Perfekte Kinder sind traurige Kinder

· 5. September 2016

Perfekte Kinder wissen nicht immer, wie sie lächeln sollen, und kennen auch nicht den Klang des Glücks. Sie haben Angst davor, Fehler zu machen und die sehr hohen Erwartungen ihrer Eltern nicht zu erfüllen. Ihre Erziehung basiert nicht auf Freiheit oder Anerkennung, sondern vielmehr auf der Autorität einer strengen und fordernden Stimme.

Laut der Vereinigung US-amerikanischer Psychologen (APA), sind heutzutage Depressionen schon bei Teenagern ein sehr ernstes Problem. Viel zu hohe Forderungen seitens der Eltern führen schnell zu einem sehr niedrigen Selbstwertgefühl, Angstgefühlen und einem starken emotionalen Unbehagen. 

Erziehung muss immer auf Grundlage von Freude und Selbstfindung geschehen und nicht wie ein Leitfaden, der ausschließlich auf Perfektion basiert, wobei die Rechte des Kindes vollkommen untergraben werden. 

Was wir immer im Hinterkopf behalten müssen, ist, dass Forderungen während der Kindheit eine irreversible Markierung im Gehirn eines Erwachsenen hinterlassen. Wir sehen uns selbst nie als kompetent genug und auch nicht als perfekt genug, zumindest nicht, wenn wir uns nach den Idealen richten, die uns anerzogen wurden. Wir müssen deshalb diese einschränkende Bindung durchbrechen, die unsere Fähigkeit, glücklich zu sein, unterdrückt.

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Perfekte Kinder: Wenn die Kultur der Leistung extreme Formen annimmt

Oft wird gesagt, dass die Erziehung nicht konsequent genug sei, dass Lehrer und Eltern viel zu tolerant seien und dass Studenten deshalb nur sehr wenig Toleranz für Frustration hätten. Doch das ist nicht ganz wahr. Im Allgemeinen und vor allem in Zeiten von Krisen suchen Eltern „hervorragende Leistungen“ bei ihren Kindern. 

Wenn ein Kind eine 2 in Mathe bekommt, dann wird es unter Druck gesetzt, eine 1+ zu bekommen. Die Nachmittage der Kinder sind dann voll mit außerschulischen Unterrichtseinheiten und ihre Freizeit ist nur darauf ausgelegt, noch mehr Wettkämpfe zu suchen. Das bringt Stress, Erschöpfung und Hilflosigkeit mit sich.

In dem interessanten Buch The Price of Privilege  von Dr. Madeleine Levine erklärt die Autorin, dass wir in unserem Bedürfnis, perfekte Kinder zu erziehen, die bereit für die Zukunft sind, eigentlich nur erreichen, dass die Kinder, die wir aufziehen, „vom Glück getrennt“ sind. 

Zu erziehen bedeutet, Autorität mit Liebe ausführen zu können und die Schritte der Kinder sicher und mit Zuneigung zu begleiten. Denn die Kindheit ist eine Rücklage für das gesamte Leben. 

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Die Konsequenzen davon, wenn man zu viel von Kindern erwartet

Es gibt etwas, was wir uns merken sollten. Wir können unsere Kinder mit der Kultur der Leistung erziehen. Wir können und wir sollten auch gewisse Dinge von ihnen erwarten. Daran gibt es keinen Zweifel, doch alles hat seine Grenzen. Deshalb solltest du deine Forderungen mit uneingeschränkter Liebe und Akzeptanz abfedern. 

Sonst werden unsere perfekten Kinder traurige Kinder sein, die folgende Gefühle durchleben müssen:

  • Abhängigkeit und Passivität: Ein Kind, das daran gewöhnt ist, dass man ihm alles sagt was es tun soll, wird aufhören, eigene Entscheidungen zu treffen. Auf diese Weise werden sie immer nach externer Zustimmung suchen und ihre Spontaneität und ihre persönliche Freiheit verlieren.
  • Fehlende Emotionen: Perfekte Kinder unterdrücken ihre Emotionen, um sich an „das was getan werden muss“ anzupassen. All diese emotionale Unterdrückung bringt ernste kurzfristige und längerfristige Konsequenzen mit sich.
  • Niedriges Selbstwertgefühl: Ein Kind oder ein Teenager, der daran gewöhnt ist, externe Forderungen zu erfüllen, hat weder die Fähigkeit der Eigenständigkeit, noch ist er dazu in der Lage, Entscheidungen zu treffen.
  • Frustration, Ärger und inneres Unbehagen können sehr leicht in Aggressionen umschlagen. 
  • Nervosität ist eine weitere Charakteristik von Kindern, deren Erziehung auf Forderungen basiert. Jede Veränderung oder neue Situationen führen zu persönlicher Unsicherheit oder einer starken Nervosität.
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Fordernde Eltern vs. verständnisvolle Eltern

Das Bedürfnis, „perfekte Kinder“ zu erziehen ist ein subtiler und direkter Weg, der Welt unglückliche Kinder zu geben. Der Druck dieser Forderungen wird sie immer begleiten. Das verstärkt sich sogar noch, wenn die Erziehung auf der Abwesenheit von positiven Verstärkungen und Zuneigung basiert.

Es ist klar, dass wir uns als Mütter und Väter für unsere Kinder wünschen, dass sie erfolgreich sind. Aber vor allem wollen wir doch, dass sie glücklich sind. Niemand will, dass sein Kind eine Depression im Erwachsenenalter entwickelt oder dass es zu hohe Anforderungen an sich selbst hat. Wir wollen, dass sie wissen, wie sich eingliedern können, lächeln und sich erlauben können, Fehler zu machen.

Allgemeine Charakteristika

An diesem Punkt müssen wir in der Lage sein, den Unterschied zwischen einer Erziehung, die auf strikten Forderungen basiert und einer Erziehung, die auf Verständnis und emotionaler Verbindung mit unseren Kindern basiert, zu nennen.

  • Fordernde und kritische Eltern neigen dazu, selbst unsicher zu sein, weshalb sie immer alles unter ihrer Kontrolle haben müssen.
  • Verständnisvolle Eltern „pushen“ ihre Kinder in Richtung eines Ziels, wobei sie ihnen erlauben, auf eigene Faust Dinge zu entdecken, zu fühlen und zu erfahren. Sie stehen immer als Helfer zur Verfügung, versuchen aber nicht, ihre Kinder zu Marionetten oder Puppen zu machen.
  • Fordernde Eltern sind autoritär und haben einen Lebensstil, der von der Uhr beherrscht wird. Sie stellen Regeln auf und treffen Entscheidungen selbst, um Zeit zu sparen, basierend auf dem Argument: „Weil ich weiß, was am besten für dich ist „ oder „Weil ich deine Mutter/dein Vater bin.“

Zusammenfassend kann man sagen: Erziehung bedeutet, Autorität zu zeigen, aber mit gesundem Menschenverstand. Es bedeutet, Zuneigung als Gegenmittel und Kommunikation als Strategie zu verwenden. 

Unsere Kinder gehören nicht „uns“. Sie sind Kinder der Welt und sollten die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Sie sollten das Recht dazu haben, ihre eigenen Fehler zu machen und daraus zu lernen, mit der Pflicht, das Erwachsenenalter mit freiem Herzen und ihren eigenen Träumen, die sie erfüllen möchten, zu erreichen.