Ich möchte, dass die Menschen Folgendes über den Verlust eines Kindes verstehen

23. März 2016 en Psychologie 371 Geteilt

Ich möchte, dass die Leute über den Verlust eines Kindes verstehen, dass niemand darauf vorbereitet ist. Deshalb möchte ich zuallererst eine so essentielle wie wunderbare Empfehlung machen: Wir sollten jeden Moment mit den uns wichtigen Menschen genießen. Nichts ist in diesem Leben sicher, nichts ist garantiert, noch nicht einmal, dass die Kinder ihre Eltern überleben.

Wenn es etwas gibt, was alle Menschen gemeinsam haben, denen die Tragödie widerfährt, ein Kind zu verlieren, dann ist es das Gefühl der Einsamkeit und des Unverständnisses, das man in den ersten Momenten spürt. Viele fühlen sich isoliert, weil sie denken, dass niemand ihren Schmerz verstehen kann.

 Ein Kind zu verlieren, das ist vor allem das Gefühl, dass man das Projekt seines Lebens und seine größte Hoffnung verloren hat. Trotzdem wird auch hier der Tag kommen, an dem wir entdecken, dass es sich lohnt, weiterzuleben, da man nur so die Erinnerung an das geliebte Kind aufrechterhalten kann.

Ganz zu Anfang muss gesagt werden, dass es keine festen Strategien gibt, die uns allen auf gleiche Weise helfen können, wenn wir mit dem Schmerz umgehen müssen, ein Kind verloren zu haben.

Jedoch sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass wir uns diesem niemals allein stellen sollten. Der Kern der Familie muss zusammenhalten, sich Aufmerksamkeit schenken, sich heilen und gemeinsam lernen, mit dieser Leere zu leben. Man muss sich jeden Tag eine neue Orientierung suchen. Es lohnt sich, dabei die folgenden einfachen Gedanken im Kopf zu behalten, die wie heute mit dir teilen wollen.

Ich muss jeden Tag gegen die Erstarrung meines Geistes und meines Körpers kämpfen

Frau-im-Schnee

Die Welt steht auf einmal still, wenn man von einem Tag auf den anderen ein Kind verliert. Es geschieht entgegen der Natur, etwas, was unser Verstand nicht annehmen kann. Es lässt uns erstarren, nimmt uns die Luft zum Atmen, so als wären wir ohne Seele geblieben.

Der häufigste Gedanke, der den Eltern in den Kopf kommt, ist das klassische „Nichts hat einen Sinn mehr“. Und die Erstarrung des Lebens, der Emotionen und unserer Willenskraft kann dazu führen, dass wir in einem chronischen Leiden gefangen bleiben.

Dies sollten wir verhindern. Unser Gehirn ist nicht dazu in der Lage, das Geschehene zu verarbeiten, daraus entstehen die Verneinungen, die Blockade, die Unbeweglichkeit. Trotzdem sollte der Prozess der Schmerzverarbeitung uns dabei helfen, all diese Emotionen zu bändigen.

Wir müssen vermeiden, dass wir isoliert bleiben, denn es ist die Einsamkeit selbst, die uns in diesen Zustand der Erstarrung treibt. Es ist lebenswichtig für den Umgang mit diesen Gefühlen, dass du auf die Hilfe deiner Familie und deiner Freunde zählen kannst und eventuell auch professionelle, gesundheitliche Hilfe in Anspruch nimmst.

Ich muss lernen, mit meiner Trauer zusammenzuleben

Man kann nicht sagen, dass man mit Sicherheit den Tod eines Kindes überwindet. Überwinden bedeutet besiegen, und niemand kann oder sollte über einen Verlust, über eine Leere hinwegkommen, die in unserer eigenen Essenz als Person verwurzelt ist.

  • Den Tod eines Kindes nimmt man an, man beweint und akzeptiert ihn. Man lernt, mit dieser Leere zu leben, wir sind uns aber bewusst, dass wir diese Leere immerzu in unserem Herzen spüren werden.
  • Ob wir es glauben oder nicht, der Tag wird kommen, an dem der Schmerz uns nicht mehr so sehr zerreißt, und wir können ohne Schmerzen atmen, können laufen, ohne dass unsere Seele schwer auf uns liegt und ohne dass uns das Herz schmerzt.
  • Denn wieder zu leben bedeutet, die Erinnerung an die zu würdigen, die nicht mehr bei uns sind. Es bedeutet, zu verstehen, dass wir diese in uns tragen, dass das Erinnern meint, sie zu ehren, und dass die Liebe in uns verweilt, auch wenn weiterhin die Trauer in uns wohnt.

Ich darf meinen Partner nicht vernachlässigen

Ein Kind zu verlieren lässt sich damit vergleichen, dass das Projekt des Lebens eines Paares plötzlich zu einem Waisen geworden ist. Es reißt ein riesiges Loch in die Beziehung, doch deshalb sollten wir nicht aufhören, für dieses Projekt zu kämpfen.

  • Man muss Schuld und Vorwürfe vermeiden. In diesen Situationen kann selbst das Schweigen verletzend und destruktiv sein.
  • Wir müssen die Art und Weise, in der jeder Mensch anders mit dem Schmerz umgeht, respektieren. Manche Menschen haben eine bestimmte Strategie und sind in der Lage, sich zu öffnen, während andere wiederum Zeit brauchen, bis sie erste Reaktionen zeigen können. Dies sollten wir verstehen lernen.
  • Die Intimität, der Kompromiss und die Leidenschaft sind drei Säulen, die weiterhin innerhalb der Beziehung präsent sein sollten. Wenn wir diese weiterhin fördern, dann wird die Beziehung fortdauern. Wenn wir dem anderen nichts als Leere geben, wenn wir uns nur Dinge an den Kopf werfen, dann werden wir uns langsam voneinander distanzieren.

Landschaft-mit-Mond

Ein Kind verlieren, ohne die anderen zu vernachlässigen

Kinder gehen mit dem Tod anders um als wir Erwachsenen. Und wir dürfen sie in ihrem Entwicklungsprozess nicht vernachlässigen, insbesondere wenn sie sich in einem Alter zwischen 6 und 10 Jahren befinden, in dem man bereits viele Dinge versteht.

Der Tod ist etwas, was niemand verstehen kann, etwas, was die Erwachsenen mit Wut und die Kinder mit Verlorenheit erfüllt. Der Tod erlaubt es nicht immer, sich zu verabschieden, und dem zollen wir Tribut mit unserem Gedenken, mit der täglichen Pflege der Erinnerung an diese Person.

Es ist zu empfehlen, dass die Kinder ihre Worte ausdrücken können, dass wir ihren Zweifeln zuhören und dass wir ihrem emotionalen Unwohlsein die Priorität geben, jedoch ohne unser eigenes Leid zu verstecken. Der Schmerz vergeht, wenn er eine Form findet, sich zu befreien und zu kanalisieren.

Vater-und-Sohn

Es ist nötig, wieder alltägliche Projekte zu haben, uns wieder ein Lächeln mit den Kindern zu erlauben, und so die Erinnerung an das Kind zu ehren, was schon nicht mehr bei uns ist. Wir werden lernen, ohne dieses Kind zu leben, aber es wird niemals diese besondere Stellung in unserem Herzen verlieren. Das Leben wird nach diesem Verlust anders sein, da gibt es keinen Zweifel, aber wir müssen uns erlauben, erneut glücklich zu sein. Du solltest deswegen keine Schuld spüren.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Lucy Campbell, Claudia Tremblay

Auch interessant