Wie können wir Kindern helfen, Probleme zu lösen?

16. September 2016 en Psychologie 0 Geteilt

Kinder müssen lernen, selbst ihre Probleme zu lösen. Das ist eine sehr wichtige Fähigkeit für die Zukunft unserer Kinder. Wenn wir ihnen also dabei helfen, diese Fähigkeit zu verbessern, dann tun wir ihnen einen großen Gefallen. Man muss nicht warten, bis sie Jugendliche sind: Ein Kind sollte sich bereits im Vorschulalter seinen Problemen stellen.

Indem wir ständig eingreifen und versuchen, den Großteil ihrer Probleme für sie zu lösen, erziehen wir abhängige, schwache und unverantwortliche Kinder. Diese übertriebene Behütung zeigt sich klar in so alltäglichen Situationen wie beim Erledigen der Hausaufgaben oder wenn man versucht, die Konflikte zu lösen, die sie mit ihren Kameraden haben.

Das Problem vieler Eltern ist jedoch, dass auch sie nicht genau wissen, wie ein solcher Problemlösungsprozess abläuft. Sie lösen ihn, wie sie es am besten wissen, ohne dabei den Prozess genau zu kennen und ohne in der Lage zu sein, diesen beschreiben zu können. Dies ist nicht schlimm, es bedeutet einfach nur, dass sie einen Prozess eingeleitet haben, sie ihn aber nicht erklären können.

Warum müssen Kinder ihre eigenen Probleme lösen?

Kinder begegnen tagtäglich einer Menge von Problemen, diese reichen von schulischen Problemen, Konflikten mit den Freunden, beim Spielen oder beim Sport bis hin zu Schwierigkeiten, eine Aufgabe zu erfüllen oder auch zum Beispiel Probleme damit, zu wissen, was man am besten bei einer bestimmten Gelegenheit anzieht.

Wenn ein Kind ein Problem löst, dann steigert es gleichzeitig sein Selbstwertgefühl und das Vertrauen, was es in sich selbst hat. Etwas, was es ohne Zweifel unabhängiger und sicherer machen wird.
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Auf der anderen Seite, wenn ein Kind nicht die Fähigkeiten dazu hat, auf irgendeine Weise ein bestimmtes Problem zu lösen, und es sich somit minderwertiger als andere fühlt, dann wird ein Prozess des Ausweichens in Gang gesetzt. Wenn ein Kind beispielsweise von anderen geärgert wird und nicht sicher ist, wie es darauf reagieren soll, dann wird es, anstatt sich der Situation zu stellen, sagen, dass ihm die Schule nicht gefällt, es wird weniger lernen oder gesundheitliche Probleme anführen, damit es sich nicht der Situation aussetzen muss.

Andere Kinder, denen es an Problemlösungsfähigkeiten mangelt, werden vielleicht stattdessen davon ausgehen, dass sie keine andere Wahl haben, als direkt darauf zu reagieren und machen dies impulsiv: Sie reagieren, ohne zu denken, und sie werden einfach das machen, was jemand ihnen sagt oder ihren Widerstand in Form von Gewalt ausdrücken.

Den Kindern dabei zu helfen, zu lernen, wie man Alternativen findet und die beste auswählt, heißt nicht, diesen Prozess an ihrer Stelle zu durchleben, sondern sie dabei zu begleiten.

Wie kann man Kindern beibringen, ihre Probleme richtig einzuschätzen?

Die Kinder müssen zunächst einmal erkennen, dass sie ein Problem haben. Manchmal sind sie sich dessen nicht bewusst oder trauen sich nicht, es auszusprechen. Das Kind muss akzeptieren, dass es ein Problem hat. Oder wie Ludwig Wittgenstein sagte: „Wenn ein Problem gedacht werden kann, dann kann es auch gelöst werden.“  Wahrscheinlich dachte er eher an transzendentale philosophische Probleme, aber seine Idee ist auf alltägliche Probleme übertragbar.

