Psychologie der Mode: die Sprache deiner Kleidung

20. Dezember 2018

Es ist nicht notwendig, ein Mensch zu sein, der sich für Mode begeistert, um sich bewusst zu machen, wie wichtig die Art und Weise ist, wie wir uns kleiden, in Bezug darauf, wie andere uns sehen. Die Kleidung kommt aus jener Schublade von Elementen, die wir sofort analysieren, wenn uns zum Beispiel jemand vorgestellt wird. Das nennt sich Psychologie der Mode: Die Kleidung, die wir tragen, erlaubt es uns, das Bild zu projizieren, das wir gern zeigen möchten. 

Auch wenn es vielleicht nicht unsere Absicht ist, kann die Art und Weise, wie wir uns kleiden, anderen viel über uns verraten. Darüber mag kann das, was wir mit unserem Kleidungsstil aussagen möchten, nicht dasselbe sein, was andere Menschen bezüglich in unsere Kleidung hineininterpretieren. In diesem Artikel sprechen wir über diese und weitere Aspekte der Psychologie der Mode.

„Die spezifischen Merkmale, die eine Person attraktiv machen, hängen davon ab, was gerade in Mode ist, sei es physisch oder psychisch.“

Erich Fromm, Die Kunst des Liebens (1956)

Verschiedene wissenschaftliche Studien und psychologische Untersuchungen haben die wahren Auswirkungen der Auswahl unserer Kleidung darauf, wie wir uns gegenseitig wahrnehmen und bewerten, untersucht. Die verschiedenen Experimente haben sehr überraschende Ergebnisse erbracht.

Mode ist keine reine Frauensache

Der Glaube, dass Frauen generell modebewusster wären als Männer, ist weitverbreitet. Dennoch zeigen verschiedene Studien, dass Männer im Grunde mehr von der Mode abhängig sind, als die meisten Menschen glauben mögen. Im Gegensatz zu den gängigen Überzeugungen zeigten Solomon und Schopler (1982), dass Männer oft stärker durch Gefühle um ihre Kleidung und die Art und Weise ihrer Wertschätzung beeinflusst werden.

Ebenso, unabhängig davon, ob du ein Mann oder eine Frau bist, kann sich die Auswahl deiner Kleidung sowohl auf dein eigenes Selbstbild als auch auf den Eindruck, den du auf andere hast, sowie auf das Verhalten, dass dir andere gegenüber zeigen, auswirken. Kleidung kann alles beeinflussen, vom Ergebnis eines Fußballspiels bis hin zur Beurteilung, die ein Personaler über deine Arbeitsfähigkeit trifft.

Mann, der einen Anzug anprobiert

In diesem Sinne ergab eine Studie, dass die Verwendung der Farbe Rot bei der Sportbekleidung die Wahrscheinlichkeit, ein Spiel zu gewinnen, erhöht. In einer anderen Untersuchung fand man heraus, dass die Kleidung eines Bewerbers die Wahrnehmung des Interviewers in Bezug auf mögliche Managementfähigkeiten und die Entscheidung, Bewerber für Führungspositionen einzustellen, wesentlich beeinflusst: Die „Männlichkeit“ der getragenen Kleidung gab den Ausschlag, wie die untersuchten Fähigkeiten in Bezug auf die Managementqualitäten wahrgenommen wurden. Die Bewerber wurden als energischer und aggressiver wahrgenommen, wenn sie sich auf eine „männlichere“ Art und Weise gekleidet haben. Auch erhielten die Bewerber eine bessere Empfehlung, um eingestellt zu werden, wenn sie sich für eine typisch männliche Kleidung entscheiden haben.

Die Pschologie der Mode: Was sagt deine Kleidung über dich aus?

Die Kleidung und die Art und Weise, wie wir uns präsentieren, war innerhalb einer Gesellschaft nicht immer so abwechslungsreich und hatte auch nicht immer so einen starken Einfluss wie heutzutage. Die technischen Fortschritte, die im Laufe der Jahrhunderte gemacht wurden, haben auch die Modewelt beeinflusst.

