Weißt du eigentlich, was Sexualität ist?

17. November 2015 en Psychologie 2 Geteilt

„Sexualität ist so vielfältig und komplex, und das aus dem einfachen Grund, weil sie die Fähigkeit eines so vielfältigen und komplexen Wesens ist, wie es das menschliche Wesen ist.“

Julian Fernández de Quero

Wenn wir den Begriff „Sexualität“ hören, dann denken wir als erstes an Sex. Aber hast du dich mal gefragt, was alles hinter der menschlichen Sexualität steckt?

Sexualität kann hauptsächlich aus drei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und analysiert werden: vom biologischen, psychologischen und sozialen Standpunkt aus.

Diese drei Standpunkte können nicht getrennt voneinander gesehen werden, da sonst die Bedeutung von Sexualität verloren gehen würde. Diese biopsychosoziale Verbindung ist der Schlüssel zur Sexualität, die die Entwicklung der Persönlichkeit jedes Einzelnen fördert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die menschliche Sexualität so:

„Sexuelle Gesundheit ist die Integration der somatischen, emotionalen, intellektuellen und sozialen Aspekte sexuellen Seins auf eine Weise, die positiv bereichert und Persönlichkeit, Kommunikation und Liebe stärkt.“

Wenn wir all diese Faktoren in Betracht ziehen, die die menschliche Sexualität ausmachen, dann können wir lernen, nachzuvollziehen, welche Auswirkungen ein Aspekt auf den anderen hat:

Sexualität vom biologischen Standpunkt aus betrachtet

Wenn wir an Sexualität denken, dann sehen wir höchstwahrscheinlich zuerst die biologische Seite an diesem Konzept. Um noch genauer zu werden: Wir denken zuerst an den Genitalbereich, die Sexualorgane.

Doch das ist eine sehr beschränkte Sichtweise, die nicht den gesamten Körper als Einheit der Sexualität ansieht. Wenn wir im Rahmen der Sexualität den Körper als Einheit betrachten, können wir verstehen, dass wir sexuelle Wesen sind – und das vom ersten bis zum letzten Tag unseres Lebens. Sowohl Kinder und Jugendliche, als auch Erwachsene und ältere Menschen haben eine Sexualität.

Wenn man sich nur auf den biologischen Teil konzentriert, dann liegt das Hauptaugenmerk hierbei auf Sex, auf dem Genitalbereich und auf dem Ziel der Fortpflanzung. Der biologische Aspekt der Sexualität ist breit gefächert und erhält eine weitaus größere Bedeutung, wenn wir ihn mit den anderen Faktoren verbinden:

„Es ist unser Körper, der dazulernt, und nur durch ein ganzheitliches Bild unseres Körpers, werden wir diese Aufgabe bewältigen können. Den Körper in Bereiche zu teilen, nur gewisse Funktionen aufzuführen, bedeutet, die Freude am Kennenlernen und der Kommunikation mit anderen zu verweigern.“

Sexualität vom sozialen Standpunkt aus betrachtet

Diese Betrachtungsweise hat mit unserer erotischen Ausstrahlung zu tun, die uns zum Teil gegeben ist, die wir uns über verschiedene Gewohnheiten und Rituale aber auch angeeignet haben. Denn in jeder Kultur ist die Meinung über Sexualität unterschiedlich. Die jeweiligen, kultureigenen Vorstellungen wurden durch die Geschichte beeinflusst und haben Auswirkungen darauf, wie wir uns verhalten.

Unsere politischen, religiösen und kulturellen Einflüsse prägen und zeigen uns, was angemessen ist und was nicht. Das hat dazu geführt, dass durch das, was als „normal“ angesehen wird, auf sexueller Ebene viele Grenzen gesetzt wurden.

Als soziale Wesen, die wir sind, sind die vielen Ängste, die wir haben, ein Teil unseres Seins, der versucht, uns nicht zurückgewiesen, ausgegrenzt und seltsam zu fühlen. Dafür befolgen und vermitteln wir mit Hilfe der Körpersprache, die wir uns angewöhnt haben, und die für bestimmte Werte und Verhaltensregeln steht.

Wie eine bestimmte Volksgruppe Sexualität auslebt, wird durch die Sozialisierung geprägt. Doch wenn wir uns über diese angelernten Werte und Verhaltensregeln, die wir nie in Frage gestellt haben, Gedanken machen, dann können wir diese von Grund auf anpassen und verändern. Und so können wir uns persönlich weiterentwickeln.

