Herbert Spencer: Biografie und Werk

23. August 2019
Herbert Spencer war einer der größten Denker seiner Zeit. Dieser englische Philosoph, Psychologe, Soziologe und Naturrechtsexperte war der größte Vater des Sozialdarwinismus und des Positivismus seiner Zeit.

Herbert Spencer war einer der größten Denker seiner Zeit. Dieser englische Philosoph, Psychologe, Soziologe und Naturrechtsexperte war der größte Vater des Sozialdarwinismus und des Positivismus seiner Zeit.

Spencer übertrug die evolutionistisches Gesetze auf die Philosophie und die Gesellschaft. Aber seine darwinistischen Ideen rechtfertigten die Dominanz bestimmter Völker beziehungsweise Rassen über andere.

Diese Ideen fielen in der westlichen Welt im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf fruchtbaren Boden. Der Erfolg seiner damaligen Arbeit beweist dies. Es gelang Spencer sogar, die Aufmerksamkeit vieler Denker aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu erregen.

Einige Autoren waren offen für Diskussionen über seine Ideen. Große Namen wie Émile Durkheim, George Edward Moore oder Thomas Hill Green wurden häufig mit Spencer in Verbindung gebracht. Ohne Zweifel war er eine sehr produktive und kontroverse Figur in der damaligen Wissenschaft.

Brille liegt über alten Büchern.

Biografie von Herbert Spencer

Erste Jahre und Ausbildung

Herbert Spencer wurde 1820 in einer bescheidenen Familie in Derby, England, geboren. Er starb 1903 in Brighton, England. Obwohl er zur Schule ging, lernte er erst mit sieben Jahren das Lesen. In seinen Jugendjahren hatte er Naturwissenschaften studiert, aber als besonders guter Student war er dabei nie aufgefallen.

Er studierte Ingenieurwesen als Autodidakt und arbeitete anschließend von 1837 bis 1846 im Bereich der neu aufkommenden Eisenbahn. In diesen Jahren lernte und studierte Herbert Spencer auf eigene Faust und veröffentlichte einige Bücher über Wissenschaft und Politik. Jahre später, 1948, wurde er Herausgeber der Zeitschrift The Economist.

Diese Veränderung beendete seine Karriere als Ingenieur und startete seine neue Karriere als Schriftsteller und Philosoph. 1851 veröffentlichte Spencer sein erstes offizielles Buch, Social Statics, in dem er vorhersagte, dass sich die Menschheit an das Leben in einer Gesellschaft ohne die Notwendigkeit des Staates anpassen würde.

Karriere und Bücher

Spencer ging oft und gern zu Besprechungen mit Gleichgesinnten. Bei diesen Veranstaltungen lernte er einige positivistische Wissenschaftler kennen, die ihn 1855 zum Schreiben von The Principles of Psychology (deutscher Titel: Die Grundlagen der Psychologie) inspirierten. Dabei verteidigte er, dass der menschliche Geist Naturgesetzen unterworfen sei, die durch Physiologie und Biologie erklärt werden könnten.

Jahre später veröffentlichte er A System of Synthetic Philosophy. Diese Arbeit wollte beweisen, dass die Evolutionsprinzipien gleichermaßen auf Philosophie, Psychologie und Soziologie anwendbar sind. Es war eines seiner größten Werke, bestehend aus 10 Bänden, die er über einen Zeitraum von 20 Jahren schrieb.

Es war zu dieser Zeit nicht üblich, dass Bücher der Philosophie zu Bestsellern wurden. Meistens handelte es sich bei den meistverkauften Werken um Romane. Herbert Spencer war jedoch ein sehr einflussreicher Denker, der zu Lebzeiten mehr als eine Million Exemplare seiner Werke verkaufte. Er wurde sogar 1902 für den Nobelpreis für Literatur nominiert.

Herbert Spencer und die Psychologie

Herbert Spencer schrieb seine Arbeit vor Darwin. Daher verschmolz er Assoziation und Physiologie mit Lamarckismus (Die Theorie, dass zu Lebzeiten erlernte Fähigkeiten weitervererbt werden können). So war Spencer in der Psychologie der Anpassung bereits Jahrzehnte voraus.