Haben die Kinder einmal das Problem identifiziert, dann ist der Moment gekommen, sich verschiedene Lösungswege auszudenken, bevor man sich schließlich für einen entscheidet. Eine Methode, die ihnen sehr viel Spaß macht und die auch wir Erwachsenen verwenden können, ist der Ideenregen. Dieser besteht darin, alle Lösungen zu nennen, die uns nur einfallen, egal wie abwegig sie auch klingen mögen. Diese Form zu denken funktioniert prima, eben weil diese abwegigen Ideen – nachdem man sie weiter durchdacht hat, zu einer wirklich guten Lösung werden können.

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Hat ein Kind einmal mehrere Optionen und ihre unterschiedlichen Folgen erkannt, dann kommt der Moment der Entscheidung, welche Alternative am besten ist. Hier muss man den Kindern beibringen, dass sie immer noch etwas anderes ausprobieren können, wenn sie sich für eine Handlung entscheiden und diese das Problem nicht löst. In diesem Sinne muss man sie dazu animieren, immer weiter nach einer Lösung zu suchen, bis das Problem schließlich gelöst ist.

Probleme aktiv diskutieren

Wenn bei Kindern Probleme auftreten, und solange diese sie nicht in eine wirklich gefährliche Situation bringen, müssen wir uns gar nicht beeilen, das Problem für sie zu lösen. Wenn du siehst, wie dein Kind versucht, eine Schwierigkeit zu überwinden, dann lass es das machen, auch wenn es ihm tausendmal schwerer fällt als dir. Es ist viel wertvoller, dass es mit Hoffnung und Mut etwas angeht als die Tatsache, ob es schließlich etwas erreicht oder nicht.

Nur wenn du siehst, dass es wirklich nicht weiß, was los ist und was es tun kann, oder wenn es in die ganz falsche Richtung läuft, dann kannst du ihm eine Hand reichen. Aber nicht, um das Problem zu lösen, sondern um ihm zu helfen, es zu erkennen und es in die richtige Richtung zu lenken, in der es nach Lösungen suchen kann.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass man ein Kind nicht dafür bestrafen oder tadeln sollte, wenn es nicht dazu in der Lage ist, einen Konflikt zu lösen oder wenn es Zeichen gibt, dass es ein Problem hat. Wenn es zum Beispiel ständig mit seinen Geschwistern streitet oder schlechte Noten bekommt, dann muss man es dazu bringen, dass es das Problem erkennt und nach Lösungen sucht und nicht die Quelle des Konflikts und der Schwierigkeiten weiter befeuern.

Lass zu, dass das Kind die natürliche Folgen seiner Entscheidungen erfährt

Nur wenn man zulässt, dass Kinder die natürlichen Konsequenzen ihrer Entscheidungen erfahren, dann können sie erst richtig die Fähigkeiten entwickeln, die sie zum Umgang mit Problemen brauchen. Es geht darum, dass das Kind eine Entscheidung trifft und sich danach deren Folgen stellt, den negativen als auch den positiven, die diese mit sich bringt.

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Wenn ein Kind oder ein Jugendlicher die Folgen einer  Entscheidung erfährt, die sie frei getroffen haben, dann kann man den Moment nutzen, um mit ihnen zu diskutieren, warum etwas Bestimmtes passiert ist und welche anderen Optionen es gegeben hätte.

Wenn wir jedoch nicht zulassen, dass unsere Kinder beginnen, sich in der wirklichen Welt zu bewegen, dann werden sie nicht lernen, gute Entscheidungen zu treffen, sie werden jede Art von Risiko falsch einschätzen, weil sie das Gefühl haben, komplett immun zu sein. Vergessen wir also nicht, dass sie nur dann lernen können, Entscheidungen zu treffen, wenn wir sie den ganzen Prozess erfahren lassen, von der Definition des Problems bis hin zur Konfrontation mit den Folgen ihrer Handlungen.

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