Frustrierte Menschen urteilen gern über andere

1. März 2016 en Psychologie 1127 Geteilt

Alle Personen, ganz gleich welcher Religion oder welcher sozialen Gruppe sie angehören, erwarten, dass sie von der Gesellschaft gerecht behandelt werden.

Wenn wir über Gerechtigkeit reden, müssen wir zahlreiche Standpunkte in unsere Betrachtung miteinbeziehen, aber in diesem Artikel wollen wir nicht auf den rechtlichen Standpunkt eingehen, sondern mehr den psychologischen Aspekt des Urteilens und Beurteiltwerdens im täglichen Leben betrachten.

„Es ist viel schwieriger, über sich selbst zu richten, als über andere Personen zu urteilen.“

Antoine de Saint Exupérie

Wir sind uns darüber einig, dass manche Personen ihr Urteil nicht aufgrund von speziellen und isolierten Situationen fällen, sondern die Rolle des Richters über den Alltag anderer Personen einnehmen, ohne von diesen darum gebeten worden zu sein.

Natürlich ist dies ein Fehler, wenn nicht einmal ein Richter die Befugnis hat, außerhalb seines Gerichtssaals so zu handeln, weil er nur dort für diese Funktion eingesetzt wurde.

Wieso ist unsere Gesellschaft voll von falschen Richtern? Warum denken diese Personen, dass ihre eigenen Wertvorstellungen für sich und andere gelten? Warum urteilen sie über andere? Wie sind diese Leute an diesem Punkt angelangt?

„Ich hasse Urteile, die nichts verändern, sondern nur zerstören.“

Elias Canetti

Es ist interessant zu sehen, welche Merkmale diese Richter ohne Auftrag gemeinsam haben, die sich in einigen Situationen die Freiheit nehmen, schadbringende und hasserfüllte Aussagen über alles und jeden in ihrer Umgebung zu machen.

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Personen, die über andere Leute urteilen:

  • …verabscheuen meist einen Großteil ihres eigenen Lebens und versuchen aus diesem Grund, auch das Leben anderer Leute mit ihren Ansichten zu vergiften.
  • …sind nicht zufrieden mit dem, was sie machen, und können es nicht verkraften, dass andere Personen mit ihrem Leben zufrieden sind.
  • …sind nicht einfach zu erkennen, da sie meist keine gefühlskalten Menschen sind und nicht über eine negative Gesinnung verfügen. Aber sie sind meist extrem frustriert und diese Frustration führt zur Aggression, die sich in ihren verschiedenen Formen äußert.
  • …werden von den Entscheidungen gequält, die sie getroffen haben, vielleicht sogar getrieben von äußeren Einflüssen, ohne diese Entscheidungen so gewollt zu haben. Sie führen ein Leben voller psychologischer Konflikte, die sich um die im eigenen Leben getroffenen Entscheidungen drehen.
  • …möchten den Verlauf des eigenen Lebens rechtfertigen, indem sie das Leben anderer Personen kritisieren. In manchen Situationen nutzen sie die famose Rechtfertigung: „Ich bin eigentlich doch kein schlechter Mensch, wenn ich mir das Leben von X anschaue.“
  • …sprechen zweifellos über Personen und nicht über Ideen.
  • …urteilen über andere Personen nicht von einem objektiven Standpunkt aus, der die Fehlentscheidungen und die Erfolge dieser Personen näher beleuchten würde. Sie fällen ihr Urteil basierend auf einfachster Polemik, die sich in ihrem subjektiven Eindruck, ihrer einfachen Denkweise und ihrem Neid widerspiegeln.
  • …haben Wertvorstellungen, die nicht dazu geeignet sind, ihr eigenes Leben und das Leben der Personen, die sie umgeben, zu beruhigen, sondern die nur darauf ausgelegt sind, andere Menschen ständig zu kritisieren.
  • …haben keine Hobbys oder Aktivitäten, mit denen sie sich beschäftigen.
  • …sind meist unkritisch in der Beurteilung ihrer eigenen Fehler. Es gefällt ihnen aber nicht, bei einer Aufgabe kritisiert zu werden, die sie durchführen.
  • …sind leicht zu irritieren und reagieren dann gereizt.

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  • Die Erfolge anderer Personen sind in ihrem Denken äußeren Umständen, Zufällen oder günstigen Gegebenheiten geschuldet, während die eigenen Erfolge als verdient, berechtigt und unabhängig von jedweder glücklichen Fügung entstanden sind. Oder anders ausgedrückt ist ihr Erfolg berechtigt, während der Erfolg anderer Personen auf Zufall basiert.
  • Sie glauben, dass die Personen in ihrer Umgebung damit beschäftigt sind, Werturteile über andere Personen abzugeben, damit diese sich nicht mit ihren eigenen Leistungen auseinandersetzen müssen.
  • Diese Leute teilen ihre Meinungen nicht in Anwesenheit zahlreicher Personen mit. Daran haben sie kein Interesse, da sie sonst entlarvt werden könnten.
  • Ihre Kritiken weisen häufig den Wunsch auf, zu experimentieren, was das Leben ihnen vorenthalten hat oder was sie nicht selbst erreichen konnten.
  • Sie haben kein Interesse daran, sich zu selbst zu verbessern, sondern denken, dass die beste Art herauszuragen darin besteht, die Leistungen anderer Leute schlechtzureden.
  • Sie geben ihr Werturteil zu unwichtigen und privaten Dingen bis hin zu öffentlichen und gefährlichen Angelegenheiten ab.

Du solltest Personen dieser Art am besten ignorieren und ihnen niemals Macht über dich einräumen, die es ihnen erlaubt, deinen Ruf oder deine Arbeitsleistungen vor deinem Freundeskreis, deiner Familie oder jeder anderen Art von Publikum in Frage zu stellen.

Gegen diese Personen hilft nur die Ignoranz als Gegenmittel, aber du musst gleichzeitig auch sehr wachsam sein, damit diese Leute die Grenzen deiner Privatsphäre nicht so weit überschreiten können, dass sie dir Schaden zufügen können.

„Es gibt Lichter, die alles bescheinen, nur nicht den eigenen Leuchter.“

Friedrich Hebbel

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