Ist es Zufall oder Schicksal?

4. Dezember 2017 en Psychologie 159 Geteilt
Zufall oder Schicksal? - Blume mit Wassertropfen

Zufälle haben schon immer die Neugier und die Faszination angeregt. Manchmal scheint alles auf unerklärliche Weise aufeinander abgestimmt zu sein, sodass zwei Situationen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, zueinander zu passen scheinen. Menschen haben schon immer diese zufälligen Gegebenheiten mit einer höheren Macht in Verbindung gebracht. Dies bringt uns dazu, zu fragen, ob es sich tatsächlich um Zufall oder Schicksal handelt?

Beide, Zufall und Schicksal, sind seit jeher Quellen der Sorgen und Fragen. Sie wurden schon aus ganz unterschiedlichen Perspektiven heraus analysiert, die von der Philosophie bis zum Okkultismus reichen. Sie haben eine Macht, die es schon von Beginn an gegeben hat. Warum sind wir geboren worden? Warum in diese Familie, in diesem Land, in diese Umstände und keine anderen? Gibt es etwas, was dies erklären kann, oder ist das Schicksal einfach nicht zu deuten?

„So etwas wie Zufall gibt es nicht; und was uns als einfacher Unfall erscheint, entspringt aus der tiefsten Quelle der Bestimmung.“

Friedrich Schiller

Sowohl das Schicksal als auch der Zufall sind zentrale Elemente einer ganzen Menge an Theorien, die von solchen, die durch Statistiken untermauert werden, bis zu denjenigen reichen, die zufällige – oder schicksalhafte – Phänomene als übernatürliche Eingriffe interpretieren. Ein Name sticht dabei besonders hervor: Carl Gustav Jung. Der Psychoanalytiker, der erst als Nachfolger von Freud und dann als Gründer seiner eigenen Schule bekannt wurde, hat einen Großteil seiner Arbeit diesen Phänomenen gewidmet. Er war derjenige, der das interessante Konzept der Synchronizität aufgestellt hat.

Was ist über Zufall und Schicksal gesagt worden?

Einer der ersten Menschen, der Fragen über den Zufall und das Schicksal gestellt hat, die uns überliefert sind, war wohl Hippokrates, der Vater der Medizin. Wenn es nach diesem weisen griechischen Doktor geht, dann sind alle Komponenten des Universums durch „versteckte Ähnlichkeiten“ miteinander verbunden. Mit anderen Worten gesagt, glaubte er, dass es Gesetze gäbe, die alles erklären und dass wir sie nur noch nicht alle kennen würden.

Universum im Kopf eines Menschen

Arthur Schopenhauer, ein bekannter deutscher Philosoph, hat etwas Ähnliches gedacht: „Die Bestimmung eines Individuums wird sich unvermeidlich an das Schicksal eines anderen Individuums anpassen, und jeder ist der Protagonist seines eigenen Theaterstücks, während er gleichzeitig eine Rolle im Stück seines Mitmenschen spielt. Es handelt sich hierbei um etwas, was unsere Fähigkeit des Verstehens übersteigt.“

Mit Sigmund Freud begann sich das Konzept des „kollektiven Unbewussten“ zu verbreiten, während Carl Gustav Jung ihm eine definitive Form gab. Er definierte es als etwas, das jenseits unseres Bewusstseins allen Menschen innewohnt. Es beinhaltet Erinnerungen, Fantasien und Gelüste, die uns nicht bewusst sind, aber die sich in uns allen abspielen. Das kollektive Unbewusste ist der Ursprung der unbewussten Kommunikation zwischen den Menschen, was wiederum vieles von dem erklärt, was wir als Zufälle bezeichnen.

Zu einem späteren Zeitpunkt hat der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung das Konzept der Synchronizität entwickelt, wobei er die Synchronizität als „zeitlich begrenztes, zufälliges Auftreten nicht kausaler Ereignisse“ definierte. Er bezog sich dabei auf den Zusammenfluss zweier Situationen, die sich nicht gegenseitig bedingt haben und die sich ergänzende Inhalte und Folgen haben.

Existiert das Schicksal oder ist es eine Erfindung?

Obwohl Jungs Theorie sehr attraktiv ist, ist sie nicht die einzige, die den Zufall und das Schicksal zu erklären versuchen. Freud, Vater der Psychoanalyse und Lehrer von Jung, war so ziemlich vom Gegenteil überzeugt. Seiner Ansicht nach existierte das Schicksal nicht. Er meinte, es seien die Menschen, die es durch ihr stures Beharren selbst schafften, dass alles, was passiere, eine Bedeutung erhalte. Eine andere Ursache für das, was wir gemeinhin als Schicksal bezeichnen, sei die Neurose, die Menschen dazu bringe, traumatische Situationen zu wiederholen.

Samen einer Pusteblume im Wind

Der klassischen Psychoanalyse zufolge hat nichts für sich selbst eine Bedeutung. Es sind die Menschen, die den Dingen die Bedeutung zuschreiben und Basis hierfür sind ihre Lüste und Traumata. Menschen neigen dazu, eine Bedeutung in Zufällen zu sehen, die es nicht gibt: „Ich ging gerade die Straße entlang, eine Stunde später als ich es eigentlich vorhatte, als ich jemanden traf, und es ergab sich dann, dass er die Liebe meines Lebens war.“  Sicher, und dasselbe ist dir auch mit zahlreichen anderen Menschen passiert, die sich nicht als die Liebe deines Lebens entpuppt haben. Tatsächlich kann auch die Vorstellung der „Liebe des Lebens“ eine Fantasie sein. Vielleicht ist es eine schöne Vorstellung, aber es bleibt eine Fantasie.

Neurobiologen haben entdeckt, dass bei verstärkter Dopaminfreisetzung im Gehirn das Bedürfnis danach steigt, in allem ein Muster zu sehen. Das bringt Menschen dazu, Zufällen fälschlicherweise eine Bedeutung zuzuschreiben und manchmal komische Verbindungen zwischen Dingen und Situationen herzustellen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben.

Vielleicht haben die Situationen, die wir als Schicksal betrachten, ihre Ursache eher in unserem Unterbewusstsein. Ohne uns dessen bewusst zu sein, versuchen wir, bestimmte Situationen zu erzeugen oder bestimmte Erfahrungen zu machen. Vielleicht sind Menschen nicht so losgelöst vom Schicksal, wie sie denken. Unsere unbewussten Fantasien und Lüste sind es, die das erschaffen, was wir Bestimmung nennen. Es ist nur so, dass es uns eine gewisse Befriedigung verschafft, wenn wir ihnen eine magische Bedeutung geben.

Frau vor Delfinen

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