Ich suche mir meine Kämpfe selbst aus

10. Dezember 2016 en Emotionen 3 Geteilt

Vielleicht ist es nobel und praktisch, wenn wir unsere Rechte sowie das, was wir denken, was richtig ist, und das, was wir denken, was Wert hat, verteidigen. Diese Art, uns mit uns selbst zu verbinden, ist in der Psychologie auch unter Selbstbehauptung bekannt. Es ist ein sehr verbreitetes therapeutisches Ziel für Patienten mit geringem Selbstbewusstsein oder zwischenmenschlichen Problemen. Die Wahrheit ist, dass die Welt ziemlich still stehen würde, wenn wir immer passiv und unterwürfig wären und allem zustimmen würden. Ein komplett anderes Thema sind Kämpfe, in die wir uns immer wieder verwickelt finden.

Manchmal müssen wir „kräftig auf den Tisch hauen“, um Dinge zu erreichen und andere sehen zu lassen, dass unsere Sichtweise wichtig und gültig ist. Das Problem ist, dass diese Situationen oft aus dem Ruder laufen und wir „Kriege“ beginnen, statt Friedensverhandlungen zu führen.

Warum fangen wir solche absurde Kriege an?

Menschen mögen es, sich wichtig zu fühlen und vor allem zu sehen, dass sie ihre Sehnsüchte genau so erfüllen, wie sie es wollen. Wir neigen dazu, uns mit absolutistischen und dogmatischen Phrasen zu sagen, dass „es keine Schlangen in Supermärkten geben sollte. Die Kassierer sollten schneller sein.“  Oder dass „die Krankenschwester netter sein sollte.“  In vielen Fällen werden wir dann in absurde Streitigkeiten gezogen.

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Dieses „sollte“ ist nichts mehr als ein Anspruch, den wir an die Welt und andere erheben. Am Ende führt es zu einem unangenehmen mentalen Zustand, meist Angst oder Wut. Als eine Konsequenz dessen handeln wir auf eine Art und Weise, die niemandem etwas Gutes bringt. Weit davon entfernt, ein kleines Problem zu lösen, verwandeln wir es in einen authentischen Kampf.

All das existiert nur in unseren Köpfen, denn die Dinge sind, wie sie sind. Durch unsere Gedanken verwechseln wir etwas Wünschenswertes mit etwas Obligatorischem für andere.

Toleranz oder Angepasstheit?

Aber das heißt nicht, dass wir allem zustimmen müssen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Konformismus ist für Feiglinge und heißt, bei den Dingen die uns wirklich wichtig sind, nicht durchsetzungsfähig zu sein und einfach bei allem mitzumachen – ganz gleich, ob ich will oder nicht, ob es mit meinen Werten und Interessen übereinstimmt.

Der Schlüssel ist, Toleranz den Dingen gegenüber zu entwickeln, die nicht oder nur kaum wichtig für uns sind. Eine lange Schlange an der Supermarktkasse ist sicher kein Weltuntergang. Wir können das nicht wirklich als Problem bezeichnen. Sie nervt uns, macht uns nervös… aber ist es das wirklich wert? Diese Anspannung bringt uns oft dazu, dass wir uns wie ein Kind verhalten und die Abweisung der Menschen um uns herum auf uns ziehen, denen es egal ist, ob wir es eilig haben, nervös sind oder uns langweilen.

Wir müssen hier sehr deutlich sein: Es gibt Dinge, die wir kontrollieren und nach unseren eigenen Kriterien lösen können. Aber es gibt andere, bei denen wir das tatsächlich nicht können und de facto sind das die meisten Dinge. Das Einzige, was wir wirklich ändern können, ist unser Blickwinkel auf die Welt und wie wir sie interpretieren.

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Wie toleriere ich die Dinge, die mich unwohl fühlen lassen?

Um zu lernen, all das zu tolerieren, was Unbehagen in uns auslöst, können wir dir den folgenden Rat geben:

  • Lerne es, deine automatisch negativen Gedanken zu erkennen. Wenn du dich selbst in einer Situation wiederfindest, die objektiv betrachtet nicht wichtig ist, wenn deine Nachbarn beispielsweise entschieden haben, die Musik lauter als gewöhnlich zu hören, dann frage dich, was gerade in deinem Kopf passiert. Verlangst du, dass die Dinge anders sind? Sagst du dir selbst, dass das nicht toleriert werden kann? Wenn die Antwort ja ist, dann verhältst du dich wie ein Gott, wie ein höher gestelltes Wesen, das über andere urteilen kann und sie Sachen anders machen lassen kann. Aber die Wahrheit ist, dass das eine Fantasie ist, die nur in deinem Kopf existiert.
  • Beginne damit, diese Gedanken in andere zu verwandeln. In Gedanken, die sich der Welt, wie sie ist, anpassen, und nicht einer, von der wir kindischerweise erwarten, dass sie anders ist. Anstatt in Form von „sollte“ zu sprechen, sprich in Form von Vorlieben. Anstatt dir zu sagen, dass etwas intolerabel ist, sei ehrlich zu dir selbst: Du wirst es schon tolerieren können und mit den Umständen klarkommen.
  • Benutze Humor in Situationen, die du nicht magst, oder die nicht wünschenswert sind. Humor macht fast alles leichter, besonders die alltäglichen Dinge.
  • Beziehungen sind wie Gänge, die man wechseln kann, und wenn du umschaltest, dann tut es der andere auch. Wenn ich bemerke, dass der Arzt unfreundlich ist und mich nicht sehr gut behandelt, dann zwinge ich mich dazu, freundlich und gut zu ihm zu sein und seine Einstellung wird sich sehr wahrscheinlich ändern. Auch Liebe ist entwaffnend und verändert Beziehungen.

Lass dich nicht von deinen Emotionen mitreißen. Du musst lernen, dir deine Kämpfe selbst auszusuchen.

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