Lucio-Syndrom: übernommene Konditionierung

· 28. Oktober 2016

Lucio ist der Protagonist eines Experiments, der diesem Syndrom seinen Namen gegeben hat. Sein Verhalten in der Studie war der Ausgangspunkt für die Definition einer Verhaltensweise, die heute unter dem Namen Lucio-Syndrom bekannt ist. Aber was bringt uns dieser kleine Fisch bei?

Wir haben mehr mit Lucio gemein, als wir denken. Auch wenn wir weder im Wasser leben, noch Kiemen haben, werden wir uns mit Lucio identifizieren können, sobald wir seine Geschichte erfahren. Des Weiteren werden wir wahrscheinlich über unser Verhalten und unsere Gedanken in bestimmten Situationen reflektieren, wenn wir mehr über das Lucio-Syndrom wissen.

Lucio-Syndrom: Das Experiment

Während dieses Tests hat unser Freund den Wissenschaftlern und Psychologen eine große Lektion erteilt. Später wurde er mit Menschen verglichen. Es scheint, als wäre das Verhalten eines Fischs dem eines Menschen ähnlicher, als wir annehmen mögen.

Das Experiment, aus dem heraus das Lucio-Syndrom definiert wurde, war sehr simpel. Der Fisch, um den es geht, wurde in einen Glasbehälter gesetzt, der durch ein durchsichtiges Fenster in zwei Teile getrennt war. Er war auf der einen Seite und das Fressen auf der anderen. Das Erste, was Lucio versucht hat, war das Essen, das vor ihm lag, zu vertilgen. Aber als er der Beute näher kam, schwamm er gegen die Glasscheibe.

goldfischglas

Er hat es immer und immer wieder versucht, bis er schließlich aufgab, die Richtung änderte und auf seiner Seite des Tanks herumschwamm. Die Wissenschaftler haben die Trennscheibe entfernt, und trotzdem hat Lucio so getan, als wäre nichts passiert. Er ist auf seiner Seite des Behälters geblieben und hat nicht noch einmal versucht, sich dem Essen zu nähern. Warum? Weil dieses Experiment ihn konditioniert hat und er sicher war, dass es keinen Weg gäbe, um an die Nahrung zu gelangen.

Das Lucio-Syndrom beim Menschen

Etwas ziemlich Ähnliches geschieht auch dem Elefanten in der berühmten Geschichte von Jorge Bucay: Ein Elefant ist von klein auf angebunden. Die Ketten erlauben es ihm nicht, zu fliehen. Als er jedoch älter wird, sind die Ketten angesichts seiner größeren Kraft nur noch schwach. Aber trotzdem versucht er nicht, zu entkommen.

Ziemlich ähnlich verhalten auch wir Menschen uns. Wenn wir denken, dass es etwas gibt, was wir nicht tun können, weil uns vorherige Erfahrungen das gelehrt haben, dann hören wir auf, es zu versuchen. Trotz der Tatsache, dass sich Bedingungen ändern, dass wir wachsen und neue Fähigkeiten erlernen, versuchen wir es nicht noch einmal, denn in unserem Gedächtnis lebt die Erinnerung und Überzeugung, dass wir scheitern werden.

Wenn wir denken, alle Informationen über eine Situation zu haben, wir aber unsere Aufgabe oder Mission nicht vollenden können, dann verhalten wir uns entsprechend dem Lucio-Syndrom. Das heißt, wir akzeptieren diese Unfähigkeit aufgrund alter Erfahrungen. Wenn etwas in der Vergangenheit nicht funktioniert hat, dann denken wir automatisch, dass in der Gegenwart oder Zukunft das Gleiche passieren wird.

Wir weigern uns, andere Optionen oder Perspektiven in Erwägung zu ziehen. Wir senken unsere Köpfe und geben auf. Wir schwenken die weiße Flagge, ohne es nochmals zu versuchen, denn wir haben es schon einmal getan und keine guten Resultate erzielt. Ob das aufgrund von Lehren aus der Familie, persönlicher Erfahrungen oder fehlerhafter Informationen so ist, spielt keine Rolle. Wir verhalten uns wie Lucio und versuchen es nicht noch einmal.

Unternimm eine erneute Anstrengung

Jedes Mal, wenn du sagst „ich hab es schon oft genug versucht“  oder „es gibt nichts mehr, was ich tun kann“,  denke noch einmal nach. Vielleicht hat sich die Situation geändert und das Glas, das dich von deinen Zielen getrennt hat, wurde entfernt. Beginne, zu analysieren, was du tun musst und geh auf dein Ziel zu.

springender-fisch

Vergiss nicht, dass Veränderung und Transformation Kontinuität und Ausdauer verlangen. Wenn es heute nicht möglich war, dann versuche es morgen oder nächsten Monat noch einmal. Gib nicht auf. Leide nicht in diesem Prozess. Es ist besser, aus Versuchen zu lernen.

Lass dich von nichts und niemandem konditionieren und deine Gedanken und Vorstellungen ändern. Nicht mal du hast das Recht, das zu tun. Das nächste Mal, wenn du vor einer sehr schwierigen Aufgabe stehst, denke an Lucio. Aber verhalte dich nicht so wie er. Suche nach einem Weg, um erfolgreich zu sein, auch wenn es dich Zeit, Energie und Ressourcen kostet. Die Belohnung, die du erhältst, wenn du dein Ziel erreichst, ist es wert, es wieder und wieder zu versuchen.