgehen lassen. Wir sprechen hier von der Angst, die uns davon abhält, die eigene Komfortzone zu verlassen und uns weiterzuentwickeln. Es ist effektiv, an in unserem Selbstbewusstsein zu arbeiten, um diese Furcht zu bewältigen.

Angst davor, die Kontrolle zu verlieren

Diese Angst tritt häufig bei Menschen auf, die ein hohes Kontrollbedürfnis haben. Wenn eine solche Person erkennt, dass man auch mit einer Entscheidung nicht alles steuern kann, entscheidet sie sich nicht. Ein Beispiel dafür ist, dass viele Menschen wegen ihrer Angst vor Gruppenprojekten, die Teamwork erfordern, Stellenangebote ablehnen.

Das Gefühl, alles kontrollieren zu müssen, ist eine wahre Herausforderung. Das Kontrollbedürfnis kann tatsächlich sehr stark sein und im Extremfall zu einer Zwangsstörung führen. Wir können es sowohl während des Prozesses der Entscheidungsfindung als auch dann erkennen, wenn die Folgen der Wahl ersichtlich werden.

Die Auswirkungen der Angst während der Entscheidungsfindung sind:

  • Die Person hat das Bedürfnis, alle verfügbaren Informationen zu überdenken, bevor sie sich entscheidet.
  • Sie braucht unbestimmt viel Zeit, um sich zu entscheiden.
  • Sie analysiert das Für und Wider aller Optionen immer und immer wieder.

Angst vor einem Kontrollverlust besteht, wenn sich die Fähigkeit der Person, die Kontrolle zu bewahren, durch die Entscheidung verändert. Sprich, wir haben die Kontrolle über die Entscheidung, aber die zu wählende Option bedeutet, dass wir zumindest einen Teil der Kontrolle abgeben müssen.

Angst vor sozialer Zurückweisung

Die Grundbedürfnisse des Menschen bestehen darin, sich geliebt zu fühlen, respektiert und akzeptiert zu werden. Angst vor sozialer Zurückweisung tritt häufig auf, wenn wir davon ausgehen, dass die von uns zu treffende Entscheidung von außen negativ betrachtet wird. Wir reden zum Beispiel von Situationen, in denen wir die Bedürfnisse anderer nicht vollständig befriedigen können oder gar ignorieren müssen, wenn wir die Entscheidung treffen.

Frau sitzt allein auf Steg

Angst vor sozialer Zurückweisung geht mit Problemen einher. Wir treffen zum Beispiel Entscheidungen, um Anerkennung zu bekommen und nicht, weil wer wirklich davon überzeugt sind, dass es die richtigen sind. Sowie Länder nicht das, was uns glücklich machen würde, was am vorteilhaftesten wäre. Wer Angst vor sozialer Zurückweisung hat, trifft stattdessen die Entscheidung, von der glaubt, dass andere sie akzeptieren, und die ihn gut dastehen lässt.

Menschen, die an ihrer Angst vor sozialer Zurückweisung arbeiten wollen, können Techniken der Verhaltenstherapie anwenden, wie die der Akzeptanz- und Commitmenttherapie. Diese Techniken helfen uns, bestimmte Aspekte unseres Lebens und Gedanken zu akzeptieren, die wir nicht ändern können. Das trägt dazu dabei, gezielt Entscheidungen auf der Grundlage der eigenen Werte und Bedürfnisse zu treffen.

Wir sollten bedenken, dass Entscheidungen treffen nichts ist, das man ablehnen oder jemand anderem überlassen kann. Entscheidungen entscheiden darüber, wie sich unser Leben entwickelt. Sie entscheiden über die Zukunft und wir müssen für sie die Verantwortung übernehmen. Solltest du an einer der beschriebenen Ängste leiden, lohnt es sich vielleicht, an ihnen mit professioneller Unterstützung zu arbeiten.