Selbsthypnose für den Alltag: Lerne, dein Unterbewusstsein zu programmieren

· 25. Juli 2018

Die Selbsthypnose ist ein sehr nützliches psychologisches Werkzeug, um Verhaltensveränderungen einzuleiten. Ebenso kann sie dich dabei unterstützen, den Fluss von negativen Gedanken zu kontrollieren. Darüber hinaus kann sie dich in eine bessere Stimmung bringen und dir sogar dabei helfen, dich auf bestimmte Ziele zu konzentrieren. Es lohnt sich, mehr darüber zu lernen, was Selbsthypnose ist und wie sie dir in deinem täglichen Leben von Nutzen sein kann.

Wenn du „Selbsthypnose“ hörst, mag das eine undefinierbare Mischung aus Faszination und Skepsis in dir auslösen. Es gibt aber viele Bücher und Forschungsarbeiten, die sich mit ihrem Nutzen und ihren Einschränkungen befassen, sodass sich die Frage „Funktioniert das denn wirklich?“  eindeutig beantworten können: Manchen Menschen bringt sie wenig. Andere haben einen großen Nutzen aus der Selbsthypnose gezogen.

„Der Verstand kann mit einem Brunnen verglichen werden, aus dem Wasser hervorschießt, in der Sonne glitzernd, und wieder in das große unterirdische Becken zurückfällt, das das Unterbewusste ist, auf dem es ruht.“

Sigmund Freud

Wenn du daran interessiert bist, zu erfahren, wie der menschliche Verstand funktioniert, mit all seinen Geheimnissen, dann wird dich das Thema Hypnose faszinieren. Bis heute ist sie eine häufige eingesetzte Behandlungsmethode für Menschen mit psychischen Erkrankungen, z.­B. für jene, die mit einer Substanzabhängigkeit zu kämpfen haben, die mit dem Rauchen oder dem Konsum anderer Drogen aufhören wollen.

In den letzten Jahren haben darüber hinaus viele Menschen damit begonnen, Selbsthypnose einzusetzen, um ihr Unterbewusstsein zu programmieren. Damit wollen sie Veränderungen einleiten und sich direkter auf Ziele zubewegen.

Profilbild einer Frau, die ein leuchtendes Gehirn im Kopf hat.

Was ist Selbsthypnose?

Stell dir vor, du sitzt in der U-Bahn oder im Bus. Du starrst auf eine bestimmte Stelle am Fenster und deine Gedanken beginnen zu wandern. Du gehst nirgendwohin; du verlierst dich einfach in deinem Kopf. Ein paar Minuten später, wenn du deine Haltestelle erreichst, kommst du verwirrt wieder zu dir. Dir ist, als ob du aus einer Trance gerissen wurdest.

Der durch Hypnose erreichte Zustand hat Ähnlichkeiten mit diesem Erlebnis. Es geht darum, dich von der Realität zu trennen, um in den „Keller“ deines Verstandes zu gelangen. Und was du in diesen Momenten tust, kann einen großen Einfluss auf dein Leben haben. Du kannst dich auf deine Wünsche fokussieren, Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen und sogar deine Stimmung verbessern.

Eine Tatsache, der viele Menschen wenig Aufmerksamkeit schenken, ist, dass die Handlungen, die sie bewusst ausführen, aus ihrem Unterbewusstsein stammen. Das heißt, dass dein Geschmack, deine Neigungen und die Art und Weise, wie du auf bestimmte Umstände reagierst, allesamt ein Produkt eines unterbewussten Geschehens sind. Dieser Ort, wo deine früheren Erfahrungen, deine Persönlichkeit, Instinkte und Automatismen bewahrt werden, prägt entscheidend, was du den ganzen Tag lang machst.

Aus diesem Grund ist das Ziel der Selbsthypnose, das Unterbewusstsein stärker kontrollieren zu können, um es zu programmieren. Und manchmal wendest du diese Technik vielleicht schon an, ohne es zu bemerken.

Eine Treppe führt einen Felsen hinauf und endet vor einer Tür, die sich ins Nichts öffnet.

