Ist eine Beziehung mit einem Ultimatum zu retten?

Droht dein Partner ständig damit, dich zu verlassen, wenn du nicht tust, was er will? Hüte dich vor Ultimaten in Beziehungen. Sie dienen der Manipulation und Kontrolle.
Ist eine Beziehung mit einem Ultimatum zu retten?

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 30. Juli 2022

Ein Ultimatum ist in der Regel eine Drohung, mit der manche Personen versuchen, ihre Beziehung zu retten: “Wenn du das nicht tust, dann ist es vorbei…” Wir erleben in allen Alltagsbereichen immer wieder ähnliche Situationen. Wenn wir am Arbeitsplatz bestimmte Dinge nicht tun, droht eine Entlassung, wenn wir die Steuern nicht bezahlen, droht eine Strafe… Das Ultimatum erinnert uns daran, in einer gewissen Frist, ein bestimmtes Problem zu lösen.

Wenn es in deiner Beziehung immer wieder zu dieser Art von Drohung kommt, handelt es sich um einen emotionalen Boykott. Manchmal bezweckt dieses Verhaltensmuster, die Freiheit einer Person einzuschränken oder sogar ihr Wesen zu erniedrigen.

Wenn ein Ultimatum dazu dient, die Freiheit der “geliebten” Person einzuschränken, und als Bedrohung betrachtet werden muss, handelt es sich um eine krankhafte Beziehung, für die es keine andere Lösung als eine Trennung gibt.

Menschen, denen es an emotionaler Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit mangelt, greifen am ehesten zu Drohungen.

Frau gibt ihrem Mann ein Ultimatum
Ein Ultimatum ist in der Kommunikation innerhalb einer Beziehung nicht effizient.

Drohungen als Kontrollmechanismus

Niemand fühlt sich gerne in die Enge getrieben. Aber genau das ist es, was ein Ultimatum in einer Beziehung erreicht (und anstrebt): Es versetzt den Partner oder die Partnerin in eine Alles-oder-Nichts-Situation. Entweder du bist für mich oder gegen mich, entweder du stimmst meinen Forderungen zu oder die Beziehung ist vorbei. Es handelt sich um eine klare Form von Zwang, die dich psychologisch und emotional in den Abgrund führt.

Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass jene Person, die einmal ein Ultimatum stellt, das mit Sicherheit öfters tun wird. Diese Praxis ist nicht zufällig, sie entspricht einem ganz bestimmten Persönlichkeitsmuster. Im Allgemeinen handelt es sich um Menschen mit geringer emotionaler und kommunikativer Intelligenz, die auf eine Forderung gefolgt von einer Drohung zurückgreifen.

Diese Praxis beschreibt zwei der Dimensionen, die John Gottman, ein Psychologe und Experte für Beziehungen, als die 4 Reiter der Apokalypse definiert hat. Es handelt sich um Prozesse, die fast immer einer Trennung und der Zerstörung der emotionalen Bindung vorausgehen.

Verachtung und Kritik sind zwei Komponenten, die oft zur Formulierung einer Drohung führen. Wenn der einen Person nicht gefällt, was die andere tut, folgen Abwertung und Verachtung. Der letzte Schritt ist die Drohung und dieses psychologische In-die-Ecke-Stellen, bei dem eine einseitige und unverblümte Forderung gestellt wird.

Wie sind Menschen, die wiederholt ein Ultimatum verwenden, um ihr Ziel zu erreichen?

Ein Ultimatum ist in einer Beziehung eine Warnung, um auf bestimmte Verhaltensweisen hinzuweisen. Wenn die andere Person die Forderung nicht erfüllt, droht das Beziehungsende, doch die starke Abhängigkeit lässt dies meist nicht zu.

Die Strafe ist häufig, einige Tage nicht mit dem Partner zu sprechen (das Gesetz des Eises). Doch nur selten kommt es nach einem Ultimatum zu einer Trennung. Warum ist das so?

  • Es handelt sich um Menschen, die kontrollsüchtig sind.
  • Wenn sie nicht fähig sind auszudrücken, was sie stört, greifen sie auf Drohungen zurück.
  • Dazu kommt oft die Unfähigkeit, mit Frustration oder Wut umzugehen, die entstehen, wenn sie das Verhalten des Partners oder der Partnerin nicht tolerieren können. Deshalb stellen sie ein Ultimatum.
  • Diese Ressource ist typisch für Profile mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, einer narzisstischen Störung oder für Menschen mit starkem Neurotizismus.
  • Mangelndes Vertrauen in die andere Person, aber auch Eifersucht und persönliche Unsicherheit führen oft zu dieser Art von Verhalten.

Wenn das Ultimatum bedrohlich ist, keine Möglichkeit eines Dialogs besteht und die Motivation Eifersucht, Groll oder mangelndes Vertrauen ist, führt es zu immensen Schäden bei der anderen Person.

Frau stellt Ultimatum
Ein Ultimatum sollte sehr konkret sein und nur in Extremfällen zum Einsatz kommen, um zu versuchen, die Beziehung zu reparieren.

Gibt es Fälle, in denen ein Ultimatum angemessen ist?

Ein Ultimatum ist immer eine Drohung und erzeugt Angst wie eine Studie der Harvard Medical School zeigt. Die bedrohte Person muss mit Konsequenzen für ihre Handlungen rechnen, die ihr Angst machen.

Häufig kommen Ultimaten im Kontext von psychologischem Missbrauch zum Einsatz. Wenn die andere Person nicht so ist, nicht tut oder nicht so reagiert, wie es der Partner oder die Partnerin verlangt, ist diese aggressive Kommunikation die Folge. Nun stellt sich die Frage: Sollten wir diese Strategie unbedingt in allen Fällen vermeiden?

Es gibt bestimmte Anlässe, in denen ein Ultimatum nötig ist. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn risikoreiche Verhaltensweisen wie Süchte auftreten. Auch, wenn schädliche Dynamiken in der Beziehung auftauchen und du dich gezwungen siehst, eine entscheidende Veränderung zu fordern.

Im Wesentlichen ist ein Ultimatum eine spezifische Strategie, um einer Person eine letzte Chance zu geben, bevor es zu spät ist. Außerhalb dieser Situation sind Ultimaten nutzlos und verursachen großen emotionalen Schaden.

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