Depression – eine chemische und emotionale Strömung in unserem Gehirn

16. Juni 2017 en Psychologie 1086 Geteilt

Bei einer Depression treibst du unablässig dahin, während sich die Tage träge dahinschleppen. Wo du keine Tränen mehr vergießen kannst, obwohl du so gern in Tränen ausbrechen würdest. Wo du lieber sterben willst, weil für dein trostloses Gehirn nicht ein einziges Lächeln mehr da ist…

Dieses Gefühl ist vielen Leuten sehr vertraut. Es gehört zu einer unglaublich vielschichtigen und unverwechselbaren Gemütserkrankung. Die Depression ist ein Problem der öffentlichen Gesundheit mit gravierenden Auswirkungen geworden. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO wird ihre Prävalenz in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen.

Du lächelst, aber du bist nicht glücklich. Du weinst, aber es kommen keine Tränen. Du atmest, aber du fühlst dich nicht lebendig. Du kannst es vielleicht nicht verstehen, aber so sieht das Antlitz der Depression aus. Du hast sie dir nicht ausgesucht, auch wenn du das nicht glauben magst.

Es bewegt sich schon etwas: Die Weltregierungen konzentrieren sich auf die Wirtschaftsdaten, denn die Behandlungskosten im Bereich psychische Gesundheit können bis zu 4% des Bruttoinlandsprodukts eines Landes ausmachen. Ärzte und Psychiater betonen immer wieder, wie wichtig Vorsorge ist. Wir wissen heute, wie man eine Depression behandelt. Aber noch konnte niemand jene entscheidenden Momente verhindern, in denen wir durch chemische und emotionale Vorgänge im Gehirn einfach „weggespült“ werden.

Gern tauchen wir mit dir tiefer in diesen interessanten Aspekt unserer Gesundheit und unseres Wohlergehens ein.

Depression, ein leises Stigma

Eine Depression tritt nicht plötzlich über Nacht auf. Niemand wählt sie sich aus einer Laune heraus als Alltagsbegleiter. Keiner von uns würde sich für Abtrennung vom elementaren Lebensrhythmus entscheiden. Für die Abschaltung positiver Gefühle und des Glücklichseins. Eine Depression fängt sehr langsam an. Und entwickelt dann eine Schwere, mit der sie uns in die Tiefe der Hilflosigkeit und der schlechten Laune zieht. Hinab zu einer pessimistischen Grundhaltung und der Unfähigkeit, zu reagieren.

Professor Michael King, Psychiater in der Abteilung für psychische Gesundheit des University College London (England, Vereinigtes Königreich), zeichnet für den PredictD-Test mit verantwortlich. Mit Hilfe dieses Tests versucht man, das Risiko abzuschätzen, mit dem jemand eine Depression entwickeln wird. Professor King erklärt weiterhin, dass diese Krankheit heutzutage immer noch sehr mit einem Stigma behaftet ist.

Passend dazu zeigen verschiedene Studien, dass fast 50% der depressiven Störungen nicht behandelt werden. Oder nicht auf die bestmögliche Weise auf die individuellen Bedürfnisse eines jeden Patienten abgestimmt werden. Das führt dazu, dass tausende Menschen erleben müssen, wie sie in ihrem persönlichem Umfeld zu treiben anfangen. Entweder sie gewöhnen sich schlicht an die Tatsache, dass es immer wieder einen Rückfall geben wird, oder sie entscheiden sich gar dafür, ihrem Leid und ihren Sorgen ein Ende zu setzen. Viele Depressive rund um den Erdball entscheiden sich für den Freitod.

Wenn das Gehirn Dissonanzen mit dem Leben erzeugt

Wenn man spirituellen Strömungen Gehör leiht, sind wir alle in der Lage zu „schwingen“. Man könnte sagen, dass Menschen eine bestimmte innere Musik aussenden. Diese Musik wiederum knüpft eine Verbindung zu unserem Umfeld, zu gewissen Orten, Zusammenhängen und Aktivitäten, die mit unserer Persönlichkeit in Resonanz gehen. Diese innere Melodie spiegelt ein aktives, passioniertes und neugieriges Gehirn wider.

Wenn eine Depression beginnt, lässt diese Fähigkeit zur Vibration nach. Denn die elektrischen Impulse werden vermindert oder verlangsamt von gewissen Hirnbereichen ausgegeben. Wir begeben uns in einen Zustand der Semi-Lethargie, wo eine geringere neuronale Aktivität herrscht. Eine dunkle und kaum merkliche chemische Strömung setzt ein. Aus dieser können wir nur schwer wieder auftauchen, um uns wieder mit dem Leben zu verbinden.

Die Auswirkungen einer Depression auf die Hirnarchitektur

Wichtig ist es, zu erwähnen, dass eine Depression nicht ausschließlich einem Ungleichgewicht auf Ebene der Neurotransmitter entspringt. Eine genetische Anfälligkeit, emotionale Faktoren und sogar medizinische Probleme können zweifellos für eine Depression prädisponieren. Dennoch ist die Auswirkung dieser Neurotransmitterstörung auf unser Gehirn beachtlich.

  • Der Hippocampus ist Teil des limbischen Systems und verantwortlich für die Verarbeitung von Erinnerungen, im Besonderen für das Langzeitgedächtnis. Einer Reihe von Studien zufolge schrumpft diese Struktur durch die Auswirkungen einer länger anhaltenden Depression oder chronischen Stresses. Wir haben Konzentrationsstörungen und leiden unter Gedächtnisverlust.
  • Die Depression wiederum verursacht ein unterschwelliges und vielschichtiges chemisches Chaos, bei dem Acetylcholin, Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin unser emotionales Gleichgewicht stören. Dann fällt es uns schwer, einzuschlafen oder uns für etwas oder jemanden zu begeistern. Bis zu einem Punkt, an dem uns wir buchstäblich so fühlen, als würde die Welt ihre Türen vor uns verschließen.
  • Ein weitere entscheidende Struktur ist der Thalamus. Das ist das neuronale Bereich, wo Sinneseindrücke empfangen und an den entsprechenden Teil des Kortex weitergeleitet werden. In diesem Bereich werden Funktionen wie das Sprechen oder die Bewegung gesteuert. Patienten, die unter einer Depression leiden, zeigen eine gewisse Trägheit, wenn sie sich mit Geschicklichkeit bewegen oder unbeschwert kommunizieren sollen. Das ist sehr auffallend.

Die Depression ist also ein Feind mit vielen Gesichtern. Er lässt sich dauerhaft in unserem Hirn und Herz nieder. Also dort, wo es uns am meisten schmerzt. Unsere Gedanken werden chaotisch, unstrukturiert und schmerzerfüllt. Diese Strömung kann uns forttreiben und Jahre andauern.

Lass das nicht zu. Gib dich nicht auf. Lass dir helfen. Und vor allem, kämpfe dich bis zum Ufer durch. Damit die beiden Schuhe Hoffnung und Vorstellungskraft wieder deine Füße kleiden. Und die Brille des Optimismus fester denn je auf deiner Nase sitzt.

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