Wieso manche Menschen so unentschlossen sind

21. April 2016 en Kuriositäten 1 Geteilt

Wenn die Kommunikation zwischen zwei Gehirnarealen unterbrochen wird, werden wir unentschlossener im Bezug auf den Wert einer Sache oder wenn es darum geht, zu entscheiden, was uns mehr zusagt. Jedoch beeinflusst die Unterbrechung dieser Kommunikation nicht die Qualität der wertrationalen oder emotionalen Entscheidungen.

Eine vor Kurzem in Nature Communications  veröffentlichte Studie zeigt, warum die Intensität der Kommunikation zwischen verschiedenen Bereichen des Gehirns die Entscheidungsfreudigkeit bestimmt, die dafür verantwortlich ist, in welcher Art und Weise Entscheidungen getroffen werden, die sich auf unsere Werte beziehen.

Die Intensität der Kommunikation zwischen verschiedenen Gehirnarealen bestimmt, wie wir Entschlüsse aufgrund unserer Wertevorstellungen fassen.

In einer Studie fanden der Professor der Neurobiologie Christian Ruff und sein Team an der Universität von Zürich (Schweiz) heraus, dass die Stärke, in der verschiedene Gehirnareale miteinander kommunizieren, für unsere wertrationale oder emotionale Entscheidungsfindung verantwortlich ist.

Unterschiedliche Verhaltensweisen gegenüber unterschiedlichen Entscheidungen

Entscheidungen, die auf unseren Werten basieren, unterscheiden sich von Entscheidungen, die unsere Emotionen betreffen. Wir lassen unser Bauchgefühl für uns entscheiden, wenn wir uns ein neues Auto anschaffen, ein neues Kleid kaufen oder ein Gericht bestellen. Später könnten wir uns jedoch fragen, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

Emotionale Entscheidungen sind weniger von der Unentschlossenheit betroffen, weil sie auf unseren Erfahrungen beruhen.

Das große Fragezeichen

Die Entdeckungen könnten erklären, wieso manche Menschen so unentschlossen sind

Professor Ruff und seine Kollegen wollten erforschen, wieso einige Menschen sehr entscheidungsfreudig sind, immer zu wissen scheinen, was sie wollen, und hierbei auf ihre Gefühle hören, während andere hingegen immer unentschlossen sind und zweifeln.

Die Forscher fanden heraus, dass die Präzision und die Stabilität der emotionalen Entscheidungen nicht nur allein auf den Aktivitäten bestimmter Bereiche des Gehirns beruhen, sondern auch auf der Intensität der Kommunikation zwischen zwei ganz bestimmten Teilen des Gehirns.

Diese zwei Gehirnareale – der präfrontale Cortex, der direkt unter der Stirn liegt, und der parietale Cortex, der sich oberhalb des Gehörs befindet – spielen eine entscheidende Rolle, wenn es um unsere Vorlieben, räumliches Vorstellungsvermögen und unsere Tatkraft geht.

Wertrationale Entscheidungen basieren auf der Kommunikation zweier Gehirnareale

Um zu diesem Entschluss zu kommen, lud das Team Probanden dazu ein, wertrationale und emotionale Entscheidungen im Bezug auf Essen zu treffen, während ihre Gehirnstörme mittels der sog. transkraniellen Magnetstimulation stimuliert wurden.

Die transkranielle Magnetstimulation ist eine Technologie, bei der mit Hilfe starker Magnetfelder bestimmte Bereiche des Gehirns sowohl stimuliert als auch gehemmt werden können.

Den Probanden wurden Bildern von Nahrungsmitteln gezeigt und man bat sie, auszuwählen, welches sie am Ende des Experiments gern zu sich nehmen würden (wertrationale Entscheidung). Außerdem mussten sie sich beispielsweise entscheiden, ob ein Bild weniger ansprechend ist als ein anderes (emotionale Entscheidung).

Durch die transkranielle Magnetstimulation verstärkten oder reduzierten die Forscher den Informationsfluss zwischen dem präfrontalen Cortex und dem parietalen Cortex, als man die Testpersonen um eine Entscheidung bat.

Menschliches Gehirn

Der Professor beschrieb seine gemachten Entdeckungen wie folgt: „Wir konnten feststellen, dass wertrationale Entscheidungen weniger stabil sind, wenn man den Informationsfluss zwischen zwei Gehirnarealen unterbricht. Unsere Probanden waren deshalb unentschlossener. Bei den rein emotionalen Entscheidungen jedoch konnten wir diesen Effekt nicht bestätigen.“

Ruff und sein Team kamen zu dem Entschluss, dass „die Kommunikation zwischen beiden Bereichen des Gehirns nur relevant ist, wenn wir darüber entscheiden müssen, ob uns etwas gefällt oder nicht, und nicht wenn es darum geht, objektive Entscheidungen zu fällen.“

Das Team konnte beobachten, dass eindeutigere Entscheidungen während der Intensivierung des Informationsflusses zwischen beiden Gehirnarealen nicht getroffen werden können. Das könnte daher kommen, weil alle Probanden noch jung und mit der Fähigkeit, gut überlegte Entscheidungen zu treffen, vertraut waren.

Aus diesem Grund betonten die Forscher, dass es nötig sei, noch weiter zu erforschen, ob diese Technik in einer therapeutischen Behandlung von Nutzen wäre, wenn es z.B. darum geht, herauszufinden, ob sehr impulsiven oder unentschlossenen Patienten, die eventuell unter gestörten Gehirnfunktionen leiden, damit geholfen werden könnte.

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