Techniken, um Selbsthypnose zu üben

Für manche Menschen ist es am besten, wenn sie die Hypnose mit einer Fachkraft trainieren. Aber wenn es an Zeit, Zugang oder Ressourcen fehlt, dann können die folgenden Strategien sehr nützlich sein, um in Eigenregie zu lernen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer Kombination Disziplin, Willenskraft und täglicher Praxis.

Visualisierung

Um Selbsthypnose zu üben, bedarf es eines Reizes als Anker. Dieser Reiz kann das Licht einer Lampe, das Weiß eines Blattes Papier, ein Glas Wasser oder sogar eine frei erfundene Situation sein. Es muss sich um eine geistige Zuflucht oder um einen sichtbaren Punkt handeln. Von diesem aus kannst du nach innen, in deinen Verstand, gehen.

  • Was du als Erstes tun musst, ist, deinen Blick auf diesen Reiz zu richten und dich zu entspannen. Du wirst dabein von physischen Empfindungen zu mentalen übergehen. Hin zu Entspannung, Ruhe und Ausgeglichenheit.
  • Wenn du diesen tiefen Entspannungszustand erreicht hast, kannst du eine Reihe von positiven Aussagen wiederholen. Du wirst in einen inneren Dialog eintreten, in dem du verbalisierst, was du erreichen möchtest. Zum Beispiel: „Ich werde aufhören, Angst davor zu haben, in der Öffentlichkeit zu sprechen“, „Ich werde mich weniger stressen lassen“, „Ich werde einen liebenswerten Partner finden“  usw.

Fixierung

Die Selbsthypnose kann auch erreicht werden, indem du einen Punkt über deinen Augen anschaust. Fokussiere dich einfach auf diesen Punkt und erzeuge langsam eine leichte mentale Unschärfe. Dann wirst du in eine entspannte Trance versinken, in der du dich nur auf deine Atmung konzentrierst. Wenn du einmal an diesem Punkt angekommen bist, dann fange wieder damit an, dir Positives vorzutragen: „Ich will dieses Ziel erreichen …, Ich möchte …, Ich werde …, Ich konzentriere mich auf …“

Atmung

Eine weitere einfache Strategie für die Selbsthypnose ist die kontrollierte Atmung. Befolge die nachfolgenden Schritte:

  • Suche nach einem ruhigen Platz. Wähle einen Ort aus, an dem du stets die Selbsthypnose üben möchtest. Dein Verstand muss mit dieser Couch, dieser Tischecke oder diesem Raum eine Art der Zuflucht assoziieren. In dieser Zuflucht kann sich dein Verstand entspannen und du kannst in dein Unterbewusstsein absteigen.
  • Wenn du einen solchen Ort gewählt hast, dann beginne damit, deine Atmung auf folgende Art und Weise zu kontrollieren: einatmen, halten, ausatmen, leer.
  • Es ist ideal, wenn du diesen Ablauf 5- bis 6-mal wiederholst. Bleibe als Nächstes in dieser entspannenden Leere hängen. Bleibe in dieser Leere voller Möglichkeiten, wo du mit deinem Unterbewusstsein sprechen und es programmieren kannst. Du solltest erneut deine Ziele und Wünsche aufzählen, und zwar wie immer auf eine positive Art.
Ein Mann sitzt auf einem Berg in einer Meditationspose, um Selbsthypnose zu üben.

Vielleicht erinnern dich diese einfachen Strategien an Entspannungstechniken, die in der Meditation sehr verbreitet sind. Sie helfen dir jedoch nicht nur dabei, dich zu entspannen und auf die Gegenwart zu konzentrieren. Ein primäres Ziel der Selbsthypnose ist es, dein Verhalten, deine Gedanken und deine Stimmung zu ändern.

Der Zweck der Selbsthypnose ist es zudem, als therapeutisches Werkzeug zu dienen und negative Aussagen durch positive zu ersetzen. Sie ist mehr als nur eine Entspannungsübung. Sie ist Training. Aus diesem Grund solltest du diese Übungen täglich wiederholen. Du solltest konsequent sein und mit Bedacht handeln, denn niemand kann seine unterbewussten Gedanken über Nacht verändern. Du musst Ausdauer aufbringen und Vertrauen in die Kraft deines Verstandes haben, wenn du Erfolge sehen willst. Die Veränderungen werden sich dann früher einstellen, als du heute annimmst.