Jean-Martin Charcot – ein außergewöhnlicher Mann der Wissenschaft

· 14. Dezember 2018

Jean-Martin Charcot war ein berühmter Arzt und Neurologe. Er wurde 1825 in Paris, Frankreich, geboren, war Schüler des berühmten Guillaume Duchenne de Boulogne und seine Beiträge zur Medizin und Psychologie fanden deutliche Resonanz. De Boulogne und Charcot werden bis heute in einem Atemzug genannt; sie gelten als die Väter der Neurologie. Charcot war zudem ein Vorbereiter der Psychoanalyse.

Charcot arbeitete 30 Jahre lang im berühmten Pitié-Salpêtrière Hospital in Paris. Als Charcot dort ankam, standen tausende Patienten auf den langen Behandlungslisten. Viele von ihnen hatten psychische Probleme. Und in diesem Krankenhaus studierten und experimentierten die Ärzte der neuen Generation mit neuen Methoden zur Therapie dieser Störungen. Es galt darum als das medizinische Zentrum der Welt für alles, was mit dem Gehirn zu tun hatte.

Um Charcots Position zu diesem Tun einschätzen zu können, muss man wissen, dass er in erster Linie ein Mann der Wissenschaft war. Aus diesem Grund war er offen für alle Neuheiten im Bereich der Medizin. Seine Beobachtungen veranlassten ihn, sich besonders für die Hysterie zu interessieren, eine Krankheit, die er mehr als jeder andere seiner Zeitgenossen erforschte. Schließlich wurde er in Europa bekannt, als er begann, die Hypnose als Behandlungsmethode für die Hysterie einzusetzen.

„Die Theorie ist gut, aber sie verhindert nicht, dass äußere Faktoren wirken.“

Jean-Martin Charcot

Hysterie um die Hysterie

Charcot arbeitete mit Patienten aller Art. Da waren Prostituierte, Vagabunden, Menschen mit kognitiven Problemen und andere, die von der Gesellschaft abgelehnt wurden. Deswegen wurde das Spital damals auch als „Asyl für menschliches Elend“ bezeichnet. Es war Charcot, das diesen chaotischen Ort zum wichtigsten medizinischen Forschungszentrum Europas machte. Das tat dem jedoch keinen Abbruch, das man auch hier noch sehr alten Hypothesen zur Entstehung und Entwicklung von Krankheiten zusprach.

Frau mit Hysterie

Seit der Zeit des Hippokrates galt die Gebärmutter als ein mobiles Organ, das durch den Körper einer Frau zu wandern vermochte. Wenn dieses Organ die Brust erreichte, verursachte das schwere Symptome, etwa seltsame Krämpfe und Hitzewallungen. Das nannte man Hysterie. Viele Frauen zeigten solche Symptome. Man dachte damals, dass die Hysterie ein Zustand sei, an dem nur Frauen leiden konnten.

Bei Charcot’s Ankunft in Salpêtrière wurden viele Patienten mit psychischen Problemen gar nicht behandelt. Die Mehrheit der betroffenen Frauen hingegen wurde als hysterisch diagnostiziert. Der französische Arzt stellte jedoch fest, dass einige Männer ähnliche Symptome zeigten, die ebenfalls die Diagnose einer Hysterie rechtfertigten. Einige Patienten litten nicht nur an Hitzewallungen und Anfällen, sondern auch an selteneren Ausprägungen der Krankheit wie Blindheit oder Lähmung. In diesen Fällen war es üblich, dass keine medizinische Erklärung gegeben wurde.

Charcot und seine Arbeit in Salpêtrière

Jean-Martin Charcot war vor allem ein Forscher des Gehirns. Er legte den Grundstein für das Verständnis von Krankheiten wie Multipler Sklerose, Hirnblutungen, Friedrich-Ataxie und Tourette-Syndrom. Seine Neugierde führte ihn jedoch immer wieder auf die Station der sogenannten einfachen Epileptiker. Die überwiegende Mehrzahl der hier stationierten Patienten galten als hysterisch und neurasthenisch.

Charcot hält einen Vortrag

Charcot bewies schließlich, dass die Hysterie nicht mit der Gebärmutter, sondern mit dem Gehirn zusammenhing. Er postulierte auch, dass die Ursache für jene Krämpfe, Hitzewallungen, Lähmungen und andere unerklärliche Symptome auf eine frühere Erfahrung zurückzuführen sein könnten. Gleichzeitig schlug er vor, dass dieses Übel durch Hypnose behandelt werden könne. Um seine These zu belegen, lud er zu den Dienstagsitzungen ein.

In jenen Dienstagssitzungen präsentierte er Fälle von Hysterie und zeigte, wie die Symptome unter Hypnose verschwanden. Nicht alle Patienten waren Frauen. So wurde ebenfalls bewiesen, dass auch Männer an Hysterie litten.

Charcot – eine Quelle der Debatte

Viele von Charcots Zeitgenossen kritisierten ihn. Sie warfen ihm vor, unwissenschaftlich zu arbeiten und seine Dienstagssitzungen in einen Zirkus zu verwandeln. Diese Anschuldigungen waren nicht fair, und sie hielten ihn auch nicht davon ab, weiterhin am Thema zu arbeiten.

Charcot schlug die Existenz einer traumatischen Hysterie vor, die durch ein Ereignis ausgelöst werden könne, das einen tiefen Einfluss auf den Geist der Person habe. Dieses Trauma entspreche einer Art Selbsthypnose: Das Mandat befindet sich im Trauma und lässt das Subjekt auf eine seltsame Weise handeln, ohne das es das bemerken würde.

Hypnotisierte Frau

Einer von Charcots großen Beiträgen war es, das Konzept des „psychologischen Traumas“ zu definieren. Sigmund Freud, einer von Charcots Schülern, führte dieses Konzept weiter.