Graue Haare und Stress: Gibt es einen Zusammenhang?

· 26. Dezember 2016

Nach der Legende von Marie Antoinette, Königin von Frankreich, die zum Tode durch die Guillotine verurteilt wurde, wachte sie am Morgen nach ihrer Verurteilung auf und ihr Haar war völlig ergraut. War es der Stress nach der Verkündung ihres Todesurteils, der ihre Haare auf einen Schlag ergrauen ließ oder ist diese Geschichte Teil einer rein fiktiven Popkultur?

Eine etwas zeitnähere Geschichte ist jene von Eric Moody, dem heldenhaften Pilot von British-Airways-Flug 9. Das Flugzeug geriet in die Aschewolke eines indonesischen Vulkans. Obwohl alle Triebwerke ausfielen, kein Strom, keine Sicht vorhanden war, konnte der Pilot wie durch ein Wunder das Flugzeug steuern, landen und somit allen Passagieren das Leben retten. Ein Jahr nach dieser erstaunlichen Heldentat war er überrascht, seinen Kopf übersät mit grauem Haar zu finden.

„Graue Haare und Waffen gewinnen Schlachten.“

Anonym

Warum werden Haare grau?

Das Haar wird grau, wenn Haarfollikel kein Melanin mehr produzieren. Die Substanz Melanin gibt dem Haar seine natürliche Farbe. Der Rückgang der Melaninproduktion fängt bei Kaukasiern normalerweise im vierten oder fünften Lebensjahrzehnt an, bei Dunkelhäutigen etwas später.

Das bedeutet, dass das fortschreitende Ergrauen der Haare mit dem Alter in Zusammenhang steht. Allerdings zeigen Ausnahmefälle – solche, wie wir zu Beginn geschildert haben – dass Haare innerhalb eines kurzen Zeitraums völlig ergrauen können, aufgrund einer anderen Konstellation, nämlich aufgrund von Stress.

Stress entsteht in unserem Kopf. Er kann allerdings unseren kompletten Körper beeinflussen, auch unser Herz. Dennoch müssen wir unsere Schlussfolgerungen mit einer gewissen Sorgfalt ziehen: Verschiedene Studien, die diesen Zusammenhang untersuchten, haben keine schlüssigen Ergebnisse geliefert.

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Das ist so, weil es unethisch ist, Menschen diesem enormen Druck auszusetzen, was lebensgefährdend für sie ist. Stattdessen müssen Wissenschaftler Stressoren verwenden, die eine weniger heftige Reaktion auslösen, als ein Verurteilung zum Tode oder die Gefahr eines Flugzeugabsturzes. Deswegen haben diese Studien ihren Fokus auf chronischen Stress gerichtet, welcher häufig auftritt. Sie konnten mit dieser Herangehensweise keine aussagekräftigen Ergebnisse erzielen.

Marie-Antoinette-Syndrom

Es gibt eine Art von Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall), der als Marie-Antoinette-Syndrom bezeichnet wird. Denn was der Königin widerfahren ist, wird nicht als ein plötzliches Ergrauen der Haare gesehen, sondern vielmehr als ein übermäßiger Verlust von Haaren, was zur Veränderung der Haarfarbe führte.

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Das Ergrauen kommt so zustande, dass dunkleres Haar zuerst ausfällt. Graues Haar, welches bereits vorhanden war, sticht nun stärker hervor. Allerdings tritt diese Form der Alopezie nicht innerhalb eines Tages auf, vielmehr braucht es im Allgemeinen mehrere Wochen, bis der Prozess sichtbar wird.

Es wird davon ausgegangen, dass Stress diesen Prozess auslöst. Dies kann jedoch nur in Kombination mit einer genetischen Veranlagung auftreten. Zusätzlich kommt dieses Syndrom nur selten vor. Somit ist es äußerst schwierig, mehr über die vereinzelten Fälle zu erfahren.

Stress, Alter und graue Haare

Unter Berücksichtigung der oben erwähnten Inhalte können wir schlussfolgern, dass Stress ein Auftreten von grauen Haaren begünstigt, insofern die stressvolle Situation so stark ist, dass Lebensgefahr für die betroffene Person besteht. Der Zusammenhang zwischen Stress und grauem Haar ist weiterhin unklar, wenn es um Stressfaktoren geht, denen wir Tag täglich ausgesetzt sind: Sie sind weniger akut und treten chronischer auf.

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Selbst dann, lebe tiefgründig, sei glücklich mit dem, was du hast, und genieße das Leben so gut wie möglich, all das ist gut für deine physische und mentale Gesundheit, und natürlich für dein Haar.