Kann es Freundschaften zwischen Männern und Frauen geben?

· 20. Februar 2017

Wir alle kennen Filme wie Harry und Sally  oder Serien wie Friends,  die die Freundschaft zwischen Mann und Frau als etwas Unmögliches darstellen. Wie einen steten Übergang zu einer romantischen Beziehung. Aber die Wirklichkeit ist weder ein Film noch eine Serie. Heutzutage interagieren Männer und Frauen unter gleichen Bedingungen und deshalb beobachtet man platonische Beziehungen zwischen beiden Geschlechtern jeden Tag.

Freundschaft ist schwieriger und seltener als Liebe und deshalb müssen wir sie so schützen, wie sie ist.

Alberto Moravia

Für viele Menschen scheint es aufgrund von psychologischen Unterschieden, die zwischen Männern und Frauen existieren, beinahe unmöglich, dass es eine dauerhafte Freundschaft zwischen beiden Geschlechtern geben kann. Wir sprechen hier von der sexuellen Anziehung, die eine Freundschaft unmöglich macht.

Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die Freundschaften mit Personen des anderen Geschlechts aufrechterhalten. Und das können solidere und länger anhaltende Freundschaften sein, wenn jede der Personen das Beste gibt und die Unterschiede zum beiderseitigen Vorteil genutzt werden.

Studien über weiblich-männliche Freundschaften

Das ewige Dilemma darüber, ob eine Freundschaft zwischen Männern und Frauen möglich ist, wurde von Wissenschaftlern der Universität Wisconsin-Eau Claire (Wisconsin, USA) analysiert.

An der Studie nahmen 88 „Paare“ von Studenten teil. Ihnen wurde eine Reihe von Fragen gestellt, sowohl einzeln, als auch in Anwesenheit der anderen Person. Bei den Fragen ging es um romantische Gefühle, die sie dem platonischen Freund/der Freundin gegenüber haben oder haben könnten.

Die Antworten wurden in drei Kategorien eingeteilt: keine Anziehung, moderate Anziehung und extreme Anziehung, wobei auch zwischen Anziehung, Bewunderung und Verlangen unterschieden wurde.

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Freundschaft ist eine einzige Seele, die in zwei Körpern lebt, ein Herz, das in zwei Seelen lebt.

Aristoteles

Um einen besseren Überblick zu bekommen, wurde auch die Geschichte der Freundschaft erfragt, die Umstände, unter denen sich die beiden Freunde getroffen haben (Schule, gemeinsame Freunde, Arbeit, etc.), wie lange die Freundschaft besteht, welche Situationen gemeinsam erlebt wurden.

Die Ergebnisse der Studie über die Freundschaft zwischen Männern und Frauen

Das wohl überraschendste Ergebnis ist, dass die Wahrnehmung der Freundschaft sehr unterschiedlich ist – in Abhängigkeit vom Geschlecht. Mit anderen Worten, Männer und Frauen beurteilen die Beziehungen, die sie zueinander haben, sehr verschieden:

  • Laut der Studie spüren Männer eine sehr viel größere Anziehung ihren Freundinnen gegenüber und neigen eher dazu, zu denken, dass ihre Freundinnen auch sie anziehend finden.
  • Frauen sehen das genau umgekehrt. Frauen fühlen geringe oder gar keine Anziehung ihren männlichen Freunden gegenüber und gehen davon aus, dass das auf Gegenseitigkeit beruht.

Der Ursprung unserer Ansicht über Freundschaften

Die allgemeine Idee ist, dass du gewinnst, wenn du einen Freund oder eine Freundin hast. Lasst uns aber mal über die Tatsache nachdenken, dass die Dating-Kultur so weit verbreitet ist, dass sich Teenager dazu verpflichtet fühlen, in einem bestimmten Alter einen Partner zu haben und zwar dann, wenn sie ihre eigenen Sexualität entdecken. Sie werden in großem Maße von ihrem Freundeskreis und ihren Klassenkameraden beeinflusst, weil es ein Zeichen von Beliebtheit ist, einen Partner zu haben. Keinen zu haben kann hingegen zu einem sozialen Stigma und dem emotionalen Ausschluss aus der Gruppe führen.paar3

Emma Renold, Soziologin an der Universität von Cardiff (Vereinigtes Königreich) und Autor von Girls, Boys, and Junior Sexualities,  führte eine Studie durch, um die Motivation hinter den täglichen Handlungen von Kindern und Jugendlichen zu finden. Tatsächlich verstärken Verhaltensweisen in Bezug auf Freundschaften und Partnerschaften, das Bild, das wir anderen von uns zeigen, und gibt uns damit eine gewisse Macht. Diese basiert auf dem großen Einfluss von sozialen Netzwerken, Massenmedien und Werbung.

Liebe ist Freundschaft mit erotischen Momenten.

Antonio Gala

Es ist nichtsdestotrotz wichtig, Freundschaften mit Personen des anderen Geschlechts zu haben – genauso wie auch mit Personen des gleichen Geschlechts, und zwar auf eine gesunde und ehrliche Art und Weise. Alles an beiden Geschlechtern zu schätzen, was sie in unser Leben bringen.