Können Geisteskrankheiten vererbt werden?

· 4. September 2018

Können psychische Erkrankungen vererbt werden? Viele Menschen haben sich diese Frage wahrscheinlich schon einmal gestellt. Besonders dann, wenn in ihrer Familie psychische Krankheiten und Störungen aufgetreten waren. Darüber hinaus zeigt die Forschung, dass einige geistige Erkrankungen eine genetische Komponente haben.

Auf der anderen Seite konnte die Wissenschaft noch nicht auf alle Fragen Antworten liefern. Offen bleibt zum Beispiel, wie stark unsere Gene die genannten Krankheiten und ihren Ausbruch beeinflussen. Auf diesem Gebiet schreitet man zwar langsam, aber dennoch beständig voran. Nach und nach lernen wir mehr über die genetischen Faktoren, die das Auftreten von Geisteskrankheiten begünstigen, obwohl es noch immer viel zu lernen gibt.

Wir verstehen heute zum Beispiel, dass Geisteskrankheiten und unsere Gesundheit im Allgemeinen sowohl von der Genetik als auch von unserer Umwelt abhängig sind. Außerdem wissen wir, dass Menschen in vielen Fällen nicht die Krankheit selbst erben, sondern nur die Veranlagung, diese zu entwickeln. Und diese Veranlagung mag unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Welche Faktoren bestimmen deine Gesundheit?

Eine Krankheit zu entwickeln oder eben nicht hängt von vielen Faktoren ab. Dies gilt auch für Erbkrankheiten. Du magst sie in dir tragen, aber trotzdem nicht oder nur in geringem Maße entwickeln, wenn weitere genetische oder Umweltfaktoren dies bewirken.

Aus diesem Grund arbeiten Wissenschaftler mit Wahrscheinlichkeiten. Es ist unmöglich, mit absoluter Sicherheit vorherzusagen, ob das Kind einer psychisch kranken Person die gleiche Krankheit entwickeln wird oder nicht. Es ist vielmehr so, dass eine bestimmte – meist höhere – Wahrscheinlichkeit besteht, dass das geschieht. Und wenn Vater und Mutter an der gleichen Krankheit leiden, ist die Wahrscheinlichkeit sogar noch höher.

Lass uns die Wahrscheinlichkeiten des Auftretens von Geisteskrankheiten in der Folgegeneration erörtern.

Eine Frau mit zweiter Persönlichkeit

Die Wahrscheinlichkeit, an Schizophrenie zu erkranken

Schizophrenie ist eine ernste Geisteskrankheit, die viele Gehirnfunktionen betrifft, darunter Gedanken, Emotionen und Verhalten. Es ist eine psychotische Störung, was bedeutet, dass diejenigen, die daran leiden, den Kontakt zur Realität verlieren.

Verschiedenen Studien zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Nachkommen eines schizophrenen Vaters und einer schizophrenen Mutter die Krankheit entwickeln, bei 40 % . Weitere 15 % zeigen psychische Anomalien haben, erfüllen jedoch nicht die Kriterien für die Krankheit selbst. Aufgrund der genetischen Identität ist das Risiko, das ein eineiiger Zwilling schizophren wird, sehr hoch, wenn der Zwilling bereits an der Krankheit leidet.

Das Risiko, eine bipolare Störung zu erben

Die bipolare Störung ist schränkt die Lebensqualität Betroffener wesentlich ein und ist eine der am meisten gefürchteten Geisteskrankheiten. Menschen mit einer bipolaren Störung zeigen ungewöhnliche Stimmungsschwankungen. Die Erkrankung ist auch bekannt als manische Depression: Die Patienten durchlaufen manische Phasen und fühlen sich während dieser Episoden glücklich und lebendig. Sie sind dann energischer und aktiver als andere Menschen. Zu anderen Zeiten leiden die Betroffenen, fühlen sich traurig und deprimiert. Sie erleben depressive Episoden, haben dann wenig Energie und sind viel weniger aktiv als normal.

Das Risiko für eine bipolare Störung steigt, wenn die Eltern bereits an dieser Erkrankung leiden. Bei eineiigen Zwillingen hat einer der Zwillinge eine Wahrscheinlichkeit von 95 %, diese Störung zu entwickeln, wenn sie beim Zwilling schon diagnostiziert wurde.

Die Gefahr, eine geistige Behinderung zu erben

Die meisten schweren geistigen Behinderungen werden durch äußere Faktoren verursacht. Es kann sich dabei zum Beispiel um einen Unfall handeln oder eine Krankheit, die der Patient im Mutterleib oder in seiner frühen Kindheit erlitten hat. Daher sind die meisten geistigen Behinderungen nicht erblich.

Auf der anderen Seite sind viele der leichten und mittelschweren geistigen Behinderungen durchaus an genetische Faktoren geknüpft. Wenn sowohl der Vater als auch die Mutter geistig behindert sind, leiden mehr als die Hälfte ihrer Kinder ebenfalls an minderer Intelligenz. Allerdings ist nur ein geringer Anteil der Kinder betroffen, wenn nur die Mutter oder nur der Vater eine geistige Behinderung hat.

Ein negativer Faktor ist, dass Menschen mit geistiger Behinderung oft miteinander eine Beziehung eingehen, was die Chancen auf eine Vererbung der Kondition erhöht.

 

Was ist mit anderen psychischen Störungen, wie z. B. Neurosen?

Neurosepatienten reagieren aufgrund früherer Erfahrungen und äußerer Umständen so ungewöhnlich. Daher sind Neurosen nicht erblich. Sollten mehrere Fälle von Neurosen in ein und derselben Familie auftreten, so können diese besser durch eine „falsche Vererbung“ erklärt werden. In diesen Fällen liegt die erhöhte Inzidenz nicht in den Genen begründet, sondern in einer anhaltend schädlichen Umgebung. Dies wird manchmal als „emotionaler Krankheitserreger“ bezeichnet, der dazu neigt, psychische Krankheiten auszulösen.

Eine Frau weint auf der Couch.

Allerdings wurden auch Belege für eine erbliche Veranlagung zur Neurose erbracht. Deshalb erkranken auch nicht alle Familienmitglieder, die dem sogenannten „emotionalen Krankheitserreger“ ausgesetzt sind. Mit anderen Worten, es scheint eine genetische Veranlagung zu geben, neurotisch auf bestimmte Ereignisse zu reagieren.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die genetische Komponente, die zur Entstehung von Geisteskrankheiten beiträgt, ganz unterschiedlich groß sein kann. Somit lassen sich einige definitiv als Erbkrankheiten einordnen, während andere eher als multifaktorielle Erkrankungen zu bezeichnen sind.