Eine 79-jährige Studie verrät, was uns glücklich macht

18. Juli 2017 en Psychologie 437 Geteilt

Im Jahr 1938 begann die Harvard University (Massachusetts, USA) eine Untersuchung, die sogenannte „Studie über die Erwachsenenentwicklung“, deren Hauptziel es war, herauszufinden, was uns tatsächlich glücklich macht. Diese Untersuchung dauert noch immer an und ist eine der vollständigsten auf ihrem Gebiet.

Um diese Studie durchzuführen, wählte man zu Beginn 700 junge Männer als Probanden. Zum einen bestand diese Gruppe aus Menschen, die ein gutes Leben genossen, zum anderen aus armen Männern aus Boston. Die Forscher begleiteten diese Menschen ihr Leben lang, um zu bewerten, wie sie ihr Glück suchten und eventuell selbst erschufen.

„Das Glück des Lebens besteht darin, immer etwas zu tun zu haben, immer jemanden zu haben, den man liebt, und immer etwas zu haben, worauf man hofft.“

Thomas Chalmers

Heute zählt die Forschungsgruppe mehr als 100 Männer und Frauen, von denen manche Kinder der ersten Generation der Probanden sind. Der heutige Leiter der Studie ist der Psychiater Robert Waldinger, der ebenfalls ein Zen-Meister ist.

Auf Grundlage der in den vergangenen 79 Jahren Jahren erzielten Ergebnisse stellte Professor Waldinger eine kleine Liste zusammen, die den Titel Ein gutes Leben  tragen könnte. Es konnte tatsächlich herausgefunden werden, was die meisten Menschen wirklich glücklich macht. Im Folgenden möchten wir dir einige dieser Schlussfolgerungen vorstellen.

Was uns am meisten glücklich macht: die Qualität unserer Beziehungen

Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen der Studie über die Erwachsenenentwicklung ist, dass wir Menschen uns wahrhaft glücklich fühlen, wenn wir qualitativ hochwertige Beziehungen zu anderen Menschen haben. „Wir fanden heraus, dass Menschen, die zufriedener mit ihren Beziehungen sind, die enger mit anderen verbunden sind, länger körperlich und geistig gesund blieben“,  sagte Waldinger.

In Bezug auf die Frage, was eine qualitativ hochwertige Beziehung ausmache, antwortete der Akademiker damit, dass es eine Beziehung sei, in der wir dem anderen vertrauen und wir selbst sein könnten. Mit anderen Worten, sei es eine Beziehung, in der wir nicht das Gefühl hätten, verurteilt zu werden, und in der wir davon überzeugt seien, dass wir, komme was wolle, auf den anderen zählen könnten. Diese Art der Verbindung könnten wir zu unserem Partner, der Familie oder zu Freunden und Kollegen haben.

Geld und Ruhm sind vergängliches Glück

Während der Studie wurden unter den Teilnehmern und sogar unter Menschen, die nicht an der Studie teilnahmen, wiederholt Fragebögen über deren Konzept des Glücks verteilt. Darin wurden sie gefragt, was sie glücklich machen würde. 80% der Befragten gaben an, dass sie mit mehr Geld glücklicher wären, und 50 % versicherten, dass ihnen Ruhm zum Glück verhelfen könnte. Doch die durch die Analyse nach ihrer verbesserten wirtschaftlichen Lage oder ihren sozialen Erfolgen erhaltenen Ergebnisse zeigten, dass ihre persönliche Entwicklung nicht die erwarteten Resultate brachte.

Alles scheint darauf hinzudeuten, das Geld und Ruhm in unserem Verstand zwar ein Gefühl von Glück erzeugen, dass dieses allerdings nicht von Dauer ist. Man könnte zusammenfassend sagen, dass diejenigen, die so denken, nicht zugeben, dass sie im Grunde genommen auf der Suche nach Bestätigung, Respekt und Gesellschaft sind. Unbewusst sind sie der Meinung, dass Geld und Ruhm ein Garant dafür seien, mehr und bessere Beziehungen zu anderen zu haben.

Damit ist gemeint, dass sie unterbewusst glauben, dass sie von anderen mehr wertgeschätzt würden, wenn sie mehr Geld hätten oder mehr Ruhm genießen könnten, was allerdings falsch ist. Sowohl Ruhm als auch Geld bringen zwar neue Beziehungen mit sich, aber in vielen Fällen sind das oberflächliche Beziehungen und diese haben nichts mit der wahren Wertschätzung anderer zu tun. Viele suchen den Kontakt zu reichen und berühmten Personen wegen der Vorteile, die diese Bindungen mit sich bringen können, aber nicht, weil sie eine aufrichtige Bindung zu diesen Menschen erfahren möchten.

Wenn es bereits eine Antwort darauf gibt, was uns glücklich macht, wieso sind wir dann nicht glücklicher?

Die Studie der Harvard University hat die Antwort auf die Frage gefunden, wie wir glücklich sein können, und die Antwort ist recht einfach und sehr eindeutig. Doch das führt uns zu einer neuen Frage: Wieso gibt es dann so viele unglückliche Menschen? Wären diese Personen nicht schon glücklicher, wenn sie mehr Zeit und Mühe in ihre Beziehungen investierten, damit sie ein besseres Leben führen können? Genau da ist der Knackpunkt: Es ist nicht so einfach, qualitativ hochwertige Beziehungen aufzubauen, weil die Voraussetzung dafür ist, zuvor eine Reihe von Werten und Tugenden entwickelt zu haben, die nicht angeboren sind. Um wertvolle Bindungen zu schaffen, müssen wir großzügig, gütig und geduldig sein und dem anderen nahestehen.

Im Leben geht es nicht darum, „besondere Menschen“ zu finden, zu denen wir wunderbare Bindungen aufbauen können. Es geht vielmehr darum, dass wir selbst in unseren Beziehungen besonders sind. Das ist die Grundlage einer qualitativ hochwertigen Bindung.

Die letztendliche Schlussfolgerung dieser langjährigen Studie der Harvard University ist sehr simpel: Wir alle möchten geliebt werden. Das sei ein Synonym für Glück. Dennoch würden wir oftmals keine Beziehungen erschaffen, in denen wir wahrhaft geliebt werden, weil wir selbst diese grundlegende Fähigkeit, Liebe zu geben, noch nicht entwickelt hätten.

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