Die Wahrheit über die Liebe

· 24. August 2016

Liebe ist ein Thema, dem sich Poeten, Maler und Musiker schon seit Jahrhunderten widmen. Während es schön ist, deren Hommage an diese wichtige menschliche Emotion zu lesen, bewundern oder zu hören, haben sie auch eine ganze Reihe von Mythen über die Liebe erschaffen, die viele von uns blind annehmen.

Die Schwierigkeit liegt darin, dass wir Erwartungen bilden, die zu hoch sind. So kann keine reale Liebe das erfüllen, wovon wir träumen und was wir uns wünschen. Deshalb werden wir immer und immer wieder enttäuscht über die Realität sein und es kompliziert finden, echte Liebesbeziehungen mit anderen einzugehen.

Im Folgenden werden wir uns ein wenig mit ein paar Überzeugungen und Mythen über Romantik und Liebe beschäftigen.

„Der, der lernt und lernt und nicht das übt, was er weiß, ist wie der, der pflügt und pflügt und doch nichts sät.“

Plato

Liebe als Ganzes

Die idealisierte Version der Liebe sieht die Liebe als den Gipfel des Guten und den Punkt, zu dem alle Wege des Lebens führen. Liebe wird als Erlösung, Rettung oder als Höhepunkt aller Wünsche gesehen.

Man lässt uns oft glauben, dass wir nur dann glücklich sein werden, wenn wir einen Partner finden und behalten. Außerdem sagt man, dass die Liebe große Opfer mit sich bringt, basierend darauf, die Beziehung um jeden Preis am Leben zu halten. Man muss sich vollständig der Beziehung hingeben. Es darf keine Geheimnisse oder Einschränkungen geben.

Die Realität zeigt uns etwas anderes. Diese absoluten Hingaben, in denen sich alles nur um die Beziehung dreht, ist eher typisch für eine Neurose als für Liebe.

Menschen haben vielerlei Dimensionen und wir können nicht alle mit unserem Partner teilen. Es gibt viele Situationen und Menschen im Leben, die uns Momente des Glücks bringen, die romantische Liebe ist nicht die einzige mit dieser Fähigkeit.

Es gibt auch persönliche Sphären, die wir als privat betrachten. Es gibt Räume, die wir für uns selbst reservieren wollen. Sie stellen einen Teil von unserem Prozess der Selbsterkennung dar, von unserer individuellen Entdeckung unseres eigenen Lebens. Und es ist nicht illoyal, diese nicht mit unserem Partner zu teilen. Ebenso wenig ist es egoistisch. Es ist einfach ein Mechanismus, um unsere Individualität zu bewahren. 

Der Mythos darüber, jemand anderes zu besitzen

Es wird allgemein behauptet, dass jede wahre Liebe unweigerlich zu einer Heirat oder zumindest zu einer dauerhaften Lebensgemeinschaft führen muss. 

Der Mythos der Liebe suggeriert auch, dass Eifersucht eine absolut berechtigte Passion ist. Es gibt sogar Menschen, die sagen, dass es eines der unfehlbaren Zeichen für Liebe sei: Wenn er dich liebt, dann wird er eifersüchtig. Demgegenüber gleicht Untreue einer kompletten Katastrophe. Untreue ist ein definitiver Beweis für fehlende Liebe, ein unüberwindbares Hindernis.

Hier stimmt die Realität wieder nicht genau mit dem überein, worauf die Romantik hindeutet. Es gibt keine Garantie dafür, dass wahre Liebe in einer stabilen Beziehung enden wird, die über die Jahre hinweg niemals zerbricht. Liebe ist kein statisches Gefühl und jeden Tag sehen wir Hochzeiten ohne Liebe oder Beziehungen, die zerbrechen, obwohl es auf beiden Seiten starke Zuneigung gibt.

Wir wissen auch, dass Untreue existiert, auch bei Partnern, die sich sehr lieben. Es bedeutet nicht zwangsläufig, dass man sich zu wenig liebt, sondern hat oft mit der eigenen Unsicherheit oder einer persönlichen Leere zu tun.

Aus all diesen Dingen können wir schließen, dass wir vielleicht viel glücklicher wären, wenn wir aufhören würden, an diese Mythen der Romantik zu glauben. Das würde uns erlauben, die Realität besser zu beurteilen und vielleicht würde es uns dazu bringen, damit aufzuhören, uns nach etwas zu sehnen, das nicht existiert. So können wir das, was wir wirklich von der Liebe erwarten können, wirklich genießen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Elena Dijour