Manche Beziehungen sind wie ungesalzene Eier

21. Mai 2017 en Emotionen 320 Geteilt

Manche Beziehungen sind wie ungesalzene Eier: ohne Geschmack und Substanz, festgefahren in einer eintönigen Situation, die einem langfristig den Atem nimmt. Für viele Paare ist das die Realität, auch wenn sie das manchmal schon als etwas Normales betrachten, als etwas, das vorbeigeht.

Aber du kannst das ändern, wenn du nur wirklich möchtest. Du kannst den Frühling wiederentdecken, der eure Beziehung inspiriert hat und so dem Herbst entkommen, der sich dem Winter mehr und mehr anzunähern scheint. Zuneigung altert nicht, so wie wir es tun. Wenn das geschieht, ist der Grund dafür, dass du es zulässt. Vielleicht bist du es leid, die Beziehung zu pflegen und am Leben zu erhalten.

Der Impuls des Affektes muss sich frei bewegen können, wenn er nicht sterben soll.

Walter Riso

Wir begehen den Fehler, die Streicheleinheiten, Umarmungen und liebevollen Worte in einem Tresor zu verschließen, der jetzt der Vergangenheit angehört. Vorher war es dir wichtig, der Person, die du so sehr liebst, deine Gefühle zu zeigen. Wann hast du damit aufgehört und begonnen, in der Bequemlichkeit der Selbstverständlichkeit zu leben?

Fade, alternde Liebe

Wir haben schon häufig gehört, dass Liebe ein Ablaufdatum hat, abstirbt, sich mit der Zeit verändert. Wir schieben die Schuld darauf, dass die Zeit vergeht und übernehmen keine Verantwortung dafür, dass wir etwas nicht richtig machen.

Wir geben uns nicht nur selbst auf, sondern auch das, worum wir vor Jahren mit so viel Anstrengung und Leidenschaft gekämpft haben. Jetzt wo wir es haben, hören wir auf, uns zu bemühen? Erst der eine, dann der andere. Am Ende verwandeln wir uns in zwei Menschen, die es zugelassen haben, dass ihre Liebe nur noch in der Erinnerung besteht.

Das ist der Zeitpunkt, wenn die Selbstverständlichkeit das Ruder übernimmt, die in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen für so viele Missverständnisse sorgt. Aber die schlimmsten Auswirkungen hat sie auf romantische Beziehungen. Es ist besser, zu wiederholen, immer wieder das Gleiche zu sagen, auch wenn man es leid ist, die Dinge für selbstverständlich hinzunehmen.

„Warum sollte ich meinem Mann sagen, dass ich ihn liebe, wenn er es doch schon weiß?“, „Ich muss sie nicht küssen, sie weiß schon, dass ich sie liebe“, oder, „wir sind zu alt, um in der Öffentlichkeit zu kuscheln.“ – Ich bin mir sicher, dass dir einige dieser Gedanken bekannt vorkommen. Viele Paare denken das Gleiche.

Es gibt so manche Beziehung, in der nicht gefühlt oder gelitten wird, die oberflächlich ist und von Eintönigkeit regiert wird.

Aber in der Vergangenheit hat es dich nicht gestört, der Liebe deines Lebens unendliche Male zu sagen, dass du sie liebst. Du hast ihr immer einen Kuss gegeben, wenn sie morgens das Haus verließ, um zur Arbeit zu gehen. Du hast nicht darüber nachgedacht, ob es in einer bestimmten Situation angebracht war, ihre Hand zu halten oder sie plötzlich zu umarmen. Es kam einfach über dich. Du wolltest deinen Partner nahe bei dir haben. Du wolltest ihm immer und immer wieder zeigen, was du für ihn fühlst.

Wir lassen die Liebe absterben

Die Flamme erlischt nicht von selbst – wir pusten sie aus. Wir können sie weiter anfachen und uns aus der Situation befreien, in die wir uns gebracht haben. Eine Situation, in die wir uns gebracht haben, weil wir zu faul waren, unserem Partner etwas zu sagen, das wir früher nicht häufig genug sagen konnten. Aus Müdigkeit, eine Anstrengung für etwas zu unternehmen, das wir bereits erreicht haben.

Viele Menschen geben zu Beginn einer Beziehung alles. Sie sind wie ein aufgeblasener Ballon. Aber wenn sie dann schon bekommen haben, was sie wollten, geht ihnen langsam die Luft aus, bis von all dem, was sie getan haben, nichts mehr übrig ist. Wundert es dich wirklich, dass ihr nicht mehr so intim miteinander seid, warum sich alles verändert hat, wenn ihr euch so verhaltet?

Beziehungen gehen aufgrund unserer schlechten Einstellung zugrunde. Wir hören auf, an die andere Person zu denken und kümmern uns nur um uns selbst. Wir rechtfertigen unsere Unfähigkeit, weiterhin alles zu geben damit, dass es die andere Person schon wisse.

Ich weiß, dass die Liebe da ist, aber sie ist still, kaum gegenwärtig. Eine scheue, schüchterne Liebe vielleicht, die mich manchmal zweifeln lässt.

Die Beziehung erhält sich nicht von selbst, sie ist nicht selbstgenügsam. Sie will permanent genährt werden, Tag für Tag, und je mehr Zeit ihr miteinander verbringt, desto vorsichtiger müsst ihr euch um sie kümmern, da es auch mehr äußere Umstände gibt, die sie bedrohen. Du beobachtest voller Neid ältere Pärchen, die händchenhaltend durch die Straßen laufen, keine Hemmungen haben, ihre Gefühle in der Öffentlichkeit zu zeigen und du fragst dich… wie machen sie das? Indem sie auf das Gefühl aufpassen, das so aufrichtig, so heiß begehrt und erhofft ist, und sich gut darum kümmern.

Es handelt sich um ein beiderseitiges Gefühl, dem Wiederholungen und rationale Gedanken egal sind. In dem Moment, in dem du Dinge als selbstverständlich hinnimmst, zu viel nachdenkst oder glaubst, wird die Liebe geschwächt. Sie sollte immer die Freiheit haben, als Ganzes gefühlt und erfahren werden. Sie ist niemals langweilig, wir allein sorgen dafür. Sie wird niemals uninteressant. Wir sind es, die abstumpfen.

Beziehungen werden aufrechterhalten, wenn die Hände, die sich dieser Aufgabe widmen, dazu bereit sind, heute, morgen und für immer alles zu geben. Die Jahre spielen keine Rolle – was zählt, ist die Einstellung.

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