Interessantes zu Freuds Theorie über das Unterbewusstsein

· 4. Mai 2016

Die von Freud entwickelte psychoanalytische Methode ist in der Vergangenheit auf starken Widerstand gestoßen und hat Diskussionen darüber aufgeworfen, ob darin methodologisch sauber vorgegangen wurde. Niemand kann jedoch in Frage stellen, dass sie besondere Leistungen für die Philosophie, die Psychologie und die Medizin ihrer Zeit hervorgebracht hat.

Egal ob du sie eher als Pseudowissenschaft oder als Wissenschaft ansiehst, Freuds Theorie über die Zerstörung des Konzeptes, über das Es,  welche seine Untersuchungen über das Unterbewusstsein hervorgebracht haben, übte einen essenziellen Einfluss auf jede Disziplin des 20. Jahrhunderts aus.

„In dem Wunderland des Geistes sollte ich genauso frei sein wie jeder andere auch.“

Helen Keller

Interessantes über den Geist nach Freud

Triebe und Verdrängung

Als menschliche Wesen haben wir alle Triebe in uns, von denen wir glauben, dass wir sie vor anderen Menschen unterdrücken müssen. Manchmal sind wir uns dessen überhaupt nicht bewusst, denn dieser Vorgang wird von unserem Unterbewusstsein gesteuert.

Wir verhalten uns oftmals in einer Art, von der wir glauben, dass unsere Kultur sie annehmen wird, anstatt dass wir das tun, was uns wirklich glücklich macht. Unsere Triebe werden in solchen Momenten frustriert, weil sie als unmoralisch, sozial sanktioniert oder unbekömmlich eingestuft werden.

Diese Widersprüchlichkeiten treten in verschiedenen Situationen allerdings wieder an die Oberfläche: auf unterschwellige Weise in unseren Träumen, in unseren Fantasien oder sie rutschen uns einfach so heraus. Warum lassen wir uns so sehr von dem, was andere vielleicht von uns denken könnten, einschränken?

nachdenklich

Ich, Es und Über-Ich

Im Jahr 1923 erklärte Freud, dass das menschliche Denken in drei Teile aufgeteilt ist. Zum einen gibt es den bewussten Teil unseres Geistes, das Ich Das Ich steht für all die kontrollierten Aspekte unserer Selbst. Dann gibt es da das EsDabei handelt es sich um den unterbewussten Teil unseres Geistes, der von den Prinzipien unserer Triebe kontrolliert wird. Und zuletzt gibt es das Über-IchDieses setzt sich zusammen aus den moralischen Normen, die wir von unserer Kindheit an haben internalisieren müssen und die dann entweder in Schuldgefühle oder in moralischem Handeln münden.

Wahnsinn

Genau wie es schon einige Denker in der Vergangenheit angenommen hatten, braucht der menschliche Geist Harmonie. Heute ist nicht mehr die Rede davon, dass unsere Gehirnzellen, wie etwa in der Humoralpathologie angenommen, das Zusammenspiel von vier Säften ausbalancieren muss. Diese Theorie wurde von den drei oben genannten Teilen des Geistes abgelöst. Nach Freud löst ein solches Ungleichgewicht Neurosen oder Psychosen aus.

Diese Annahme war in der damaligen Zeit ein wichtiger Schritt, denn dies war das erste Mal, dass eine Geisteskrankheit als etwas verstanden wurde, das unabhängig von mentalen oder physischen Verletzungen auftreten kann.

Interessantes über die Theorie des Unterbewusstseins und dessen Anwendung in der psychoanalytischen Methode

1. Der Zwang in der Sprache: Wenn ein Patient sich einer Untersuchung des unterbewussten Teils seines Geistes aufgrund eines bestimmten Problems unterziehen möchte, hängt der Vorgang der Heilung stark vom gesprochenen Wort ab. Die Sprache ist der Ort, an dem innere Konflikte erkannt werden können, also ist es nötig, dass eine Person über entsprechende Themen unbefangen und ohne Zurückhaltung reden kann.

„Das Unterbewusstsein ist wie eine Sprache strukturiert.“

Jacques-Marie Émile Lacan

2. Freie Assoziationen: Mit Hilfe der Sprache bringt der Patient Dinge zum Ausdruck, die für ihn immer noch im Unterbewusstsein liegen. Sein Ich bewegt sich nur an der Oberfläche und kann diese aus diesem Grund nicht erkennen.

3. Interpretation von Träumen: Wenn unsere Träume ein Weg sind, wie unsere inneren Wünsche sich zeigen können, dann ist es ratsam, diese zu untersuchen. Auf diese Weise kann man auch auf Traumata und Konflikte stoßen, welche sich dann lösen lassen. Und sicherlich weißt du: Wir sind, was wir träumen und wir träumen, was wir sind.

Totem

4. Die Rolle des Psychoanalytikers: Dies bringt auf den Punkt, wozu der Psychoanalytiker trainiert ist. Er ermöglicht die bewusste Untersuchung des unterbewussten Teils des Geistes einer Person.

„Würde es helfen, wenn du deinem Unterbewusstsein sagen würdest, dass es sich beruhigen soll?“
„Aber es ist doch mein Unterbewusstsein oder? Das kann ich doch gar nicht kontrollieren.“

Aus: „Inception“

5. Kultur: Dies ist eine Möglichkeit, wie ein Subjekt geformt werden kann, denn schließlich ist ja auch die Kultur von ihm geformt. Durch sie erhält der Forscher ein Feedback über den Patienten. Jeder Zeitabschnitt bringt seine eigenen Kuriositäten und Arten des Seins mit sich. Diese müssen vom Psychoanalytiker untersucht werden, um zu verstehen, welchen Effekt sie auf die Patienten ausüben.

6. Der Ödipuskomplex: Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die interessanteste Kuriosität in der Theorie vom Unterbewusstsein. Freud deutete in seinen Studien darauf hin, dass Männer von ihren Instinkten angetrieben werden. Einer dieser Instinkte ist, den Vater zu töten. Die Figur der Mutter ist dabei dann entscheidend. Die Mutter ist das essenzielle Wesen und gleichzeitig ein Objekt der Begierde, um so den Platz der Vaterfigur einnehmen zu können.

„Die Symptome psychologischer Pathologien passen sich den Gegebenheiten der Gesellschaft, von der ein Patient ein Teil ist, an.“

Nora Sternberg de Rabinovich

Wie wir schon erwähnt hatten, spielt die Kultur eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Ich. Sie ist auch dafür verantwortlich, dass dieses Verlangen nicht in die Tat umgesetzt wird, was wiederum zur Entstehung von moralischem Handeln und Religion führt. Verdrängung und Ödipuskomplex können ebenfalls pathologisch werden.