Bipolare Störung: Wie zeigt sie sich wirklich?

2. Dezember 2017 en Psychologie 262 Geteilt
Bipolare Störung

Von der Gesellschaft wird die bipolare Störung häufig als ein Zustand definiert, in dem Menschen häufige und unkontrollierbare Stimmungsschwankungen zeigen: Sie sind traurig, dann glücklich, werden zornig, und dann wieder ruhig. Aber das entspricht nicht ganz der Wahrheit – eine bipolare Störung bedeutet für Betroffene viel mehr.

Es gibt zwei Arten der bipolaren Störung, die Typen I und II. Der Typ I ist durch manische Episoden mit euphorischer Stimmung charakterisiert, während der Typ II von sich abwechselnden hypomanischen und depressiven Episoden gekennzeichnet ist. Im Folgenden werden wir uns genauer anschauen, welche Symptome bei der bipolaren Störung auftreten und wie sie sich auf den Patienten auswirken.

Was ist eine manische Episode?

Entsprechend dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders  (DSM), der Enzyklopädie der psychischen Erkrankungen, sind manische Episoden durch eine vorübergehende, abnorm erhöhte gereizte Stimmung gekennzeichnet oder durch einen pathologisch verstärkten Aktivitätsdrang bei gehobener Stimmung. Letztere tritt häufiger auf. Die Stimmung der Person während der manischen Episode wird deshalb in der Regel als euphorisch beschrieben. Der Patient scheint übertrieben glücklich, mit Hochgefühlen, fühlt sich „über die Welt erhaben“. Parallel treten mindestens drei weitere Symptome auf, z.B. Schlafmangel, Verringerung des Selbstwertgefühls oder Allmachtsgefühle, exzessive Ausübung riskanter Aktivitäten. Auch über psychotische Symptome wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen wurde berichtet.

Über einen Zeitraums von mindestens einer Woche verbringt die Person die meiste Zeit des Tages in diesem Zustand. Überdrehtheit, übertriebener Optimismus, Allmachtsgefühle und ein Mangel an Urteilsvermögen führen dabei zu einem riskanten Verhalten wie zum Beispiel zu finanzieller Freigiebigkeit, unüberlegten Investitionen, dem Verschenken von Gütern, unvorsichtigem Fahrverhalten und sexuelle Freizügigkeit. Betroffene neigen dazu, ihren Kleidungsstil, ihr Make-up oder ihr persönliches Erscheinungsbild so zu verändern, dass sie mehr Aufmerksamkeit erregen oder sexuelle Signale senden. Die genannten Verhaltensweisen enden normalerweise in wirtschaftlichen und sozialen Verlusten für den Patienten.

Der Zustand kann so ernst sein, dass er eine bedeutende Einschränkung der sozialen und beruflichen Funktionsfähigkeit auslöst und einen Krankenhausaufenthalt erforderlich macht.

Bipolare Störung - Frau entscheidet sich zwischen zwei Masken

Was ist eine hypomanische Episode?

Dem DSM zufolge ist die hypomanische Episode weniger schwerwiegend als die manische Episode. Zwar kommt es auch hier zu einer Steigerung von Handlungsdrang und Stimmung, aber sie ist in der Regel nicht so stark ausgeprägt, als dass sie den Betroffenen an der Bewältigung des Alltags hindern würde. Risikobereitschaft und Kontaktfreudigkeit sind geringer als bei einem Patienten, der an einer Manie leidet. Psychotische Symptome treten nicht auf. Eine hypomanische Episode dauert meist mehrere Tage.

Was ist ein depressive Episode?

Der Terminus Depression wird häufig gebraucht. Die Menschen nutzen ihn auch in der Umgangssprache, um Gefühle der Traurigkeit, Melancholie, Erschöpfung, und Lethargie zu beschreiben. Wann aber diagnostiziert der Psychologe eine depressive Episode?

Wichtigstes klinisches Merkmal für eine depressive Episode ist der Verlust des Interesses am Alltag und die Unmöglichkeit, Freude zu empfinden. Dem DSM zufolge müssen diesbezüglich mindestens fünf der folgenden Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen gehäuft auftreten.

  • Depressive Stimmung. Die meisten Patienten, die an einer Depression leiden, erscheinen ihrer Umwelt traurig oder niedergeschlagen. Es ist wichtig, in Erfahrung zu bringen, welche die angenehmsten und unangenehmsten Momente des Tages waren und ob es irgendetwas gibt, dass helfen könnte, damit Betroffene sich besser fühlen.
  • Anhedonie. Darunter versteht man den Verlust der Freude an täglichen Aktivitäten. Es gibt scheinbar nichts, was die Person motiviert – sei es Ausgehen, Familienmitglieder zu treffen oder einen Film zu schauen.
  • Appetits- und Gewichtsschwankungen. Das Kriterium, das hier genutzt wird, ist eine mindestens 5%ige Zu- oder Abnahme des Gewichts über einen Zeitraum von einem Monat. Manchmal ist es schwierig, das im Nachhinein festzustellen.

