Aufgestaute Emotionen

· 2. Mai 2016

Es gibt Zeiten in unserem Leben, in denen wir uns in emotionaler Hinsicht wie blockiert fühlen und in denen wir nicht genau wissen, wie wir das, was wir fühlen, ausdrücken sollen. Vielleicht sind wir noch nicht einmal dazu in der Lage, herauszufinden, wie es uns wirklich geht. Wir nehmen einfach schemenhaft etwas war, ohne dass wir in dem Ganzen die Konturen klar erkennen könnten.

Eine Tatsache ist, dass aus unterschiedlichen Gründen in manchen Momenten unseres Lebens unsere Emotionen aufgestaut werden. Sie wirken, als seien sie in einem Käfig gefangen, aus dem sie auch nicht herauskommen wollen und gleichzeitig erzeugen sie dieses Gefühl des Unwohlseins in uns, das sich auf unseren Körper und auf unsere Beziehungen zu anderen auswirken kann.

„Jeder von uns ist der Macher seines eigenen Wetters. Wir bestimmen den Farbton am Himmel des emotionalen Universums, in dem wir leben.“

Fulton J. Sheen

Ist dir das schon einmal passiert?

Nimm dir eine Minute Zeit, um darüber nachzudenken.

Luftballons

Vielleicht hast du schon einmal einige Monate der Traurigkeit durchlebt, in denen du aber nicht in der Lage warst, zu weinen, um diese Gefühle herauszulassen oder andere daran teilhaben zu lassen. Vielleicht hast du dich im Angesicht einer Situation, die du als unfair empfunden hast, ganz kraftlos gefühlt, aber du hast dein Schweigen bewahrt. Du wusstest nicht, wie du deinen Zorn über eine Enttäuschung identifizieren kannst. Vielleicht hast du auch nicht gezeigt, wie glücklich du bist, weil du Angst hattest, dass du die Gefühle von anderen Menschen verletzen könntest oder vielleicht hattest du einfach das Gefühl, dass du nicht wusstest, wie du dich fühlst, was du dir wünschst oder welche Richtung dein Leben gerade eingeschlagen hat.

All das hast du für dich behalten. Du hast dich fest an dieses Gift geklammert, so wie eine Person einen teuren Schatz umschlungen hält.

Wie auch immer die Situation aussieht, die du gerade erlebst, du weißt dabei nicht, wie du dich selbst ganz zum Ausdruck bringen sollst und deswegen unterdrückst du deine Emotionen. Diese werden dann immer weiter aufgestaut, was nichts anderes bedeutet, als dass sie blockiert und in dir angesammelt werden.

Wenn man seine Emotionen in sich behält, werden sie zu einer Last, durch die wiederum eine gefährliche emotionale Bürde entsteht, die schwierig zu tragen ist. Manchmal wirkt sich das sogar auf unseren Körper aus.

Wir müssen ein bisschen tiefer graben

Wenn wir nicht mehr wissen und spüren, was wir fühlen, egal ob bewusst oder unbewusst, verlieren wir auch die Verbindung zu uns selbst.

Gefühle sind notwendig und es hat einen Sinn, dass wir sie empfinden. Es ist wirklich wichtig, dass du dir selbst erlaubst, sie zu fühlen. Ihnen Ausdruck zu verleihen ist geradezu ein Privileg, denn sie bilden eine Verbindung, mit der wir uns selbst und unsere Bedürfnisse näher kennenlernen können.

Was aber in den meisten Fällen passiert, ist, dass wir von Kindesbeinen an gelernt haben, unsere Emotionen zu unterdrücken, weil man sie für gefährlich hielt und es demnach als normal erschien, dass man sie leugnet und unter Kontrolle hält. Auf diese Weise verlernen wir schon von unserer Kindheit an die Fähigkeit, sie zu erleben. Die Folge ist, dass sie Auswirkungen in dem unterbewussten Teil unseres Geistes zeigen.

Aber unsere Emotionen können nicht überwunden werden, wenn sie nicht zum Ausdruck gebracht werden. Dann bleiben sie nämlich in irgendeiner Weise noch in uns, in unserem Körper und wirken auf uns ein.

Gedanken

Das Problem ist, dass aufgestaute Emotionen sich zu einer Gewohnheit entwickeln können, wie wir mit dem Leben umgehen. Als Erwachsene haben wir dann das Gefühl, dass es total normal sei, die eigenen Emotionen zu blockieren und sich auf diese Weise vor emotionalem Schmerz zu schützen.

Dann laden wir uns also noch zusätzlich zu den anderen Lasten einen großen Haufen unterdrückten Schmerzes auf, der immer weiter wächst und blockieren unsere wirklichen Bedürfnisse und ersetzen diese mit den falschen. Auf diese Weise werden wir uns niemals entwickeln und wachsen können, also begrenzen wir uns selbst.

Die Verbindung zu dem, was wir fühlen, bricht ab und wir übernehmen dafür keine Verantwortung mehr. Unsere innere Stimme trifft dann auf taube Ohren und wir leben nur oberflächlich mit einer Art Autopilot.

Vielleicht haben wir Angst davor, Gefühle zu haben. Vielleicht ist es für uns schwierig, das, was uns auf emotionaler Ebene zugestoßen ist, auszudrücken und vielleicht wollen wir nicht noch einmal durch solch einen Schmerz hindurch müssen. Die Fähigkeit wiederzuerlangen, seine Gefühle zu zeigen, ist aber ein fundamentaler Schritt, wenn wir gesund werden wollen.

Wie wir bereits erwähnt hatten, beginnt das Problem dort, wo wir das, was wir fühlen, aufstauen oder unterdrücken. Wenn wir unsere eigenen Wunden nicht zu erkennen vermögen, gehen wir wie betäubt durch unser Leben, als würden wir schlafen, denn Gefühle, unsere Emotionen, sind Energie und wenn wir sie nicht zum Ausdruck bringen, werden wir sie irgendwann ganz verlieren.

Schmetterling

Es ist nichts Schlimmes daran, wenn wir uns von Zeit zu Zeit dazu bringen – und dies gilt vor allem vor Situationen, die besonders wichtig für uns sind – uns unsere momentanen Gefühle anzusehen und einige Minuten voller Ehrlichkeit über sie nachzudenken.

Es ist notwendig, dass wir die gesamte Bandbreite unserer Gefühle akzeptieren, um ein erfülltes Leben zu haben. Ebenfalls sollten wir aber auch darauf achten, sie nicht in zu extremen Formen auszuleben. Das Geheimnis ist die richtige Balance, ein gesundes Mittelmaß.

Es geht nicht so sehr um die Intensität der Gefühle, sondern darum, dass wir uns dessen bewusst sind, dass uns unsere Emotionen als Indikatoren oder als Alarm für das, was gerade in uns abläuft, dienen können.