Wenn du deine Sexualität genießt, bist du nicht billig

28. Dezember 2015 en Emotionen 23 Geteilt

„Dein Körper ist ein Tempel der Natürlichkeit und des göttlichen Geistes. Halte ihn gesund, respektiere ihn, studiere ihn, gestehe ihm seine Rechte zu.“

Henry F. Amiel

Nach wie vor leben wir im Machismus und in Vorurteilen, ohne ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Dies veranlasst uns dazu, die Menschen in unserem Umfeld in Schubladen zu stecken, ohne ihnen zuzuhören und ihre Ansichten zu respektieren. Ein Bereich, in dem dies der Fall ist, ist die Sexualität, vor allem die der Frau. Und das ist meine Geschichte, meine persönliche Geschichte mit ihr.

Ich habe nie besonders über meine Sexualität nachgedacht, weder, was das erste Mal anging noch über seine Wichtigkeit im Allgemeinen. Es fing ohne schlechte Erfahrungen und mit angenehmen Erlebnissen an. Neue Gefühle entdecken, lernen, was man alles mit einem anderen Menschen teilen kann, und einfach den Moment genießen. Entspannt und sicher.

Nie habe ich mir großartig Gedanken darüber gemacht, ob es der richtige Moment war oder nicht. Ich möchte glauben, dass darin die Magie und die positive Erfahrung meines ersten Males lagen. Es passierte einfach so. Ich betrachtete es als etwas Einfaches, aber mir fiel auf, dass es mein Umfeld nicht so sah, das mir mit Vorurteilen und Tabus begegnete.

Meine ersten Kontakte mit der Sexualität waren frei, einfach so. Ich fühlte mich danach nicht „entjungfert“ oder minderwertig. Hatte der Sex, die Vereinigung zweier Personen, etwas Negatives?

Ich wurde älter und dieser Lebensabschnitt hatte nach wie vor keine besondere Bedeutung für mich. Vielleicht weil ich bis dahin noch nie in einer festen Beziehung gewesen war. So konnte ich meine Sexualität ohne großes Kopfzerbrechen und emotionale Belastung genießen. Ich mochte, wie ich alles, was mit Sex zu tun hatte, empfand und fühlte mich dabei wohl. Frei.

Mit der Zeit hatte ich verschiedene Partner. Es war einfach und unkompliziert. Wenn du mich fragen würdest, ob ich ihnen gegenüber sorgsam war, würde ich dir dies bestätigen. Außerdem waren sie alle voller Liebe und Zuneigung und hatten nichts Negatives an sich. Mein soziales Umfeld, die Menschen die mich lieben, betrachteten mich als liberal, oder besser gesagt, als zügellos.

Sie dachten, dass der Sex für mich ein mechanischer Akt ohne jegliche Gefühle war. Sie forderten mich auf, verantwortlicher damit umzugehen und ich lud all ihre Vorurteile bezüglich sexueller Beziehungen auf mich.

Aber was dachte ich selbst über meine Sexualität?

Was diese Zeit angeht, ganz ehrlich: Ich tat das, was mir mein Herz sagte. Solange es mir gut ging und ich frei war, genoss ich. Ohne mir dabei zu viele Gedanken zu machen, aber immer im Bewusstsein meiner Verantwortung für meinen Körper und mich selbst.

Ich genoss den Moment, mich selbst und ihn. Ich dachte an nichts anderes.
Das Leben hatte mir etwas Wertvolles geschenkt: die Vereinigung mit der Person, mit der ich in diesem Moment zusammen sein und die Liebe teilen wollte. Egal auf welche Art.

Eine intime Liebe, in der du dem Menschen, der sich in diesem Moment daran beteiligte, vertraust. Ich fragte mich: Wieso solltest du das Vertrauen von jemandem missbrauchen, der dich absolut hilflos erlebt hat? Nackt? Daraufhin wurde mir klar, dass nicht alle Menschen dies so empfinden.

Schlafendes Paar

Viele Jahre später, nachdem ich mich selbst so akzeptiert hatte und mich von meinem Umfeld entfernt hatte, verstand ich, dass jemand, der eine liberalere Einstellung zur Sexualität hat, als „einfach zu haben“ oder „billig“ empfunden wird. Meine Freunde und Vertrauenspersonen erklärten mir, dass es mich begehrenswerter machte, dies zu wissen.

Ich genoss diese neue Situation und Erfahrung, in die ich mich, ohne es zu wollen, hineingebracht hatte, aber nach kurzer Zeit fühlte ich mich wegen der Vorturteile derer, die mich nicht verstanden, wieder unwohl. Wegen der Vorurteile all derer, die nicht frei sein wollten und denen es an menschlicher Empathie mangelte.

Wie verhielt ich mich diesbezüglich?

Ich versuchte, die Leute zu verstehen, die die sexuelle Vereinigung nicht so genießen wollten wie ich. All meine Erfahrungen waren geprägt von Respekt und es kam nie zu komischen oder komplizierten Situation, geschweige denn Missbrauch. Niemals. Es waren einzig Übereinkünfte, gemeinsam den Moment, die Vereinigung und die Lust zu genießen.

Ich war und bin ein sehr gebildeter Mensch mit viel Lebenserfahrung. Ein guter Mensch, mit einem Herz voll mit bedingungloser Liebe und Lust am Leben. Respektvoll und menschlich.

Das Problem? Alle meine „Liebschaften“ belastete es, dass sie jemandem gefielen, der „einfach zu haben“ war.

Ich kam zu dem Schluss, dass die Leute zu viel denken und reden und am schlimmsten ist, dass sie dies tun, ohne die Wahrheit zu kennen. Ich ließ zu, dass mich andere veränderten, genervt von den Kommentaren und Vorurteilen, bis ich den Mann meines Lebens traf. Ich erzählte und gestand ihm alles. Und ohne so zu sein wie ich, verstand er mich, einzig indem er menschlich war.

Daraufhin erklärte er mir, dass er nicht findet, dass mich mein Verhalten zu jemanden macht, der „billig“ war. Im Gegenteil. Er sah jemanden in mir, der sein Sexualleben unter Kontrolle hatte und lernte mich so kennen wie ich bin. Er wusste, wo meine Grenzen waren, und ich fühlte mich frei und ausgeglichen.

Also erlaubte ich mir selbst, meine Sexualität weiterhin zu genießen und meinen Körper mit jemandem zu entdecken, der mich liebte. Ich tat, was mein Herz von mir verlangte, hörte auf, den Vorurteilen Beachtung zu schenken und lernte, mich selbst zu lieben. Ich verstand, dass niemand das Recht hat mich in eine Schublade zu stecken und meine Person in Frage zu stellen.

Jeder ist selbst dafür verantwortlich, wofür und wie er lebt. Jeder ist der Besitzer seiner eigenen Gefühle und seines eigenen Körpers. Verschwende nicht deine Zeit, indem du nach der Pfeife derjenigen tanzt, die voller Zweifel und Ängste sind. Solche Leute werden immer Dinge sagen wie „Ich hab’s dir gesagt…“  oder „Du darfst nicht…“.  Was wollen diese Leute damit sagen? Dass wir uns selbst nicht verdient haben? Sei du selbst.

„Eine Frau genießt mit der Gewissheit, dass sie einen Körper verwöhnt, dessen Geheimnisse sie kennt und dessen Vorlieben von ihr selbst bestimmt werden.“

Colette

Auch interessant