Chronischer Schmerz: eine unsichtbare Krankheit

· 25. Februar 2018

Wenn wir Schmerzen haben, scheint es einfach zu sein, sie zu beenden oder zumindest zu lindern: Wir gehen zum Arzt, dieser verschreibt uns ein Schmerzmittel und nach dessen Einnahme lässt der Schmerz nach. Aber dies ist leider nicht immer und bei allen Patienten so. Eine der größten Herausforderungen in vielen medizinischen Disziplinen ist die Behandlung von chronischem Schmerz. Was tun, wenn nichts den Schmerz mindern kann? Und wie kontrollieren wir etwas so Unerfreuliches und Erschöpfendes wie chronischen Schmerz?

Eine Person mit chronischen Schmerzen fühlt sich, als würden tausend Nadeln in ihrem Körper stecken. Es ist offensichtlich, dass diese Situation sie nicht nur körperlich beeinträchtigt, sondern auch emotional und psychologisch belastet. Ebenso ihre Beziehungen. Der andauernde Stress, dem sie ausgesetzt ist, zusammen mit den vom chronischen Schmerz verursachten Einschränkungen, kann ihre Beziehungen, ihre Weltsicht und ihr ganzes Leben wahrhaft erschüttern.

„Es gibt Schmerzen, die umbringen: Aber es gibt noch grausamere, die, die uns am Leben lassen, ohne dass wir das Leben je wieder genießen können.“

Antoine Laurent Apollinaire Fée

Das ist nicht nur für die Person mit chronischen Schmerzen eine belastende Situation. Ihnen nahestehende Menschen werden ebenso Schwierigkeiten damit haben, sie zu verstehen. Ja, manchmal stoßen Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden, nur auf Ignoranz und einen Mangel an Verständnis. Da auch ihre Mitmenschen – sowohl die empathischen als auch die ignoranten – während ihres Lebens verschiedene Arten von Schmerz erfahren haben, glauben diese, sie hätten die Fähigkeit, mitzufühlen, nachzuempfinden. Jedoch ist es sehr schwierig, sich in die Haut der leidenden Person hineinzuversetzen, denn Schmerz ist sehr subjektiv.

Kann ein Psychologe bei chronischen Schmerzen helfen?

Schmerz ist eine Warnung unseres Körpers, dass etwas nicht stimmt. Aber was passiert, wenn wir den medizinischen Behandlungen folgen, und der Schmerz bleibt? Das Leben kann uns dann auslaugen. Tägliche Aktivitäten werden zu Leiden, und nur zu leicht, verfallen wir der Verführung, der Zukunft nur noch mit Verzweiflung entgegenzublicken.

Frau in Stacheldraht gewickelt

Dieses Gefühl, dem Schmerz ausgesetzt zu sein wie ein Blatt im Wind, verletzt das Selbstwertgefühl enorm. Es ist wahr, dass der Grad der Einschränkung, die der chronische Schmerz verursacht, von der individuellen Situation der betroffenen Personen abhängt. Jedoch werden sich alle Betroffenen oft eingeschränkt und frustriert fühlen, egal, welches Level von Eigenständigkeit und Funktionalität sie sich bisher erhalten haben.

Im Allgemeinen sprechen Experten von chronischem Schmerz, wenn dieser länger als sechs Monate lang anhält und medizinische oder chirurgische Behandlungen nicht helfen. Und obwohl Medikamente die Symptome lindern können, kann in diesen Fällen eine Psychotherapie von großem Nutzen in der Behandlung von chronischem Schmerz sein. Akzeptanz und Selbstermächtigung mithilfe der Psychologie zu etablieren, kann das Gefühl verstärken, die Kontrolle über das Leben zu haben.

„Freude und Schmerz sind nicht wie Öl und Wasser, sie koexistieren eher.“

José Saramago

Mit Schmerz umgehen

Es gibt einige Techniken, um mit chronischem Schmerz umzugehen. Eines der Erfolgsrezepte, um in Zeiten der Not zu wachsen, ist zu wissen, wie das, was uns beeinflusst, mit und in uns arbeitet. Denn das Unbehagen, was durch die Entmutigung hervorgerufen wird, verstärkt die Krankheit noch. Angst, Sorgen und Schlafstörungen steigern den Schmerz. Wenn wir aber das Problem verstehen, können wir bessere Strategien entwickeln und der durch Ungewissheit entstehende Stress nimmt ab.

Zu lernen, unsere Aufmerksamkeit zu bündeln, ist elementar, um zu begreifen, wie viel Macht wir über den Schmerz haben. Trainieren wir unsere Aufmerksamkeit, um sie auf entspannende Stimuli zu richten, die von großem Nutzen sind, anstatt auf den schwächenden Schmerz! So können wir am Schmerz arbeiten: Indem wir unsere Emotionen, Gedanken und Verhaltensweisen auf ein kleines bisschen Gesundheit richten, anstatt den Schmerz zu verstärken. Es ist dabei egal, wie klein die Schritte sind, die du gehst, solange du sie in die richtige Richtung tust.

„Der Mann, der vom Schmerz nicht erzogen wurde, wird immer ein Kind bleiben.“

Nicolás Tommaseo

Frau lässt Kopf hängen

Tu es

Haben wir einmal verstanden, dass wir das Problem aktiv angehen können, können wir beginnen, daran zu arbeiten. Hier einige großartige Handlungsempfehlungen:

  • Entspannung und Atmung: Sie sind essenziell, um muskuläre Verspannungen zu lösen. Entspannung besteht nicht nur darin, sich hinzulegen oder sich auf muskulärer Ebene zu entspannen. Auch andere Methoden helfen uns, loszulassen, beispielsweise ins Kino zu gehen, in einem Restaurant zu essen, Musik zu hören, mit einem Freund zu telefonieren oder spazieren zu gehen.
  • Emotionen: Sie sind ein weiterer wichtiger Teil des Prozesses. Sie zu kennen und zu verstehen, wie sie den Schmerz beeinflussen, und an Techniken zur Distanzierung zu arbeiten, kann sehr hilfreich sein.
  • Auf gesunde Art kommunizieren: Es ist logisch, dass es im Angesicht chronischer Schmerzen zu einer Lebensart wird, sich zu beschweren. Daran zu arbeiten, wie wir uns ausdrücken und dieselbe Nachricht auf andere Art zu kommunizieren, wird dabei helfen, unsere Beziehungen zu verbessern.
  • Alte und gesunde Gewohnheiten wieder aufnehmen: Es ist normal, dass wir Aktivitäten, die wir früher genossen haben, auch tägliche Dinge, aufgeben, wenn sie anstrengender werden. Aber alte Dynamiken wiederzugewinnen, sogar kleine Vergnügen, hilft uns, ein besseres Leben zu leben.
  • Einen Plan mit unserem Therapeuten erstellen: Es ist fundamental, zu wissen, was unsere gedanklichen Filter und kognitiven Verzerrungen sind, die uns davon abhalten, unsere gedanklichen Muster zu ändern. Unser Therapeut hilft uns dabei, sie zu erkennen, und unterstützt uns so in der Behandlung von chronischem Schmerz.

„Schmerz und Leiden sind eine Art Währung, die von Hand zu Hand weitergegeben wird, bis sie jemanden erreicht, der sie empfängt, aber nicht weitergibt.“

Simone Weil

Wie du siehst, beeinflusst chronischer Schmerz nicht nur unseren Körper, sondern auch unsere Gedanken, Emotionen und Beziehungen. Er mag unsichtbar sein, aber er bringt großes Gewicht mit sich.