Er konzipierte Entwicklung als einen Prozess, durch den die Verbindung zwischen Ideen die Verbindung zwischen den vorherrschenden Ereignissen in der Umgebung widerspiegelte.

Die Verbindungen wurden nach den alten Grundsätzen der Kontinuität und Kontingenz hergestellt. Die Entwicklung des Gehirns ist somit eine folgerichtige Anpassung an die Umgebungsbedingungen. Der englische Schriftsteller hat das Gehirn auch als eine organisierte Liste aus Erfahrungen bezeichnet.

In einem anderen Punkt behauptete er, der Instinkt sei eine erlernte assoziative Angewohnheit. Spencer verteidigte auch, dass die mentalen Prozesse einiger Arten auf die Anzahl der Assoziationen reduziert sind, die das Gehirn des betreffenden Tieres ausführen kann. Mit anderen Worten, für Spencer waren die Unterschiede zwischen den mentalen Fähigkeiten verschiedener Spezies quantitativ.

Herbert Spencer und der Sozialdarwinismus

Herbert Spencer machte mehrere Aussagen zu einem sehr kontroversen Thema: Er vertrat den Ansatz, dass soziale Gruppen unterschiedliche Fähigkeiten besäßen, die Natur zu beherrschen und ihre Vormachtstellung zu begründen und zu festigen. So waren die Reichen fähiger als die Armen, da die ersteren an der Spitze der Gesellschaft standen, während die letzteren am Ende standen.

Für Spencer war die Gesellschaft ein biologisches Wesen. So rechtfertigte er die Dominanz der „überlegenen Rassen“ und trat dafür ein, dass wir die Zahl der schwachen Menschen auf der Welt verringern müssten. So waren Imperialismus und Rassismus die Grundlagen seiner Theorien.

Starke, kluge Menschen mussten für ihn ums Überleben kämpfen, was bedeutete, den Verfall der Gesellschaft zu verhindern. Andernfalls war ein Land gefährdet, wenn die Schwachen oder die am wenigsten fähigen (physisch und intellektuell gesehen) mächtiger waren als die Starken.

Herbert Spencer in Form einer Zeichnung.

Gedanken zu Herbert Spencers Leben und Werk

Abschließend lässt sich festhalten, dass Spencer einen positivistischen, biologischen und evolutionären Standpunkt in Bezug auf Philosophie, Psychologie und Soziologie vertrat. Er hielt das Lernen sowie die physische und psychische Anpassungsfähigkeit für sehr wichtig. Aber seine Arbeit wurde falsch interpretiert, um der Denkweise und Ideologie von Rassisten zu entsprechen, die Spencers Theorien als wissenschaftlichen Beweis für ihre Behauptungen zitierten.

Es ist für einen Autor nichts Besonderes, dass sein Werk falsch interpretiert und entsprechend der Zeit angepasst wird. Auch nicht im Fall von Herbert Spencers Werk. Tatsächlich ist das im Laufe der Geschichte immer wieder vorgekommen.

Ähnliches geschah mit Machiavelli und sogar mit Nietzsche. Nazis und Antisemiten nutzten deren Werke, um rassistische Behauptungen zu untermauern. Es ist nicht einfach, über die Überlegenheit einer Gruppe gegenüber einer anderen zu sprechen, ohne Kontroversen hervorzurufen.

Außerdem müssen philosophische und literarische Werke aus einer bestimmten Perspektive betrachtet werden. Man sollte daher stets nachforschen, in welcher Zeit und in welchem Kontext diese Ideen veröffentlicht wurden, damit die Gedanken des Autors besser verstanden werden können.

Abgesehen von Kontroversen und Überlegungen besteht kein Zweifel, dass Herbert Spencer es geschafft hat, sich als der größte multidisziplinäre Denker seiner Zeit hervorzuheben.

  • Spencer, H. (1917). Principios de psicología. Revista del Centro de Estudiantes de Filosofía y Letras1(2).
  • Spencer, H. (1884). El individuo contra el Estado. Editorial MAXTOR.
  • Spencer, H. (1867). Creación y evolución (Vol. 16). Escuela Moderna.
  • Spencer, H. (1942). La ciencia social. Nueva biblioteca Filosófica.