Das Herzstück der Depression und Angst: Die Ungewissheits-Unverträglichkeit

30. April 2017 en Psychologie 258 Geteilt

Eine Ungewissheits-Unverträglichkeit ist ein Teil des Wesens der Depression und der Angst. Ihr Ursprung kann sehr gut erklärt werden, weil wir Wandel zum Teil nicht als positiv oder konstruktiv begreifen.

Eine Ungewissheits-Unverträglichkeit spielt eine Schlüsselrolle bei unserer Tendenz, uns über Gebühr Sorgen zu machen. Das Akzeptieren von Ungewissheit oder dem Unbekannten kann eine „Delle“ in unserem emotionalen Zustand verursachen. Das Auftauchen emotionaler Probleme wie Angstzustände und Depressionen wird sogar gefördert.

Manchmal scheinen wir auf neue Dinge, Veränderungen und die Komplikationen, die sie mit sich bringen, allergisch zu sein. Wir haben Angst, zu akzeptieren, dass es nicht mehr so weitergeht wie bisher. Dies führt dazu, dass wir uns in uns selbst zurückziehen und den Möglichkeiten, die zu einer Verbesserung führen können, keine Beachtung schenken.

“Wir glauben, dass die Ungewissheit das schlimmste Übel ist, bis uns die Realität das Gegenteil beweist.”

Jean Baptiste Alphonse Karr

Was ist eine Ungewissheits-Unverträglichkeit und worauf beruht sie?

Der Definition nach ist eine Ungewissheits-Unverträglichkeit ein persönlicher Charakterzug. Er basiert auf negativen Glaubenssätzen über Ungewissheit und dem, was sie mit sich bringt.

Jüngste Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass eine Ungewissheits-Unverträglichkeit auf die Zukunft gerichtet ist. Dennoch ist sie nicht das gleiche wie eine Intoleranz gegenüber Zwiespältigkeit. Diese betrifft den gegenwärtigen Moment, wie man gemeinhin annimmt.

Somit können wir hervorheben, dass sie durch zwei Größen bestimmt wird:

  • Eine auf die Zukunft gerichtete Intoleranz ist der Gedanke, dass unvorhergesehene Ereignisse äußerst lästig sind. Diese Art von Argumentation wird als spezifischer Faktor der Verwundbarkeit bei Problemen eingestuft, die mit Angstzuständen und Depression zu tun haben.
  • Hemmende Intoleranz: Wenn der kleinste Zweifel dich blockiert und dich innehalten lässt bei dem, was du gerade tust. Die hemmende Intoleranz tritt gewöhnlich bei Krankheitsbildern wie einer Zwangsstörung auf.

Das Konzept der Ungewissheits-Unverträglichkeit ist ein transdiagnostisches, das vermehrt in Betrachtung gezogen wird, wenn es darum geht, emotionale Probleme wie Angstzustände und Depression zu beurteilen. Wir können all diese Gedanken und Emotionen effektiver angehen, wenn wir ihren Wert verstehen. Alle diese Gedanken und Emotionen, die uns von innen heraus zerstören und ein großes Unbehagen auslösen.

“Ungewissheit ist für Menschen so unangenehm, dass – anstatt sie zu akzeptieren, um damit umzugehen – wir lieber eine Geschichte hernehmen, die uns erzählt wurde und die wir auch anderen erzählen, darüber, was denn in Zukunft passieren wird.“

Wie wichtig es ist, unsere Gedanken flexibel zu halten

In diesem Sinne sollten wir darauf hinweisen, dass die Suche nach absoluter Gewissheit nur ins Unglück führt. Nicht alles funktioniert nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Eigentlich ist nichts in unserem Leben absolut. Wir fragen uns alle manchmal Dinge wie: „Was, wenn all diese Schmerzen auf eine Krebserkrankung zurückzuführen sind?“,  oder, „Was, wenn ich keinen guten Job finde?“

Sowohl die Antworten, die wir uns auf diese Art von Fragen geben, als auch die Häufigkeit und die Kategorie von Ereignissen, die sie hervorbringen, sind entscheidende Faktoren, diese Tendenz als eine gefährliche Gewohnheit einzustufen. Menschen mit Depressionen, Angstzuständen oder Problemen dieser Sorte tendieren von der Denkrichtung her mehr zur „Katastrophe“ oder „Negativität“.

Wir reagieren stark auf Ungewissheit, weil wir die Gewissheit lieben. Wir lieben es, wenn alles durchgeplant ist. Oft führt uns das dann versehentlich dazu, die negativen Folgen von Ereignissen, über die wir wenig wissen, überzubewerten. Das gilt auch für Ereignisse, die wir  – ganz unserer Erwartung nach – nicht als „normal“ einstufen.

Unsere Versuche, unsere Sicherheit zu erhöhen, verringern die Intoleranz gegenüber Ungewissheit, wobei wir uns verstärkt Sorgen machen. Eine erhöhte Toleranz von Unsicherheit lässt im Gegenteil eine Verringerung der Sorgen zu. Das ist ein Synonym für eine größere Flexibilität.

Wir können wirklich lernen, die Ungewissheit besser auszuhalten. Denn schließlich geht es hier um eine Gewohnheit, an der man arbeiten kann. Im ersten Schritt untersuchst du deine Reaktion auf dir unbekannte Situationen. Dann kannst du dich bewusst für die Möglichkeit entscheiden, dass dieses Ereignis auf viele unterschiedliche Arten stattfinden kann. Arten, die vielleicht nicht gerade deinen Erwartungen entsprechen, aber die trotzdem positive Folgen für dich haben können.

Wenn wir die Ungewissheit nicht annehmen, werden wir rigider und unglücklicher. Wenn wir sie annehmen, können wir flexibler und deshalb auch glücklicher sein. Oft liegt der Schlüssel zum Wandel und zur Erlangung vollständiger emotionaler Gesundheit dort, wo wir ihn am wenigsten vermuten. Und dieses Untersuchungsergebnis ist dafür ein ideales Beispiel.

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