Zu Beginn bestand das Hauptziel von Kleidung darin, uns warm und trocken zu halten und uns vor Sonne und Staub zu schützen. Es war eine Frage des Überlebens, sich passend zu kleiden. Nach und nach wurde die Kleidung aber auch zur Erleichterung alltäglicher Aufgaben eingesetzt, wie man an der Integration von Hosentaschen sieht. Während die Herstellung von Kleidung immer fortschrittlicher wurde, verlor die Garderobe ihre Bedeutung in Bezug auf das Überleben. 

Die Kleidung dient nicht länger nur dem Überleben und um uns unsere Aufgaben zu erleichtern. Es ist zwar richtig, dass sie immer noch ein wichtiges und praktisches Werkzeug ist, aber sie hat auch auf anderen Gebieten an Bedeutung gewonnen. Zum Beispiel können wir sehen, wie bestimmte Kleidungsstücke oder Marken einen bestimmten Status darstellen können.

In vielen Gesellschaften zeigt die Kleidung zudem auch Geschmack. George Taylor demonstrierte dies bereits im sogenannten Hemline Index (1926). Taylor merkte an, dass Frauen, wenn ein Land in eine Rezession gerät und somit ein eher zurückhaltendes Konsumverhalten angezeigt ist, eine Vorliebe für längere Kleider entwickeln, während in Zeiten des Wohlstands der Trend eher umgekehrt ist.

„Es ist viel einfacher, gut zu sein, wenn man modische Kleidung trägt.“

Lucy Montgomery in Anne auf Green Gables (1908)

Ein zweiter wesentlicher Einfluss darauf, wie wir uns kleiden, ist das Ergebnis von Millionen von Jahren der Entwicklung unserer Spezies. Wie es auch bei vielen Tieren zu beobachten ist, legt das Konzept der Partnerauswahl in der Evolutionspsychologie nahe, dass unser Verhalten von unseren Bemühungen bestimmt wird, einen Partner zu finden und uns zu reproduzieren.

Die Fähigkeit, uns für eine bestimmte Kleidung zu entscheiden, bietet uns auch die Möglichkeit, uns zu differenzieren und unsere Attraktivität für die Person zu erhöhen, die wir gern als unseren Partner hätten. Denke daran, dass dieses Verhalten dem eines Pfaus entspricht, der bei der Partnersuche sein prächtiges Federnkleid zeigt, wenn ihm ein Weibchen gefällt.

Doch im Gegensatz dazu können wir die Kleidung auch dazu verwenden, um uns mit einer Menschenmenge zu verschmelzen und unsere Individualität zu verbergen. Dies tun wir dann, wenn wir uns mit einer Uniform kleiden oder in einer bestimmten Umgebung einen mehr oder weniger homogenen Stil wählen.

Frau mit rotem Kleid

Die kulturellen Einflüsse in der Psychologie der Mode

Viele der Ergebnisse dieser Forschungen zur Psychologie der Mode und zur Auswahl unserer Kleidung unterliegen den kulturellen Werten der Gesellschaft, in der eine Person lebt. Die kulturellen Unterschiede sind von großer Bedeutung. In der Tat nehmen nicht alle Kulturen die gleichen Qualitäten wahr, die beispielsweise mit einer bestimmten Farbe im Zusammenhang stehen.

Ebenso ist es wichtig, zu betonen, dass die Oberflächlichkeit bei der Auswahl unserer Kleider selten der einzige ausschlaggebende Faktor ist, der das Bild, das wir anderen (und auch uns selbst) von uns zeigen möchten, beeinflusst. Also hat nicht nur die Kleidung ihre Bedeutung, sondern auch der Umstand, auf welche Art und Weise wir sie tragen und wie wir sie kombinieren.

„Die Mode hat mit zwei Dingen zu tun: mit der Evolution und mit ihrem Gegenteil.“

Karl Lagerfeld