Ohne Neugier lernt man nichts

14. März 2016 en Psychologie 0 Geteilt

Wenn wir älter werden, verlieren wir unsere Neugier und gewöhnen uns an uns und unsere Realität. Die Erfahrungen, die wir in unserem Leben machen, prägen dann unsere Weltsicht und lehren uns Dinge, die wir unser ganzes Leben mit uns herumtragen.

Das Alter beginnt, wenn die Neugier verloren ist.

José Saramago

Wir stellen basierend auf diesen Erfahrungen und Lehren Vermutungen auf – manchmal auch unüberlegt. Wenn wir mit einer neuen Situation oder einem neuen Problem konfrontiert werden, dann stellt dies oft einen Konflikt für unseren Verstand dar und verwirrt uns. Es entsteht also eine Wissenslücke.

Um diese Diskrepanz zu überwinden, neigt unser Verstand dazu, diese Lücken mit bereits Bekanntem zu füllen. Dabei greifen wir auf unsere Erfahrungen zurück. So kann es auch passieren, dass wir falsche Details in unsere Erinnerungen einbauen.

Vermutungen

Wir stellen leicht Vermutungen über das Verhalten einer bestimmten Person oder die Zukunft an. Wie bereits gesagt, verwenden wir diese Vermutungen, um Unsicherheiten zu überwinden, die uns sonst sehr unangenehm sein können.

Wenn es um Kreativität geht, entsteht ein Problem dann, wenn diese Vermutungen lediglich auf oberflächlichen Beobachtungen basieren, die wenig mit der Realität zu tun haben. Vermutungen sind also nicht generell schlecht, sie können jedoch zu einem Problem werden, wenn sie nicht von Neugier getrieben werden.

Zum Beispiel liegt es an der Neugier, dass die Forschung immer wieder neue Entdeckungen macht. Jeder Wissenschaftszweig wird durch Neugier und die Suche nach Antworten auf Probleme des Lebens oder einfach den Wunsch nach mehr Wissen angetrieben.

Und so fördert Neugier unsere Kreativität, indem sie sie mit einer Herausforderung konfrontiert, die einen kognitiven Prozess anstößt, genauso, wie bei Kindern, die die wundervolle Dreistigkeit besitzen, nach allem zu fragen.

Baby staunt

Der, der seine Neugier verliert, verliert die Fähigkeit, sich selbst zu überraschen.

Neugier bei Kindern

Kreativität und Neugier sind notwendigerweise miteinander verbunden: Ohne das Eine kann das Andere nicht existieren. Das wäre wie zu essen, ohne Hunger zu haben, zu trinken, ohne Durst zu haben oder jemanden zu küssen, ohne Liebe zu empfinden.

Kinder unter sechs Jahren sind in einer Lebensphase, in der sie zu allem eine Frage haben. Ihr Verstand ist dann wie ein unbeschriebenes Blatt. Sie haben noch keine Vorerfahrungen, mit denen sie Vermutungen aufstellen können.

Kinder haben viele Fragen und lernen schnell, weil sie neugierig sind. Ihre Neugier spornt sie an, immer mehr zu erfahren.

Die Rolle der Neugier in der Kreativität

Kreativität erfordert eine offene Einstellung, die sich nicht bloß mit reproduzierten Erfahrungen, Theorien und Vermutungen zufrieden gibt. Alle Fortschritte und Neuerungen in der Geschichte sind daraus entstanden, den Stand der Dinge und das übernommene Wissen in Frage zu stellen. Dabei können wir natürlich auch falsch liegen. Aber das Risiko ist es wert.

Zum Beispiel experimentieren Maler immer wieder mit Farben und Techniken, die das bereits bekannte Wissen erweitern. Die Neugier ist dabei ein wichtiger Antriebsfaktor für ihre Kunst.

Neue, kreative Ideen werden erst dadurch möglich, dass jemand neugierig genug ist, zu experimentieren und zu fragen, bis er ans Ziel kommt. Und das Wundervolle daran ist, dass wir unsere Ängste verlieren, wenn wir neugierig werden.

Wir lernen etwas Neues, das uns fasziniert und dann wollen wir noch mehr darüber erfahren. Dabei geht es weniger um körperliche Anstrengung, ebenso wenig um die Angst vor dem Versagen, vor der Ablehnung oder dem Unbekannten.

Neugier ist ein Durst, der gestillt werden will, ein Impuls, dem man nachgehen muss, egal, was es kostet. Gemäß dem Sprichwort: Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.

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