Du bist wütend und weißt nicht, warum

5. September 2016 en Psychologie 0 Geteilt

Es ist ein Gefühl des Ärgers, der an deiner Laune deutlich wird, aber auch über deinen Körper Ausdruck findet. Du bist wütend. Dir wird heiß und du spürst eine gewisse Schwere im Kopf. Es ist auch möglich, dass du eine gewisse Spannung im Hals und etwas Druck auf der Brust spürst. Es ist die Wut, die dich überkommt und du weißt manchmal noch nicht einmal den Grund dafür.

Wenn Wut durch einen bestimmten, stimulierenden Faktor ausgelöst wird, wie etwa eine Beleidigung oder eine unangenehme Situation, dann ist es wesentlich einfacher zu wissen, wie man sich in diesem Fall verhalten soll. Du hast die Wahl, entweder einen Streit anzufangen, das Geschehene herunterzuschlucken und es einfach vorbeigehen zu lassen, oder auf zivilisierte Weise die Sache zu klären. Wenn aber die Wut nicht auf etwas oder jemand Bestimmtes gerichtet ist, sondern einfach nur der Ärger deine ganze emotionale Welt dominiert, dann ist es wesentlich schwieriger, dies unter Kontrolle zu bringen.

„Sich an die Wut zu klammern ist so, als würde man nach heißen Kohlen in der Absicht greifen, sie auf jemanden zu werfen: Doch bist du derjenige, der sich verbrennt.“
Buddha

Grundsätzlich ist Wut auch eine positive Emotion, da sie es erlaubt, sich Umständen zu widersetzen, die für dich frustrierend oder bedrohlich sind. Es handelt sich schlicht und einfach um eine Reaktion zur Verteidigung oder zum Angriff, durch den eine Person sich selbst behauptet. Wenn sich dein Gefühl jedoch zu tauber und konstanter Wut weiterentwickelt, wenn es sich in eine ständige Gereiztheit wandelt und du wegen unbedeutender Ereignissen explodierst, ist es nötig, genauer hinzuschauen, was mit dir los ist.

Die Wut, die fortbesteht und sich immer wieder auflädt

Wir alle kennen Menschen, die die ganze Zeit wütend zu sein scheinen. Man nimmt sie jeden Tag als angespannt und sehr besorgt war, egal ob in ihrer Umgebung Gutes oder Schlechtes passiert. Sie scheinen dem gegenüber immun zu sein, was um sie herum passiert, weil sie einfach wütend bleiben. Man sagt, dass sie wie ein Funken sind, und bei dem geringsten Anstoß lösen sie einen Großbrand aus.

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Was geht in diesen Menschen vor, die wütend sind, aber nicht sagen können, warum? Generell handelt es sich um Individuen mit einer falschen Vorstellung: Sie glauben, dass ein Konflikt ein guter Weg ist, um seine Ziele zu erreichen. Wie schwer fällt es ihnen nur, diejenigen zu verstehen, die anders als sie denken oder handeln. Das macht sie wütend und sie werfen den anderen vor, die Dinge nicht so zu tun, wie sie es sich denken oder wie diese es tun sollten, egal ob sie damit recht haben oder nicht.

Für die chronischen Wüteriche gibt es nur eine Art zu leben, eine Art zu fühlen und eine Art zu denken: Und zwar die, die sie selbst als „richtig“ bezeichnen. Sie haben das Gefühl, stets mit Wut zu reagieren, wenn sie jemanden dabei „erwischen“, wie er etwas macht, was „sich nicht gehört“. Sie ertragen das Gefühl von Chaos in der Welt nicht, weil sie, wahrscheinlich, selbst in ihrem Inneren ein ständiges Chaos spüren, was sie nur durch ihren psychischen Kontrollzwang ertragen können.

Es handelt sich in der Regel auch um Personen mit Schwierigkeiten, ihre Emotionen auszudrücken. Oft unterdrücken sie das, was sich in ihrem Inneren befindet, und sie finden keine andere Ausdrucksform dafür als über einen Wutausbruch. Diese Emotion gibt ihnen den nötigen Impuls, um zu sagen, worüber sie bis jetzt geschwiegen haben. Deshalb sind ihre Worte überladen und repräsentieren fast immer eine übertriebene oder zu extreme Vision von einer Situation.

Ein Monster, was am Ende seinen Schöpfer auffrisst

Es gibt Momente, in denen der Zorn ein ordnender Faktor sein kann, der Grenzen setzt und größere Probleme verhindert. Eine gute Wahrheit, die rechtzeitig und ungeschminkt gesagt wird, ist manchmal der Punkt auf dem i und kann eine gefährlich werdende Situation aufhalten.

Ideal wäre es, wenn wir immer genug Kontrolle hätten, um alles mit Genauigkeit und Maß zu sagen. Aber das ist nicht immer so, unser instinktives und emotionales Gehirn ist wesentlich älter als sein rationaler Teil und wir können es nicht vermeiden, dass es manchmal die Kontrolle übernimmt. Dies ist prinzipiell sogar gut, damit diejenigen, die uns umgeben, bemerken, dass wir auch einen Charakter haben.

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Doch in dem Fall von ständiger Gereiztheit, kann, anstatt eine gesunde Situation herbeizuführen, vielmehr eine Dynamik ausgelöst werden, die schließlich das Wohlbefinden des Wüterichs selbst angreift. Was er möchte, ist Ordnung, „Berichtigung der Zustände“, oder wie er es auch nennen mag. Was er aber mit seinem Schreien und seinen unangebrachten Forderungen bekommt, ist genau das Gegenteil: Mehr Unordnung, mehr Fehler und weniger Lösungen.

Diese Menschen schaffen es, dass all ihre Beziehungen von Spannungen und Konflikten geprägt sind. Früher oder später bekommt einer immer das zurück, was er selbst austeilt. So ist es sehr wahrscheinlich, dass der Wüterich zum Opfer seiner eigenen Erfindung wird. Die anderen werden ihm gegenüber fordernder und intoleranter und sind schon von Anfang an negativ ihm gegenüber eingestellt. Er wird zu jemandem, der andere wütend macht, der ständig auf Krawall angelegt ist, der sich selbst nicht aushalten kann.

Oft wird diese ständige Gereiztheit auch von Depression und Nervosität begleitet. Traurigkeit entsteht aus dem Frust, der wiederum aus dem Gefühl der Machtlosigkeit entsteht, nicht zu erreichen, dass alles nach seinen Wünschen funktioniert. Aus dem gleichen Grund entsteht auch seine Nervosität, noch verstärkt durch all die Konflikte, in die diese Person verstrickt ist.

Am Ende sind diese Verhaltensweisen nichts anderes als eine Form, das Beste im Leben zu verpassen. Es ist klar, dass der, der ständig wütend ist, der nicht weiß, warum ihn ständig etwas blockiert, mehr braucht als nur eine neue Aufgabe. Diese Person braucht professionelle Hilfe.

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