Das bedeutet, dass wir Grenzen überschreiten und Fehlentscheidungen überdenken müssen, die uns auf unserem Weg zu einem guten Sozialverhalten vorgelebt wurden, um Sexualität als etwas positives zu erleben, das sich für jeden von uns anders anfühlt. Daher wäre der Begriff „Sexualitäten“ angebrachter.

Die sexuelle Erziehung sagt in diesem Sinn sehr viel aus, weil Wissen den Geist für die bewusste Wahrnehmung öffnet, damit jedes Individuum frei entscheiden und wählen kann, wie es leben und seine eigene Sexualität ausleben möchte.

Wunsch-Sexualität

Sexualität vom psychologischen Standpunkt aus betrachtet

Nachdem wir uns nun den körperlichen Aspekt und die Verbindung der verschiedenen Bereiche unseres Körpers (biologischer Faktor) angesehen haben, uns mit dem Prozess der Sozialisierung und Verhaltensmustern befasst haben (sozialer Faktor), folgt nun der psychologische Einfluss. Der psychologische Faktor der Sexualität zeichnet sich durch Gedanken, Phantasien, Verhaltensweisen und Vorlieben aus.

Der psychologische Aspekt konzentriert sich auf das Innere der Sexualität, also auf die Gefühle, die wir verspüren, wie wir uns fühlen und was wir für andere empfinden. Dabei wird auf Folgendes ein besonderer Augenmerk gelegt: Emotionen, Gefühle, Freude am Sex und Gedanken – das Geschenk der Erfahrung und der erlernten Kenntnisse.

In der Entwicklung unserer Persönlichkeit haben wir seit dem Moment unserer Geburt eine individuelle Vorstellung davon, wie wir Sexualität erleben und ausleben. Diese Bedeutung, die Sexualität für uns hat, ist von Mensch zu Mensch und in jeder Phase unseres Lebens unterschiedlich. Daher haben wir zuvor das Konzept der Sexualitäten näher erläutert.

Jeder fühlt anders, und die Gefühle, die in uns erwachen, sind verschieden, obwohl die Situation doch die gleiche ist. Deshalb hat jeder Mensch ein anderes Empfinden dafür, was sich gut anfühlt. Denn was dem einen Freude bereitet, kann dem anderen missfallen.

Diesen Aspekt zu beurteilen, bedeutet sich selbst darüber klar zu werden, was man fühlt und was man will. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, um sich anderen mitzuteilen, oder eben auch nicht.

Schlussfolgerungen

Aus der Veranschaulichung der drei Hauptbereiche des Konzeptes der Sexualität lässt sich schließen:

– Sexualität ist in jeder Phase unseres Lebens präsent, weil wir ab dem ersten bis zum letzten Atemzug sexuelle Lebewesen sind. Und das ist nichts Statisches, sondern viel mehr etwas Dynamisches, das sich mit unserem Leben wandelt.

– Die Information und Kenntnisse über Sexualität, die wir durch äußere Umstände erhalten, beeinflusst unsere Wahrnehmung von uns selbst und den Umgang mit anderen.

– Es gibt nicht nur eine einzige Sexualität für alle Menschen, die uns sagt, wie man sexuelle Freude ausleben und erfahren kann, sondern es gibt so viele Sexualitäten wie es Individuen gibt; jeder Einzelne mit seinen Besonderheiten und Vorlieben, die durch die eigene Persönlichkeit, Wissen und eigene Erfahrungen bestimmt sind. Wenn das Bewusstsein dafür geschärft ist, können wir uns von der sogenannten Normalität trennen und so kann jeder seinen eigenen Weg gehen, ohne Ängste, ohne Schuldgefühle und seine Sexualität erforschen und sich an ihr erfreuen.

„Sexualität ist nicht das, was wir glauben, was sie ist. Sie ist nicht das, was uns erzählt wurde, was sie ist. Es gibt nicht nur eine, sondern viele Sexualitäten.“

Albert Rams

Aus den Bibliographien:

-Coronado, A. (2014). Concepto de sexualidad – Konzepte der Sexualität. Instituto de Sexología Al Ándalus, Granada, Spanien (nicht auf Deutsch verfügbar)

-Quero, J.F. (1996). Guía práctica de la sexualidad masculina: claves para conocerte mejor – Handbuch über die männliche Sexualität. Verlag: Temas de hoy (nicht auf Deutsch verfügbar)

Auch interessant