Frau mit Schlafstörungen

  • Schlafstörungen. Schlaflosigkeit wurde schon immer als ein Symptom der Depression angesehen. Es gibt drei verschiedene Arten der Schlaflosigkeit, auf die untersucht werden muss: die vorübergehende, die akute und die chronische. Ein wichtiges Kriterium für die vorübergehende Schlaflosigkeit ist, dass diese weniger als eine Woche anhält. Eine akute Schlaflosigkeit liegt vor, wenn der Patient über einen Zeitraum von weniger als einem Monat schlecht schlafen kann. Chronische Schlaflosigkeit belastet Betroffene über längere Zeiträume.  Dazu kommt, dass festgestellt werden muss, wie müde der Patient im Verlaufe des Tages ist, ob sein Schlaf regenerierend ist oder nicht, wie lange er im Bett bleibt usw.
  • Störungen in der Psychomotorik. Sowohl motorische Verzögerungen als auch Erregungszustände, die ihren Ursprung in der Psyche haben, werden beobachtet.
  • Verlust an Energie. Die Patienten berichten manchmal, dass sie einen Mangel an Energie verspürten, aber meist resultiert dieser aus einem Mangel an Interesse.
  • Übertriebene Selbstkritik, Schuld oder Mangel an Selbstwert. Der Patient soll sich zunächst selbst zu beschreiben, bevor dies seine Freunde und Familienmitglieder tun. Bei Menschen, die an einer bipolaren Störung leiden, unterscheidet sich das Selbstbild sehr vom Fremdbild.
  • Schwierigkeiten bei der Konzentration und beim Treffen von Entscheidungen. Der Arzt wird den Patienten fragen, ob er sich auf seine Arbeit konzentrieren kann, ob er Gesprächen und Filmen folgen kann, etc.
  • Wiederkehrende Gedanken an Selbstmord und Tod. Zwischen 60 und 80% der Selbstmorde werden von Menschen begangen, die an einer Depression leiden. Eine Depression erhöht das Selbstmordrisiko erheblich.

Wenn jemand fünf oder mehr dieser Symptome zeigt, dann bedeutet das nicht automatisch, dass er eine depressive Episode durchlebt. Für diese Diagnose ist zudem eine bedeutende psychosoziale Verschlechterung Voraussetzung und der Ausschluss von Differenzialdiagnosen wie einer substanzinduzierten Erkrankung oder einer Demenz. Auch Trauer muss als Ursache ausgeschlossen werden.

Frau nimmt sich lächelnde Maske ab

Kennzeichen der bipolaren Störung vom Typ I

Wie wir oben beschrieben haben, ist eine bipolare Störung des Typs I gekennzeichnet durch manische Episoden. Hypomanische oder depressive Episoden, die charakteristisch für den Typ II sind, können zuweilen ebenfalls auftreten. Während manischer Episoden kommt es häufig vor, dass die Menschen nicht akzeptieren, dass sie krank sind, oder nicht verstehen, dass sie eine Behandlung brauchen. Aus diesem Grund wehren sie sich heftig dagegen.

Manche Patienten werden aggressiv und äußern Drohungen. Wenn sie Wahnvorstellungen haben, kann es vorkommen, dass sie andere Menschen angreifen oder Selbstmord begehen. Als eine Folge ihres eingeschränkten Urteilsvermögens, ihrem Mangel an Bewusstsein und der Hyperaktivität, können manische Episoden katastrophale Auswirkungen haben. Es wird geschätzt, dass das Risiko des Suizids bei Patienten mit einer bipolaren Störung des Typ I 15-mal höher ist als in der Allgemeinbevölkerung.

Gewitter über dem Kopf einer Frau

Kennzeichen der bipolaren Störung vom Typ II

Die bipolare Störung vom Typ II ist durch hypomanische und depressive Episoden gekennzeichnet. Manische Episoden treten nur beim Typ I auf. Menschen, die unter einer bipolaren Störung vom Typ II leiden, gehen eher zu einem Arzt und sind eher bereit, sich in Therapie zu begeben. Falls es zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags kommt, resultiert diese aus depressiven Episoden. Aber auch diese Patienten neigen zur Impulsivität, die dazu beitragen kann, dass Selbstmordversuche unternommen oder Drogen konsumiert werden.

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