Das ABC-Modell der Depression

21, November 2016 en Psychologie 272 Geteilt

Bis vor Kurzem wurde von Medizinern angenommen, dass die Depression von einem biochemischen Ungleichgewicht ausgelöst wird und da ist auch etwas Wahres dran. Tatsächlich gibt es ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern bei sogenannten endogenen Depressionen. Allerdings ist diese Art der Depression nicht sehr weit verbreitet und normalerweise steht sie im Zusammenhang mit einem wesentlichen Verlust, den die betroffene Person überwinden muss.

In diesem Sinne ist die Ursache der gewöhnlichen Depression kein biochemischer Zustand, aber sie liegt auch nicht in der Situation, die die Depression ausgelöst hat. Und du magst dich nun fragen, was dann der Grund dafür ist, dass ein tiefes Gefühl von Traurigkeit aufkommt, wenn man unter Depressionen leidet?

Der wahre Grund für depressive Zustände ist die Art, zu denken. Es ist die Art, auf welche die Person die Dinge, die passieren, durch ihren persönlichen Filter interpretiert. Es sind die Gedanken, die während dieses emotionalen Zustands kreiert werden, die dazu führen, dass er weiterhin andauert.

Die gute Neuigkeit ist, dass wir dazu fähig sind, zu beeinflussen, wie wir die Situation interpretieren und mit ihr umgehen, auch wenn wir sie uns nicht aussuchen können. Darin liegt unsere Verantwortung und es liegt in unseren Händen, diese Interpretation beobachteter Tatsachen zu modifizieren.

Das ABC-Modell

Albert Ellis, der Vater der rationalen Therapie, hat das ABC-Modell aufgestellt, mit Hilfe dessen der Patient verstehen kann, dass es nicht die aktivierende Situation war, die zu seinem emotionalen Unwohlsein geführt hat, sondern seine Gedanken und Überzeugungen.

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Wir müssen zwischen gesunden Emotionen und einem ungesunden emotionalen Zustand unterscheiden.

  • Gesunde negative Emotionen wie Traurigkeit, Angst oder Unwohlsein helfen uns dabei, auf effiziente Art und Weise zu konfrontieren, was in unserem Leben passiert. Sie bringen uns dazu, zu handeln, und das mit Logik und Realismus.
  • Ungesunde emotionale Zustände wie zum Beispiel Depression, dauerhafte Angst oder Wut blockieren und paralysieren uns allerdings. Sie erlauben es uns nicht, uns einer Situation zu stellen, sondern diktieren unser Handeln und manövrieren uns in einen Teufelskreis, dem man nur sehr schwer entkommen kann.

Es ist normal, eine gesunde Traurigkeit zu verspüren, wenn wir unseren Job oder unseren Partner verloren haben, aber es ist nicht normal, wenn diese Traurigkeit zu intensiv, zu häufig oder zu lang anhaltend ist und schließlich in eine Depression mündet. Was hier fehlt, ist das, was du dir selbst über diesen Verlust zu sagen hast.

Das ABC-Modell unterscheidet zwischen A (der aktivierenden Situation), B (meinen Gedanken über diese Situation) und C (den Konsequenzen, wie ich mich im Angesicht dieser Situation fühle und handle; jeweils aus dem Englischen übersetzt). B ist dabei die Ursache von C. Nicht A. Normalerweise tendieren wir dazu, zu denken, dass die Situation dafür verantwortlich ist, wie wir uns fühlen, aber das stimmt nicht. Wir können das sehr leicht beweisen, wenn wir uns die Tatsache anschauen, dass verschiedene Menschen in den gleichen Situationen sehr unterschiedliche Emotionen erleben.

Vom ABC zum D wie Depression

Das ABC-Modell der Depression könnte auch wie folgt vorgestellt werden: Es gibt einen Aktivator A, z.B. einen bedeutenden Verlust oder etwas anderes, sehr Machtvolles für uns, woraufhin die Gedanken B sich verdunkeln. Wir neigen dazu, uns als nutzlos zu betrachten und die Welt als einen Ort voller Dornen und dunkler Wolken zu sehen. Außerdem ziehen wir es vor, nicht in die Zukunft zu schauen, denn in uns wohnt eine wahnsinnige Verzweiflung.

Diese Gedanken durchfluten unseren Geist und wir glauben, dass sie wahr sind. „Wenn ich das denke, dann stimmt es“,  davon gehen wir aus. Das ist es aber nicht, wie die Dinge wirklich sind; wir sind es, die generalisieren, Geschehenes in Schubladen ablegen und/oder dramatisieren. Und das ist genau das, was unser intensives Leiden erschafft, unser emotionales C, was wir Depression nennen.

Die Emotionen, sind destruktiv und irrational, untergraben unsere primären Ziele und den Sinn des Lebens. Sie sind grundsätzlich: Depression, exzessive Angst, exzessive Wut und ausgeprägte Schuld.

Albert Ellis

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Die Wahrheit ist, dass wir das Problem so nicht lösen können. Mit dieser Art von Gedanken und Emotionen isolieren wir uns, wir unternehmen keine schönen Dinge mehr und wir unterbrechen unsere tägliche Routine. Das wäre das C im Sinne von Verhalten, und es ist ein Verhalten, das gegen unser Ziel, das Wohlbefinden, steuert.

Es ist nicht möglich, sich besser zu fühlen, wenn wir uns so verhalten, dass wir uns von allem distanzieren, was uns uns besser fühlen lassen könnte.

Und E wie endlich frei

Die Kurzzeit-Folge davon, auf diese Art und Weise zu handeln, stärkt uns, denn wir befreien uns von der Anstrengung, der es bedarf, um aufzustehen und die Dinge zu tun, die uns Spaß machen. Aber auf lange Sicht chronifiziert es das Problem und wir fühlen uns über längere Zeit deprimiert.

Indem wir auf diese Art und Weise handeln, eliminieren wir unser Selbstwertgefühl. Und obendrauf geben wir uns selbst nicht die Chance, zu beweisen, ob unsere Gedanken über uns selbst, die Welt und die Zukunft wahr sind.

Der Schlüssel das negative B, das dir Schaden zufügt und dich blockiert, und das muss geändert werden. Nur du besitzt die Macht, dich zu befreien.