Ist es schlecht für unsere Gesundheit, Groll zu hegen?

· 7. April 2019

Wer hat sich nicht schon einmal ungerecht behandelt gefühlt? Und wer hat deswegen keinen Groll gehegt? Vielleicht hat uns ein Freund hinter unserem Rücken Unrecht getan oder uns kritisiert. Vielleicht haben wir jemanden gebraucht und er hat uns einfach ans Ende seiner Prioritätenliste gesetzt. Oder vielleicht war es unser Lehrer, der unsere Bemühungen nicht anerkannte, unsere Eltern, die die Schwierigkeiten des heutigen Lebens nicht verstanden, oder unser Partner, der sich in jemand anderen verliebt hat. Wir alle haben das schon einmal erlebt.

Emotionen und Gesundheit

Es wäre toll, wenn negative Emotionen mit Warnzeichen daherkämen oder wenn Kindern in den Schulen beigebracht würde, sie zu managen. Und das ist eine ernste Angelegenheit. Es gibt unbestreitbare Beweise dafür, dass schlecht gemanagte negative Emotionen eine große Gefahr für unsere Gesundheit darstellen können.

Nachtragend zu sein, wirkt sich auf unsere Gesundheit aus

Depressionen beispielsweise sind mit messbaren Störungen der Funktion des Immunsystems verbunden. Menschen mit einer schweren depressiven Störung sind auch einem größeren Risiko ausgesetzt, einen Herzinfarkt zu erleiden, als die Allgemeinbevölkerung. Darüber hinaus scheint die Depression das Risiko einer Osteoporose bei Frauen zu erhöhen. Bei Männern kann eine langfristige Depression zu einer Abnahme der Muskelkraft führen.

Angst scheint ebenfalls mit der Entwicklung von Herzproblemen verbunden zu sein. Außerdem scheint sie die Genesung nach Operationen zu verzögern.

Was ist Groll?

Groll ist ein Gefühl, das den emotionalen Zustand vieler Menschen beschreibt. Und er induziert Verhaltensweisen, die die Person in diesem Zustand halten. Groll neigt dazu, mit einer gewissen Hartnäckigkeit zu kommen, die ihn resistent gegen die Maßnahmen macht, die wir ergreifen, um ihn loszuwerden.

Wir Menschen hegen Groll, weil wir uns ungerecht behandelt fühlen, weil jemand unsere Erwartungen nicht erfüllt oder uns verletzt hat. Wir empfinden Ablehnung gegenüber der Person, die uns das angetan hat. Und wenn wir Groll hegen, vergessen wir diese Meinungsverschiedenheiten mit jener Person nicht. Wir brauchen dann viel mehr Zeit, um das Geschehene aufzunehmen, um zu vergeben und weiterzumachen.

Wütendes Paar auf zwei Seiten einer Wand

Wie wirkt sich Groll auf unsere Gesundheit aus?

Um dieses Thema zu analysieren, untersuchten vanOyen-Witvliet et al. (2002) die emotionalen und physiologischen Folgen des Handelns, das durch Groll motiviert war. Sie taten dies durch ein Experiment. Sie baten eine Gruppe von Studenten, Ärgernisse zu benennen, die sie erlebt hatten. Der Großteil dieser Ärgernisse war durch Partner, Freunde, Geschwister oder Eltern verursacht worden. Sie umfassten Umstände wie Ablehnung, Lügen oder Beleidigungen.

Danach erhoben die Forscher physiologische Daten wie Herzfrequenz, Blutdruck und Spannung in der Gesichtsmuskulatur. Sie erhoben sie in zweierlei Situationen: als sich die Studenten eine nachsichtige Reaktion auf diese Ärgernisse vorstellten und als sie beschlossen, wegen ihnen Groll zu hegen. Die nachgiebige Gruppe entschied sich für Vergebung und Mitgefühl gegenüber dem Schuldigen. Die andere Gruppe musste das Opfer spielen, sich auf den Schaden konzentrieren und Groll hegen.

Ist es möglich, dass zwei Arten des Umgangs mit der gleichen Situation die Stimmung und den physiologischen Zustand der beteiligten Studenten verändern können? Die Antwort ist ja. Die Teilnehmer, die aufgefordert waren, nachsichtig zu sein, erlebten mehr Einfühlungsvermögen und Barmherzigkeit. Diejenigen jedoch, die Groll hegten und verärgert waren, berichteten mehr über negative Gefühle und Traurigkeit.

Die Wissenschaftler beobachteten auch einen erhöhten Tonus der Gesichtsmuskulatur und dass Herzfrequenz, Blutdruck und elektrische Leitfähigkeit der Haut zunahmen. Die Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit der Haut deutete auf ein stärker aktiviertes autonomes Nervensystem hin, das uns darauf vorbereitet, zu handeln, wenn wir eine Bedrohung wahrnehmen.

Freundinnen, die Groll hegen

Ein weiteres Resultat war noch überraschender. Als das Experiment beendet war, baten sie die Teilnehmer, sich zu entspannen. Die Testpersonen, die verärgert waren, waren dazu nicht in der Lage. Der physiologische Aktivierungszustand, in dem sie sich befanden, war sehr schwer loszulassen.

Groll zu hegen ist gefährlich

Was sind die Botschaften, die uns diese Studie vermittelt? Feindseligkeiten zu erleben, schadet unserer Gesundheit nicht. Allerdings können wir uns, wenn wir dazu neigen, an Ärgernissen festzuhalten, auf lange Sicht selbst verletzen. Die Nährung des Zorns und seiner physiologischen Komponenten hat negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf- und Immunsystem.

Deshalb kann das Festhalten an Ressentiments gefährlich für die Gesundheit sein. Auch wenn es nicht immer einfach ist: denjenigen zu vergeben, die uns schaden, kann Stress abbauen und das Wohlbefinden steigern. Wir könnten die Auswirkungen des Grolls mit denen des Tragens einer Tasche voller Ziegelsteine vergleichen: sie sind eine Last, die unsere körperliche Gesundheit gefährdet. Aus diesem Grund müssen wir unser Wohlbefinden in den Vordergrund stellen und aufhören, Groll zu hegen.